Credimundi: Türkei – Steigendes Risiko für Kapitalabflüsse
Wiesbaden (7.6.16) – Der neue türkische Regierungschef Binali Yildirim steht vor großen Herausforderungen: Das Wirtschaftsklima hat sich verschlechtert, die Anzahl notleidender Kredite im Bankensektor nimmt zu und der Tourismussektor hat mit dem erhöhten Sicherheitsrisiko im Land und den wachsenden Spannungen mit Russland zu kämpfen. So sind die Touristenzahlen jüngst stark gefallen. „Da der Fremdenverkehr mehr als zehn Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen ausmacht, wird diese Entwicklung unweigerlich das Leistungsbilanzdefizit belasten. Dabei ist das Defizit, aufgrund der niedrigen Ölpreise, seit 2013 kontinuierlich gesunken“, sagt Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credimundi. Zusammen mit den wachsenden Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des gesamtwirtschaftlichen Umfelds könnte dies zu einem großen Vertrauensverlust der Anleger führen. Die Türkei würde das hart treffen, da sie – trotz ihrer starken Widerstandsfähigkeit beim Wirtschaftswachstum und ihren soliden öffentlichen Finanzen – mit anhaltend hohen Zahlungsbilanzungleichgewichten sowie einer wachsenden Auslandsverschuldung konfrontiert ist.
Zwar bleibt Mehmet Simsek, ein Garant für das Investorenvertrauen, als stellvertretender Ministerpräsident im Amt, dennoch ist die Türkei anfällig für Kapitalabflüsse. Im Falle sehr starker Kapitalabflüsse hieße das, dass die Lira weiter an Wert verlöre und Banken sowie nicht-finanzielle Unternehmen bei fällig werdenden Schulden in Schwierigkeiten gerieten. „In einem solchen Szenario würden darüber hinaus auch die die Unternehmensinsolvenzen weiter steigen. Tatsächlich haben die Konzernverschuldungen in den vergangenen Jahren stark zugenommen“, so Witte.

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