BREXIT wird Realität: Märkte unter Druck –

Ökonomische und politische Auswirkungen schwer abzuschätzen

 

Wien (24.6.16) – Die gestrige Volksabstimmung in Großbritannien überraschte mit einer knappen Mehrheit für „Brexit“. Nach derzeitigem Stand entschieden sich 51,8 Prozent für den Brexit, also für das Ausscheiden des Landes aus der Europäischen Union (EU). Umfragen und Wettquoten hatten zuletzt auf eine Mehrheit für den Verbleib des Landes in der EU hingedeutet.

 

Auf den Finanzmärkten ist unmittelbar mit einer deutlich negativen Reaktion zu rechnen, zumal gerade in den letzten Tagen vor dem Referendum die Entwicklung des Pfund-Kurses, der Aktien-Volatilität und der Aktien-Indizes suggerierte, dass Investoren mehrheitlich eine Ablehnung des Austritts antizipierten.

 

Pfund und Euro verlieren gegenüber US-Dollar

Es ist davon auszugehen, dass das britische Pfund und der Euro deutlich gegenüber dem US-Dollar, dem Yen und dem Schweizer Franken verlieren. Bereits in den ersten Stunden, in denen der Sieg des Brexit-Lagers erkennbar wurde, verloren das Pfund 10 Prozent und der Euro 4 Prozent gegenüber dem US-Dollar.

 

Massive Korrektur an den Aktienmärkten

Auch auf den Aktienmärkten ist eine massive Korrektur zu erwarten, verbunden mit einem gleichzeitigen deutlichen Anstieg der Volatilitätsindikatoren, sagt Peter Szopo, Aktien-Chefanalyst der Erste Asset Management in Wien. Der japanische Markt ist heute Morgen mehr als 8 Prozent in der Verlustzone, bei britischen und europäischen Aktien ist eine zweistellige Korrektur nicht auszuschließen.

 

Ökonomische und politische Auswirkungen schwer abzuschätzen

Das Ausscheiden Großbritanniens ist eine Zäsur in der europäischen Nachkriegsgeschichte – für das Land selbst, aber auch für die Europäische Union. „Die ökonomischen und politischen Auswirkungen sind angesichts der Unsicherheiten über die künftige politische Konstellation in Großbritannien, über das in Zukunft herrschende Handelsregime zwischen dem Land und der EU sowie über die Auswirkungen auf die Zukunft der Europäischen Union schwer abzuschätzen“, betont Szopo. Daher sei davon auszugehen, dass die Märkte auch nach der unmittelbaren Marktreaktion am heutigen Tag die Märkte mittelfristig in einem „Risk-off“-Modus bleiben werden, in dem Investoren Risiko meiden und Risikoanlagen dementsprechend unter Druck bleiben. Wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen, vor allem seitens der Zentralbanken, werden die negativen Folgewirkungen mildern, aber nicht komplett abfedern können.

Von Peter Szopo, Aktien-Chefanalyst der Erste Asset Management