BVR: Eiertanz um Negativ-Zinsen für

Otto-Normalsparer

Hatten gut Lachen: BVR-Spitze vor Beginn der Jahres-PK - (v.l.n.r.) - Dr. Andreas Martin, BVR-Vorstand, Uwe Fröhlich, BVR-Präsident und Gerhard Hofmann, BVR-Vorstand - Foto:PK

Hatte gut lachen: BVR-Spitze vor Beginn der Jahres-PK – (v.l.n.r.) – BVR-Vorstand Dr. Andreas Martin,  BVR-Präsident Uwe Fröhlich und BVR-Vorstand Gerhard Hofmann – Foto:PK

 

Frankfurt/Main (6.7.16)/PK – Es liegt ‚was in der Luft. Ob, wann, wo und in welcher Höhe in der großen Volks- und Raiffeisenbanken-Familie Negativzinsen für Normalsparer eingeführt werden, ist ungewiß. Die Einführung von Negativzinsen ist, daran ließ BVR-Präsident Uwe Fröhlich am Mittwoch in Frankfurt keinen Zweifel, ohnehin Sache jeder einzelnen Volks- und Raiffeisenbank. Dass die gesamte Volksbanken- und Raiffeisengruppe Probleme mit den Negativ-Zinsen hat, mit der die Europäische Zentralbank derzeit Sparer nervt, liegt auf der Hand. Und dass alle zur BVR-Gruppe zählenden Banken grübeln, wie damit umzugehen sei, ist auch für jedermann nachvollziehbar. Doch bislang – so eiertanzte Uwe Fröhlich verbal bei der Jahres-PK – herum, doch bislang sei nicht daran gedacht, Negativzinsen in breiter Front an normale Privatkunden weiterzugeben. Sprich: für deren Erspartes nicht nur keine Zinsen mehr zu zahlen, sondern stattdessen, Strafzinsen zu kassieren. Bei sehr reichen Privatkunden und bei großen Firmen geschieht dies bereits. Aber eben noch nicht im Falle von Otto-Normal-Sparer.

Dass die BVR-Gruppe, zu der neben den gut 1000 Volks- und Raiffeisenbanken, unter anderem auch die R+V-Versicherung, die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die DZ-Bank und die Union Investment zählen, dass also die BVR-Gruppe als Ganze bislang darauf verzichten konnte, in großem Stil Negativ-Zinsen für die breite Kundschaft einzuführen, mag daran liegen, dass sie im vergangenen Jahr ein kleines Wunder geschafft hat. Oder vielleicht sogar ein großes Wunder. Denn sie hat es geschafft, trotz Negativzinsen, ihre Zinserträge auf Vorjahreshöhe zu stabilisieren. Nämlich bei 20 Milliarden Euro. Darüber war nicht nur BVR-Präsident Uwe Fröhlich, sondern auch seine Vorstands-Kollegen Andreas Martin und Gerhard Hofmann stolz.

Dass die BVR-Familie bislang darauf verzichten kann, Negativzinsen auf breiter Front einzuführen, liegt auch daran, dass sie an anderen Stellschrauben dreht. Nämlich bei den Gebühren. Das machen auch die Sparkassen. So gesehen hält sich die BVR-Gruppe in guter Gesellschaft auf. Für die über 30 Millionen Volks- und Raiffeisenkunden ist das Drehen an der Gebührenschraube dennoch kostspielig und nervend zugleich.

Welchen Kurs die BVR-Familie in Zeiten von Brexit, Negativ-Zinsen und Fin-Tech-Konkurrenz einschlägt und wie – gut – sie im vergangenen Jahr abgeschnitten hat, das geht aus der heute verbreiteten Pressemitteilung des BVR hervor, die wir hier dokumentieren:

Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), fordert die Institutionen der Europäische Union (EU) mit Blick auf den Brexit dazu auf, keine übereilten, zu weit gehenden Schritte zur Übertragung von Kompetenzen nach Brüssel zu unternehmen. Auch Vorschläge, den EU-Rechtsrahmen durch den Ausbau der Europäischen Kommission zu einer europäischen Regierung umzugestalten, lösten die grundlegenden Probleme nicht. Dies verstärke die Spannungen zwischen den Mitgliedsstaaten nur. Fröhlich: „Die europäische Politik muss die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen und auf mehr Subsidiarität in Europa setzen. Mit dem Verzicht auf die von der EU-Kommission vorgeschlagene Vergemeinschaftung der Einlagensicherung EDIS könnte die europäische Politik ein deutliches Signal setzen und die Verantwortung der einzelnen Mitgliedsstaaten stärken.“ Mehr Gemeinsamkeit sei aber zum Beispiel bei der Außenpolitik, im Bereich der Bekämpfung des Terrorismus oder bei der Einwanderungspolitik durchaus angezeigt. 

Konjunkturausblick durch Brexit kaum getrübt
Trotz der konjunkturellen Spuren, die der Brexit hinterlassen wird, ist der Aufschwung in Deutschland nach Meinung des BVR fest verankert. Der BVR hat seine Wachstumsprognose für Deutschland für das Jahr 2017 um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent heruntergestuft. Im abgelaufenen Geschäftsjahr profitierte die genossenschaftliche FinanzGruppe von ihrer stabilen wirtschaftlichen Verfassung.

Der konsolidierte Jahresüberschuss nach Steuern liegt bei 7,0 Milliarden Euro und ordnet sich zwischen dem herausragenden Vorjahreswert von 7,8 Milliarden Euro und dem ebenfalls bereits guten Ergebnis 2013 von 6,9 Milliarden Euro ein. Die konsolidierte Bilanzsumme der genossenschaftlichen FinanzGruppe stieg um 2,4 Prozent auf 1.163 Milliarden Euro. Auf der Aktivseite konnte das Kundenkreditgeschäft um 4,5 Prozent auf 701 Milliarden Euro gesteigert werden. Auch 2015 erzielten vorrangig die Ortsbanken dieses Wachstum, die mit einem Zuwachs von 4,7 Prozent – nahezu gleichverteilt auf Firmen- und Privatkunden – die Wachstumsrate aus dem Vorjahr weiter steigern konnten. Wachstumstreiber im Privatkundenbereich waren die langfristigen Baufinanzierungen. Auf der Passivseite legten die Kundeneinlagen 2015 um 3,6 Prozent auf 739 Milliarden Euro zu. Den stärksten Anstieg verzeichneten mit 11 Prozent die kurzfristigen Sichteinlagen bei den Ortsbanken, die über 80 Prozent der Kundeneinlagen halten. Analog zum Vorjahr betrugen die Ertragsteuern des Geschäftsjahres 2015 erneut 2,8 Milliarden Euro. Mit 2,7 Milliarden Euro entfielen jedoch 0,2 Milliarden Euro mehr auf laufende Ertragsteuern.