LGIM: Trump ante portas

 

London (17.6.16) – Ein Sieg von Donald Trump bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA ist zwar nicht unbedingt wahrscheinlich, aber dennoch möglich. Tritt dieser Fall ein, dürfte das US-Aktien kurzfristig Auftrieb verleihen, während bei Anleihen vor allem US-Staatspapiere zu den Verlierern gehören werden. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten des britischen Asset-Managers Legal & General Investment Management (LGIM). „Nach menschlichem Ermessen hat Donald Trump im direkten Wahlduell gegen Hillary Clinton nur geringe Chancen auf einen Sieg“, ist Tim Drayson, Head of Economics bei LGIM, überzeugt. „Clinton steht dafür, die vorhandenen Verhältnisse zu wahren, und unter diesem Gesichtspunkt müsste man sich eigentlich keine Gedanken in Hinblick auf die US-Wahl machen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit einer Präsidentschaft von Donald Trump zu hoch geworden, um sie gänzlich außer Acht zu lassen – und dieses Szenario hätte erhebliche Auswirkungen auf US-Vermögenswerte.“ „Die Frage aus Sicht von Investoren ist doch: Was würde ein US-Präsident Trump tun?“, nimmt Lars Kreckel, Aktienstratege bei LGIM, den Gedanken seines Kollegen auf. „Die Antwort darauf ist alles andere als einfach, da sich Trump selbst als ‚vollkommen flexibel bei einer Menge, Menge von Themen‘ beschreibt.“

 

Als vergleichsweise konsistent gilt zumindest Trumps Standpunkt in Hinblick auf die von Amtsinhaber Barack Obama vollzogene Gesundheitsreform (Affordable Care Act, besser bekannt unter „Obamacare“), die er angekündigt hat, rückgängig zu machen. Zudem will er die Flüchtlingspolitik verschärfen und die Verhandlungen über die Freihandelsabkommen mit Europa (TTIP) und Asien (TTP) aussetzen. „Dagegen hat Trump bei anderen Themen wie etwa dem Mindestlohn vor Kurzem eine radikale Kehrtwende vollzogen“, so Dyson. „Die wesentliche Schlussfolgerung daraus ist, dass Trump kein Ideologe ist, der eine Grundüberzeugung vertritt. Es gibt bei ihm stattdessen viele Unbekannte.“ Aus diesem Mangel an Klarheit über die politische Ausrichtung einer US-Regierung unter Trump ist Unsicherheit nach Ansicht der beiden LGIM-Experten wahrscheinlich das Einzige, über das sich die Investoren über die kommenden Monate hinweg sicher sein können. „Es ist ein Klischee, dass die Märkte keine Unsicherheit mögen. Wir erwarten daher, dass die steigende Wahrscheinlichkeit einer Präsidentschaft Trumps einher geht mit einer höheren Risikoprämie von US-Vermögenstiteln“, prognostiziert Kreckel.

 

Dieser Risikoabschlag könnte bei US-Aktien seiner Einschätzung nach kompensiert werden durch die Aussicht auf höhere Staatsausgaben einer Regierung Trump. „Wegen der dann besseren Wachstumsaussichten für Unternehmen dürfte dies den Kursen kurzfristig Auftrieb verleihen.“ Anders als 2012 war die Nachhaltigkeit der Fiskalpolitik nach Beobachtungen der LGIM-Experten bislang wenig Thema im bisherigen US-Wahlkampf. „Trump hat bislang nur wenig dazu gesagt, wie er den Staatshaushalt ausgleichen will, stattdessen aber Maßnahmen betont, die zu einer Ausweitung der Verschuldung führen würden – so wie etwa deutlich höhere Ausgaben für den Ausbau der Infrastruktur“, sagt Drayson. „Aus Sicht von Investoren, die US-Staatsanleihen halten, ist das natürlich keine besonders attraktive Politik – vor allem wenn man dies in Verbindung mit den wirklich Besorgnis erregenden Äußerungen Trumps zu seinem Umgang mit Anleihegläubiger sieht.“ Trump hat bislang mehrfach gesagt, dass er als Geschäftsmann Kredite aufgenommen hat mit der ausdrücklichen Absicht, diese später nicht zurückzuzahlen. „Es ist anzunehmen, dass sich Trump’s Haltung in diesem Punkt mäßigen wird, sollten seine Chancen auf eine Präsidentschaft steigen“, glaubt Dryson. „Aber es stellt sich am Ende die nicht unwichtige Frage nach der Rolle von US-Treasuries unter einer US-Regierung Trump als die risikofreieste Anlage der Welt.“