Frankfurt/Main (8.6.16) – Nach einem starken Jahr 2015, als die 16 weltweit führenden Automobilkonzerne der Welt ihren Umsatz um zehn Prozent steigern konnten, mussten die Konzerne im ersten Quartal einen Gang zurückschalten. Der Umsatz wuchs ebenso wie der Absatz in den ersten drei Monaten des Jahres gerade einmal um ein Prozent, der operative Gewinn stieg um zwei Prozent.
Die deutschen Hersteller schnitten mit einem Umsatzrückgang von einem Prozent und einem um acht Prozent niedrigeren Gewinn schlechter ab als die Konkurrenz.
Beim Umsatzwachstum hatten im ersten Quartal Kia, Renault und Ford die Nase vorn, die jeweils um mehr als zehn Prozent zulegten. Das stärkste Absatzplus schafften hingegen Honda (15 Prozent), Daimler und Ford (jeweils 10 Prozent). Immerhin neun der 16 Unternehmen verzeichneten allerdings rückläufige Verkaufszahlen – darunter auch die drei Marktführer Toyota, Volkswagen und General Motors.
Umsatzstärkster Automobilkonzern der Welt war im ersten Quartal Toyota. Der japanische Autokonzern war auch in zwei anderen Disziplinen Weltspitze: Er verzeichnete den höchsten Gewinn (umgerechnet 4,3 Milliarden Euro) und verkaufte die meisten Pkw (2,5 Millionen). Bei der Gewinnmarge hingegen konnte BMW mit 11,8 Prozent die Spitzenposition verteidigen. Toyota belegt mit 7,9 Prozent den zweiten Rang.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.
„Die weltweite Automobilkonjunktur lahmt – trotz des kräftigen Aufschwungs auf dem europäischen Neuwagenmarkt“, beobachtet Peter Fuß, Partner bei EY. „In den USA und China hat sich das Wachstum abgeschwächt, andere wichtige Absatzmärkte – etwa Russland und Brasilien – befinden sich in einer tiefen Krise. Zusätzlich leiden die europäischen und japanischen Unternehmen unter ungünstigen Währungseffekten“.
Für das laufende Jahr rechnet Fuß mit einer weiterhin schwachen Wachstumsdynamik auf dem weltweiten Neuwagenmarkt: „In Europa und den USA ist der Absatz inzwischen auf sehr hohem Niveau – da ist nicht mehr viel Luft nach oben. Und in China sind es vor allem die Steuergeschenke für kleinere Fahrzeuge, die dem Absatz Schwung verleihen. Es bleibt abzuwarten, wie es nach dem Auslaufen dieser Subvention auf dem chinesischen Markt weitergeht“. Ein Ende der Probleme in wichtigen Schwellenländern sei zudem nicht abzusehen. Obendrein blieben die politischen und wirtschaftlichen Risiken in Europa und weltweit hoch, so Fuß: „In den kommenden Monaten stehen zahlreiche schwierige Entscheidungen und Entwicklungen an – etwa das „Brexit“-Referendum in Großbritannien, die Parlamentswahlen in Spanien, die Streikwelle in Frankreich und die Präsidentschaftswahlen in den USA“.
Schwierig sei die Lage derzeit vor allem im Volumensegment, belastend wirkten sich zudem die Unsicherheiten bezüglich der Aufarbeitung der Diesel-Affäre und der Verbrauchs- und Schadstoffproblematik allgemein aus. „Die Autoindustrie bekommt derzeit kräftig Gegenwind – und das in einer Situation, in der der weltweite Neuwagenabsatz weitgehend stagniert“, so Fuß. „Gleichzeitig ist der Kampf um Marktanteile voll entbrannt und geht stark auf Kosten der Marge“. Der Kostendruck werde sich vor diesem Hintergrund und angesichts hoher anstehender Investitionen weiter verstärken, erwartet Fuß: „Die Autobauer müssen Milliarden in die Digitalisierung ihrer Produktion, ihres Vertriebs und ihrer Geschäftsmodelle investieren. Sie müssen neue Fahrzeuge entwickeln und in neue Technologien investieren, um die Schadstoffemissionen ihrer Fahrzeuge zu senken“.
Deutsche Autokonzerne profitieren vom starken Premium-Segment und Wachstum in China
Trotz der insgesamt eher schwachen Absatz- und Umsatzentwicklung der deutschen Autokonzerne gibt es auch gute Nachrichten, so Fuß: „Vor allem die deutschen Premiummarken waren im ersten Quartal dank des weltweiten SUV-Booms gut unterwegs und lagen beim Absatzwachstum deutlich über dem Gesamtmarkt. Anstehende Modellneuheiten dürften dafür sorgen, dass die Premiummarken auch im weiteren Jahresverlauf gut unterwegs sein werden“.
Obendrein können die deutschen Autokonzerne in China nach einem insgesamt enttäuschenden Jahr 2015 derzeit wieder Boden gut machen: Der China-Absatz der drei deutschen Autokonzerne stieg im ersten Quartal um acht Prozent, nachdem er im Gesamtjahr 2015 noch stagniert hatte. Die deutschen Automarken gehörten im Reich der Mitte zu den am kräftigsten wachsenden ausländischen Marken – stärker legten vor allem einheimische Marken zu, die überdurchschnittlich stark von den Steuererleichterungen profitieren.
Der China-Anteil am Gesamtabsatz der deutschen Konzerne wuchs im ersten Quartal entsprechend weiter – von 31 Prozent im Jahr 2015 auf aktuell 34 Prozent. Am stärksten abhängig vom chinesischen Markt ist nach wie vor Volkswagen – der Konzern setzte im ersten Quartal 39 Prozent seiner Neuwagen in China ab. Bei BMW liegt der Anteil Chinas am Gesamtabsatz bei 23 Prozent, Daimler verkauft knapp jedes fünfte Fahrzeug (19 Prozent) in China. Für alle drei Konzerne hat der chinesische Markt in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung gewonnen – im Jahr 2010 setzten die deutschen Autobauer gerade einmal 23 Prozent ihrer Fahrzeuge in China ab.

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