GAM: Die Aussicht auf steigende US-Zinsen bietet gute

Investmentchancen bei Schwellenländeraktien

 

London (16.6.16) – Lange haben Investoren auf eine Erholungsrally von Schwellenländerwerten gewartet. Tim Love, Investment Director bei GAM, ist der Meinung, dass steigende Zinsen in den USA den entscheidenden Impuls für eine positive Entwicklung geben könnten.  „Die Aussicht auf steigende US-Zinsen mag zunächst nicht wie ein positives Umfeld für Schwellenländeraktien erscheinen. Die Anleger erinnern sich sicher an die Verkaufswelle, die im Mai 2013 auf die Ankündigung des damaligen US-Zentralbankpräsidenten Ben Bernanke folgte, der damals angekündigte, dass die quantitative Lockerung der Zentralbank allmählich zurückgenommen werde. Dies wurde später als ,Taper Tantrum‘ bezeichnet“, sagt Love. Zwischen der aktuellen Situation und der Entwicklung vor drei Jahren gebe es aber bedeutende Unterschiede.

 

Seit der Zinserhöhung der amerikanischen Zentralbank Fed im Dezember des vergangenen Jahres – der  ersten seit 2006 – habe die Zentralbank wiederholt signalisiert, dass sie sich bei der geldpolitischen Straffung Zeit lassen werde, um die Konjunkturerholung nicht zu gefährden. Weitere Zinserhöhungen würden die Märkte kaum überraschen. Darüber hinaus habe zumindest ein Teil der Anpassung an die von den Erwartungen abweichenden Wachstums- und Zinstrends in den USA und dem Rest der Welt bereits stattgefunden, da der US-Dollar immer noch überbewertet sei.

 

Schwellenländer profitieren von stärkerem US-Wachstum und steigenden Exporten in die USA

Zu Beginn des letzten Zinserhöhungszyklus der Fed, der im Juni 2004 begann, verzeichneten Schwellenländeraktien eine kräftige Rally. Der MSCI EM Index kletterte damals vom 30. Juni bis Ende 2004 – absolut gesehen – um rund 24 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten stieg der Index sogar um 32 Prozent. Die Lokalwährungen stabilisierten sich ebenfalls. „Schwellenländeraktien entwickeln sich in der Regel während Zinserhöhungszyklen der US-Notenbank am besten. Kurzfristige Schocks dürften schnell korrigiert werden. Denn die durch die Zinserhöhungen verursachten höheren Kapitalkosten werden durch die Verbesserung des BIP-Wachstums in den USA kompensiert. Dieses führt wiederum zu höheren Gewinnen je Aktie für Schwellenländerunternehmen“, erklärt der Experte. Wenn die US-Wirtschaft anziehe, nehme die Importaktivität zu. Da die Wirtschaft der Schwellenländer sich auf Exporte stütze, profitiere sie direkt von einem kräftigeren US-Wachstum und steigenden Importen in den USA. Gleichzeitig verbesserten sich die Gewinnprofile der an den lokalen Börsen notierten Unternehmen.

 

Strukturelle Stagflation kann überwunden werden

Hinsichtlich des aktuellen Zinszyklus ist Tim Love optimistisch: „Obwohl wir mit einem niedrigeren Höchstzinsniveau der Fed im aktuellen Zyklus rechnen, sind wir auch der Ansicht, dass langfristige Innovationen die strukturelle Stagflation, also die Kombination von hoher Inflation und schleppendem Wachstum, überwinden werden.“ Diesmal seien neun der zehn größten Aktienmärkte von Schwellenländern mit Investment Grade bewertet – im Vergleich zu nur zwei Märkten mit diesem Rating zu Beginn des letzten Zinserhöhungszyklus. Die aktuell höhere Anzahl von Investment-Grade-Ländern sei auf eine bessere Corporate Governance, solidere Bilanzen und eine bessere Zugänglichkeit für Anleger zurückzuführen. Eine Wiederholung der Verkaufswellen, die 1994 und 1998 in einer zweiten Phase folgten, ist zudem unwahrscheinlich.

 

„Außerdem notieren Schwellenländeraktien derzeit auf ähnlichen Niveaus wie 2006 und in vielen Sektoren und Ländern liegen die Bewertungen nahe an den Tiefstwerten der Kreditkrise von 2008 und 2009. An den Devisenmärkten haben die Schwellenländerwährungen stärkere Kurskorrekturen als 2008 erlebt“, so Love. Das gelte insbesondere für Währungen mit Bezug zur Wirtschaftsaktivität in China, wie den brasilianischen Real und den russischen Rubel. „Wir sind nun an den Punkt gelangt, an dem Investoren beginnen sollten, entgegen der allgemeinen Marktmeinung, zyklische Aktien mit positivem Free Cash Flow zu kaufen.“