Stuttgart (15.6.16) – Deutschlandweit gibt es aktuell 678 Familienunternehmen, die einen Jahresumsatz von 300 Millionen Euro und mehr erwirtschaften. Insgesamt liegt der Jahresumsatz dieser Top-Familienunternehmen bei 1,48 Billionen Euro, das entspricht etwa dem kombinierten Bruttoinlandsprodukt von Spanien und Schweden. Die ältesten Top-Familienunternehmen Deutschlands sind die BGH Edelstahlwerke Freital (Gründungsjahr 1467), die Eder Familien Holding (1491/Landtechnik/Fahrzeugbau) und die William Prym Holding (1530, Knopf-Verschlusssysteme/Werkstofftechnik).
Regional entwickelten sich die untersuchten Unternehmen auffallend unterschiedlich: Während die Familienunternehmen im Süden Deutschlands – in Baden-Württemberg und Bayern – im Jahr 2014 überdurchschnittlich stark wuchsen und beim Umsatz um 5,6 bzw. 5,3 Prozent zulegten, konnten die nordrhein-westfälischen Unternehmen ihren Gesamtumsatz gerade einmal um 1,9 Prozent steigern. Bei den Familienunternehmen mit Sitz in Hamburg hingegen schrumpfte der Umsatz leicht um 0,3 Prozent. Dabei ist Hamburg die deutsche Stadt mit den mit Abstand meisten Familienunternehmen: 34 der Top-Familienunternehmen Deutschlands sind in Hamburg beheimatet. Düsseldorf liegt mit 16 Unternehmen auf dem zweiten Platz gefolgt von München mit 15 Unternehmen.
Das sind Ergebnisse des aktuellen Rankings „Top Familienunternehmen“, das vom Businesskontaktdienstleister matchbird in Kooperation mit der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY erstellt wurde. Als Familienunternehmen gelten dabei Unternehmen, an denen Einzelpersonen oder Familien mindestens 30 Prozent der Gesellschaftsanteile bzw. Aktien halten. 72 der 678 Unternehmen (11 Prozent) sind börsennotiert. Das komplette Ranking wird veröffentlicht unter: www.Top-Familienunternehmen.de.
„Familienunternehmen prägen die deutsche Wirtschaft – sie haben einen entscheidenden Anteil am wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand Deutschlands und der guten Arbeitsmarktlage“, betont Peter Englisch, Partner und Leiter Familienunternehmen bei EY. Die für Familienunternehmen typische Betonung von Kontinuität, Nachhaltigkeit und langfristiger Planung scheint sich auszuzahlen: Beschäftigung und Umsatz stiegen 2014 deutlich, 73 Prozent der Unternehmen konnten ihren Umsatz steigern, immerhin 63 Prozent meldeten steigende Mitarbeiterzahlen. Nur 21 bzw. 23 Prozent verzeichneten Rückgänge bei Umsatz bzw. Beschäftigung.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor von Familienunternehmen sei die enge persönliche Bindung der Inhaber an das Unternehmen, so Englisch: „Viele Familienunternehmen blicken auf eine beeindruckende Geschichte zurück – 13 Prozent der Top Familienunternehmen sind älter als 150 Jahre. Diese Tradition prägt das heutige unternehmerische Handeln, das vielfach weniger auf Umsatz- und Gewinnsteigerung abzielt, sondern längerfristige Ziele verfolgt und bestimmten Werten verpflichtet ist“.
Gerade für die regionale Wirtschaft hätten die mittelgroßen bis großen Familienunternehmen vielfach eine herausragende Bedeutung, betont Englisch: „Familienunternehmen sind häufig abseits der wirtschaftlichen Zentren angesiedelt und vor Ort oft der größte Arbeitgeber. Sie wirken stabilisierend und engagieren sich in erheblichem Umfang in den Bereichen Ausbildung, Integration sowie Kultur und Soziales. Sie pflegen ihre regionale Identität und damit auch eine langfristige Verbundenheit der Mitarbeiter zum Unternehmen und umgekehrt.“
Zudem bildeten Familienunternehmen das Rückgrat der deutschen Industrie, und gerade für die Stärke des industriellen Sektors werde Deutschland vom Ausland beneidet. Dementsprechend seien klassische Industrieunternehmen im Ranking besonders stark vertreten: 56 Unternehmen sind der Automobilindustrie zuzurechnen, 54 Unternehmen dem Maschinenbau und 32 Unternehmen der Metallverarbeitung; 116 Unternehmen sind in sonstigen Industriezweigen tätig.
Ebenfalls stark geprägt von Familienunternehmen sind die Branchen Lebensmittelerzeugung (71 Unternehmen) und Handel (59 Unternehmen). Im Unterschied dazu haben es relativ wenige Unternehmen aus den Bereichen Medien (13 Unternehmen) und IT (11 Unternehmen) ins Ranking geschafft.
„Deutschland profitiert enorm von seiner historisch gewachsenen Struktur aus wettbewerbsstarken Familienunternehmen: Der Erfolg des Standorts Deutschland ist zu einem erheblichen Teil der Erfolg der deutschen Familienunternehmen. Diese besondere Stärke gilt es zu bewahren und auszubauen. Deswegen ist ein günstiges Umfeld für diese Unternehmen auch im volkswirtschaftlichen Interesse“, sagt Englisch abschließend.

Stay In Touch