Börsianer zum Brexit:
„Das ist eine ganz große Scheiße“ –
„Das wird ein Crash-Tag“ –
Dax bricht so stark ein wie noch nie

Mit einem Abschlag von über 10 Prozent und mehr als 1000 Punkten hat der Dax zum Handelsstart am Brexit-Tag so viel verloren wie noch nie – Foto:PK
Frankfurt/Main (24.6.16)/PK – Geschockt vom Brexit haben Frankfurter Börsianer außergewöhnlich heftig reagiert. Für Wertpapierhändler Stefan Scharffetter steht fest: „Das wird ein Crash-Tag an der Börse“. Robert Halver schimpfte mit drastischen Worten: „Das ist eine ganz große Scheiße“. Darin spiegelt sich die miserable Stimmung wider, die zum Handelauftakt an der Frankfurter Börse geherrscht hatte. Die Furcht vor einem Auseinanderfallen Europas sei nun riesengroß, hieß es. Dass die Kapitalmärkte vorübergehend verrückt spielten, sei zu verkraften. Bedrohlich sei hingegen der zu erwartende Auftrieb europafeindlicher, rechtspopulistischer Kräfte.
Der Deutsche Aktienindex Dax erlebte seinen größten Kurssturz. Er begann den regulären Handel mit 9237 Punkten und stand damit rund 10 Prozent niedriger als am Vorabend. Aktien der Deutschen Bank verbilligten sich zeitweise um rund 20 Prozent und kosteten mit rund 13 Euro so wenig wie noch nie. Der Euro schwächte sich zum US-Dollar dramatisch ab. Die Rendite deutscher Anleihen rutschte noch tiefer ins Minus.
Dass die Fusion der Deutschen Börse mit der Londoner Börse wie geplant zustandekomme, halten Beobachter nach dem Brexit für unwahrscheinlich. Bislang sehen die Fusionspläne vor, dass der künftige Sitz der künftigen Börse in London ist. Dies dürfte nach der Brexit-Entscheidung wohl nicht mehr durchsetzbar sein, war die einhellige Meinung im Frankfurter Börsensaal.
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Statement von Dr. Martin Zentgraf, Vorstand des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie, zur Entscheidung in Großbritannien über das Ausscheiden aus der Europäischen Union
„Wir sind heute in tiefer Sorge um die Europäische Union, um das gute Miteinander in Europa. Die Europäische Union verliert mit der Entscheidung Großbritanniens 16 Prozent ihrer Wirtschaftskraft und – viel wichtiger noch – sie verliert 13 Prozent ihrer Bevölkerung.
Der Brexit ist aber auch ein Schlag für die Errungenschaften der Arzneimittelversorgung in Europa. Die Europäische Union schafft durch einheitliche Anforderungen für die Zulassung und Herstellung von Arzneimitteln die Voraussetzung für die länderübergreifende Versorgung mit sicheren und wirksamen Arzneimitteln. Sie schafft einen einheitlichen Binnenmarkt, der den freien Verkehr mit Arzneimitteln ermöglicht und damit die Versorgung über nationale Grenzen erleichtert und stabilisiert. Nicht zuletzt erleichtert und fördert sie grenzüberschreitend Forschung und Entwicklung in einem Maße, das einzelne Staaten nicht leisten könnten.
Die pharmazeutische Industrie ist durch die enge Verflechtung Großbritanniens in der Europäischen Union gekennzeichnet. Uns verbinden über Jahrzehnte gewachsene wechselseitige Handelsverbindungen, die wir nun innerhalb von kurzer Zeit auf eine neue Grundlage stellen müssen – soweit dies überhaupt möglich sein wird. Großbritannien und Deutschland sind starke Pharmastandorte. Es wird unsere Unternehmen große Anstrengungen kosten, die neuen bürokratischen Hürden zu nehmen, die nun in der Folge des Austritts Großbritanniens aus der Union auf uns zukommen.
Der Mittelpunkt für die Bewertung und Zulassung von Arzneimitteln ist bisher die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in London. Die Behörde wird einen neuen Sitz nehmen müssen; die Verfahren werden in Zukunft woanders organisiert. Dadurch dürfen die pharmazeutischen Unternehmen nicht belastet werden.
Mehr noch als die Summe aller wirtschaftlichen und administrativen Probleme schmerzt uns der Abschied von unseren britischen Freunden aus dem Kreis des guten Miteinanders in der Europäischen Union.“
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BVR: Britische Entscheidung zum Austritt aus der EU widerspricht der wirtschaftlichen Vernunft – EU muss Skepsis der Bürger endlich ernst nehmen und Subsidiarität stärken
Berlin, 24.06.2016 – Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) bedauert das Votum der britischen Bürger für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU). „Der EU-Austritt widerspricht der wirtschaftlichen Vernunft; er dürfte vor allem für die britischen Bürger langfristig mit erheblichen Nachteilen verbunden sein“, so Uwe Fröhlich, Präsident des BVR. Mit dem Vereinigten Königreich gehe den EU-Mitgliedsstaaten zudem ein Partner verloren, der sich ähnlich wie Deutschland für eine freiheitliche Wirtschaftsordnung eingesetzt habe, was oft zu besseren Entscheidungen der Gemeinschaft beigetragen habe. Aufgabe der britischen Regierung und der EU-Kommission sei es nun, einen klaren Fahrplan für den Brexit zu erarbeiten, damit Unternehmen und Bürger Planungssicherheit erhielten. Dadurch könnten die negativen Auswirkungen auf die Konjunktur im Vereinigten Königreich, aber auch in Deutschland und den anderen EU-Mitgliedsstaaten vermindert werden. Klar sei aber auch, dass nicht der alte Rechtsstatus nun auf Assoziierungsgrundlage hergestellt werden könne. Hier müsse gelten: „Members only“.
„Die europäischen Bürger lehnen die übertriebene Verlagerung von Kompetenzen nach Brüssel ab. Hierzu gehört auch der schleichende Ausbau der Transferunion. Deshalb sollte die europäische Politik die Bedenken der Bürger endlich ernst nehmen und einen Kurswechsel einschlagen. Die EU braucht eine Generalüberholung, die das Verhältnis zwischen nationalen und europäischen Zuständigkeiten und die finanziellen Verpflichtungen der einzelnen Länder neu regelt. Brüssel muss das Prinzip der Subsidiarität streng befolgen, eine Zentralisierung darf nur dort stattfinden, wo sie zwingend notwendig ist. Mit dem Verzicht auf die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Vergemeinschaftung der Einlagensicherung EDIS könnte die europäische Politik ein positives Signal für eine Neuorientierung zur Stärkung der nationalen Verantwortung setzen“, erklärt Fröhlich.
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VCI-Präsident Dekkers zum Ausgang des EU-Referendums in Großbritannien – Wirtschaftlicher und politischer Schaden wiegt schwer
Zum Ergebnis der Abstimmung in Großbritannien erklärt Marijn Dekkers, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI):
„Die deutsche chemische Industrie hat sich stets zur politischen und wirtschaftlichen Einheit der Europäischen Union bekannt. Daher bedauere ich es sehr, dass die Briten gestern für einen Ausstieg aus der EU gestimmt haben. Gerade jetzt, wo sich die Konjunktur in Europa zaghaft erholt, ist der Austritt ein schlechtes Signal für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Weniger Wirtschaftswachstum in den EU-Staaten und ein schwächeres Exportgeschäft werden die Konsequenzen sein. Genauso schwer wiegt aber der politische Schaden. Nach den Differenzen über die richtige Flüchtlingspolitik ist das EU-Referendum in Großbritannien der zweite Rückschlag in diesem Jahr für das historische Projekt der europäischen Einigung. Wir alle brauchen ein politisch geeintes und wirtschaftlich starkes Europa.“
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BGA: Brexit – schwerer Schlag für die EU
„Das Unvorstellbare ist eingetreten. Die Mehrheit der Briten hat sich dazu entschlossen, der EU den Rücken zu kehren. Der politische und wirtschaftliche Flurschaden ist gewaltig. Mit 89 Milliarden Euro an Exporten nach Großbritannien ist das Land unser drittwichtigster Absatzmarkt. Die nun eintretende Schwächung des Pfunds wird unsere Produkte erheblich verteuern. Schwerer jedoch wird es die britische Volkswirtschaft treffen. Mit einer schwachen eigenen industriellen Basis ist sie massiv auf Importe eben nicht nur von Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen. Diese werden sich nun deutlich verteuern und damit das Wohlstandsniveau senken. Die Briten werden sich zukünftig weniger leisten können. Darüber hinaus verliert der Finanzplatz London, als eine der wichtigsten Stützen der Wirtschaft, die europäische Verankerung.“ Dies erklärte Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), angesichts der heutigen Entscheidung zum Brexit-Referendum.
„Der Brexit hat eine Zeit der weiteren Unsicherheit eingeläutet. Das ist Gift für die Wirtschaft. Die dringend benötigten neuen Wachstumsimpulse fehlen damit nicht nur, vielmehr ist zu befürchten, dass es zu einem weiteren Erstarren kommen wird. Denn neue Investitionen werden angehalten oder gar nicht erst in Angriff genommen“, so Börner.
„Ein ‚Weiter so‘ kann es in der EU nicht geben. Oberstes Ziel muss es jetzt sein, die Unsicherheiten zu beseitigen und Schadensbegrenzung zu betreiben. Das Verhältnis zu Großbritannien muss schnellstmöglich geklärt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass das Beispiel keine Schule macht. Vielmehr muss für alle in der EU deutlich gemacht werden, dass sich eine Mitgliedschaft in der EU lohnt und ein Austritt eben nicht. Die Annahme, eine Rückbesinnung auf den Nationalstaat könnte unsere Probleme lösen, ist ein vollkommener Trugschluss und es ist tragisch, dass die Mehrheit der britischen Bürger dieser Mähr aufgesessen sind. In der EU müssen wir uns aber auch selbstkritisch fragen, wie wir die europäischen Organisationen so gestalten können, dass wir gerade europäische Lösungen für die großen Herausforderungen finden, ohne sich zu sehr in nationale Verhältnisse einzumischen“, so Börner abschließend.

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