Saxo Bank:
Dollar-Schwäche kann sich schnell verbessern
Kopenhagen (8.6.16) – Natürlich lässt sich die Ungenauigkeit der früheren Wirtschaftsprognosen der US-Notenbank ganz mühelos herausstreichen. Aber diesmal steht die Fed besonders dumm da; der Zeitpunkt, an dem sie das Potenzial von zwei bis drei Zinserhöhungen in diesem Jahr anzupreisen versuchte, wenn der Markt selbst die hohe Wahrscheinlichkeit einer einzigen Zinserhöhung nur höchst widerstrebend einrechnen will, war einfach zu ungeschickt. Aber angesichts der äußerst deutlichen Hinweise, dass die Fed förmlich auf eine Zinserhöhung brannte, beschloss der Markt in den letzten Wochen, den USD auf einen leicht höheren Wert hochzuschrauben. Man rechnete damit, dass die Fed bei guten Daten in der Lage sein werde, beim FOMC-Meeting im Juni, spätestens im Juli einen Anstoß zu geben.
Aber auch wenn der Markt mittlerweile widerstrebend zur Zaubermelodie des Fed-Fängers marschiert, haben die Zinserwartungen doch unter keinen Umständen gleich volle zwei Zinserhöhungen eingerechnet. Außerdem herrschte und herrscht am Markt die Meinung, dass die US-Zinssätze absolut nirgendwohin führen werden, selbst wenn die FOMC-Zinsprognosen beim Meeting im März auf eine Normalisierung des Zinssatzes auf 3,0 Prozent bis Ende 2018 schließen lassen (auf der Grundlage der medianen Prognose); die am stärksten gemäßigte FOMC-Prognose rechnet dabei mit 2,0 Prozent für denselben Zeitraum. Der Markt sagt etwa 1,0 Prozent. Und obwohl der Markt sich weiterhin dagegen sträubt, Zinserhöhungen einzurechnen, flacht die US-Zinsertragskurve rasch weiter ab, während die niedrigen Erträge ins Bodenlose stürzen. Kein Signal wird stärker mit dem Risiko einer Rezession verknüpft als eine flache oder invertierte Zinsertragskurve, und diese aktuellen Datenmengen haben zusammen mit dem schwachen Wirtschaftswachstum in Q1, den niedrigen Unternehmensgewinnen und der kraftlosen Expansion im US-Dienstleistungssektor das Profil des Rezessionsrisikos zutage treten lassen.
Die Entwicklungen von dieser Stelle aus werden für USD-Händler und Währungsinvestoren im Allgemeinen heftig sein. Eine fortgesetzte Dollarschwäche ist wahrscheinlich, aber die niedrigen Investitionen des Markts nach der versuchten gemäßigten Orientierung der US-Notenbank geben einem solchen Anstoß wohl nur wenig Nahrung. Außerdem muss der USD gegen eine andere Währung antreten, aber gegen welche? Normalerweise wären hier Währungen mit höheren Erträgen genau das Richtige, insbesondere Währungen an Wachstumsmärkten; diese Währungen sind jedoch in der Regel mit einer gewissen Risikobereitschaft verbunden, die wohl kaum aufblüht, wenn die USA laut der allgemeinen Meinung auf eine Rezession zusteuern. Und selbst wenn die globalen Märkte einen relativ gleichmäßigen Kurs steuern, sind die Zinsvorteile der Industrieländerwährungen mit den höchsten Erträgen (australischer und neuseeländischer Dollar) in den letzten Monaten eingebrochen, als das Inflationsniveau infolge des verlangsamten Wachstums in rohstofforientierten Wirtschaften zurückging. Die neuseeländische Zentralbank (RBNZ) wird den Zinssatz bei ihrem Meeting am Donnerstag vermutlich auf das Rekordtief von 2,0 Prozent senken, wobei weitere Einschnitte durch die RBNZ und auch durch die australische Zentralbank bei weiteren Meetings den Zinssatzvorteil (den Carry-Vorteil) aus diesen Währungen auf einen bloßen Bruchteil des Carrys an früheren Märkten schrumpfen lassen werden.
Und was die anderen Hauptwährungen angeht, wird Europa durch das Volksreferendum am 23. Juni in Großbritannien in Atem gehalten, und wenn der USD/JPY im Lauf des Jahres auf einen neuen Tiefststand stürzt, wird Japan in jedem Fall lautstark neue finanzpolitische Maßnahmen gegen die Deflationsrisiken fordern. Die Optimisten betonen, dass die US-Wirtschaft in den letzten Jahren einige hässliche Abweichungen durchgemacht habe, ohne rundheraus in die Rezession zu stürzen, und dass dieser eine Bericht über schlechte Arbeitslosenzahlen rasch abgetan werden könne, wenn die Berichte im Juni und Juli auf eine Verbesserung dieser Zahlen schließen lassen, sodass der US-Dollar wieder an Fahrt aufnehmen könne. Aber wenn die USA tatsächlich in die Rezession eintreten, könnte das ein ganz neues Kapitel der globalen Währungskriege aufschlagen, bei denen für die USA weniger auf dem Spiel steht als für die meisten anderen Hauptwährungen, insbesondere weil die USA durch die wohl umstrittenste US-Präsidentschaftswahl der jüngsten Geschichte mehr als genug abgelenkt sein dürften.

Stay In Touch