Ernst & Young: Konjunkturschwäche und starker Euro – DAX-Konzerne mit Umsatz- und Gewinnrückgang im zweiten Quartal
Stuttgart (11.8.16) – Ungünstige Währungseffekte und eine schwache Weltkonjunktur bescherten den DAX-Konzernen im zweiten Quartal einen leichten Umsatzrückgang und kräftige Gewinneinbußen. Der Gesamtumsatz der deutschen Top-Unternehmen sank um 1,1 Prozent auf 326 Milliarden Euro, der operative Gewinn (EBIT) schrumpfte um 6,6 Prozent auf 29,8 Milliarden Euro.
Zwar konnte die Mehrheit der Unternehmen beim Umsatz zulegen, allerdings verzeichneten dreizehn Konzerne einen Umsatzrückgang (ohne Banken). Den stärksten Umsatzanstieg meldete der Pharmakonzern Merck, dessen Umsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal um 18 Prozent zulegten. Den höchsten Umsatz erzielte hingegen Volkswagen: Der Autokonzern erwirtschaftet einen Umsatz von knapp 57 Milliarden Euro, zwei Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
Spitzenreiter beim Gewinn waren im zweiten Quartal die beiden Autokonzerne Daimler (3,3 Milliarden Euro) und BMW (2,7 Milliarden Euro), gefolgt vom Versicherungskonzern Allianz, der einen operativen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro erwirtschaftete. 19 Unternehmen verzeichneten einen Gewinnanstieg, bei elf Unternehmen war der Gewinn rückläufig.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf Basis der Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.
„Die DAX-Konzerne haben sich im zweiten Quartal wacker geschlagen – trotz des konjunkturellen Gegenwinds in vielen Märkten und trotz ungünstiger Währungseffekte lag der Umsatz nur geringfügig unter dem Vorjahresniveau“, stellt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, fest. „Vor allem dank der wirtschaftlichen Erholung in Europa, wo der Umsatz um knapp zwei Prozent stieg, und der anhaltend guten Marktlage in Nordamerika entwickeln sich die meisten Unternehmen im operativen Geschäft gut. Und die extrem niedrigen Zinsen dürften auch in den kommenden Monaten für eine hohe Konsumbereitschaft der Verbraucher und damit für eine starke Binnennachfrage sorgen.“
Schwierige Rahmenbedingungen belasten
Für Gegenwind sorgten im zweiten Quartal die stark schwankenden Wechselkurse: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat der Euro zum britischen Pfund und dem chinesischen Renminbi fast zehn Prozent zugelegt, gegenüber dem Schweizer Franken fünf Prozent, und gegenüber dem US-Dollar zwei Prozent. Der gestiegene Eurokurs lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung schrumpfen – worunter vor allem stark internationalisierte Unternehmen leiden, die erhebliche Umsätze außerhalb des Euroraums erwirtschaften. Insgesamt mussten die DAX-Konzerne Umsatzeinbußen von mindestens sieben Milliarden Euro hinnehmen. So entgingen etwa dem Autokonzern Daimler aufgrund des gestiegenen Eurokurses im zweiten Quartal knapp 800 Millionen Euro an Umsatz, bei BASF und Siemens waren es jeweils etwa 570 Millionen Euro, bei der Allianz lagen die währungsbedingten Einbußen bei gut 480 Millionen Euro.
Ebenfalls belastend wirken das extrem niedrige Zinsniveau, das sich für Banken und Versicherungen zunehmend zu einem existenziellen Problem entwickelt, sowie der niedrige Ölpreis, der Ausrüstungsinvestitionen bremst und damit einigen Industriekonzernen ein Auftragsminus beschert.
„Die Rahmenbedingungen sind zurzeit alles andere als ideal“, kommentiert Meyer. „Wirtschaftliche und politische Turbulenzen sorgen für Verunsicherung und erschweren die langfristige Planung von Investitionen. Gerade die Schwellenländer entwickeln sich schwach, nachdem sie viele Jahre Haupttreiber des weltweiten Wirtschaftswachstums waren.“
DAX-Konzerne kommen beim Umbau der Geschäftsmodelle voran – Kriegskassen sind gut gefüllt
Die zunehmenden Schwankungen von Absatzmärkten, Währungen und Rohstoffpreisen und die rasante technologische Entwicklung veranlassen etliche DAX-Konzerne derzeit zu massiven Umbauprozessen. „Viele deutsche Konzerne stecken mitten in einer tiefgreifenden Neuausrichtung ihres Geschäfts – sie spalten radikal ganze Bereiche ab oder tätigen Milliardenzukäufe“, beobachtet Meyer. „Diese Neuausrichtung trägt teilweise bereits Früchte – einige DAX-Konzerne konnten im zweiten Quartal überraschend positive Zahlen vorlegen“.
Der Umbau der Konzernstrukturen und Geschäftsmodelle ist aber noch lange nicht abgeschlossen, betont Meyer: „Der Trend geht eindeutig weg vom Mischkonzern, hin zu fokussierten Geschäftsmodellen: Neue Wettbewerber und ein rasanter Wandel durch neue Technologien und regulatorische Vorgaben zwingen die Unternehmen dazu, ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen und sich neu zu formen. Um diese Ziele zu erreichen, sind die Unternehmen auch bereit und in der Lage, hohe Summe für Zukäufe auszugeben“. Tatsächlich verfügen die DAX-Konzerne nach wie vor über üppige Finanzpolster – zum Ende des zweiten Quartals verfügten die DAX-Konzerne über flüssige Mittel von knapp 92 Milliarden Euro, das sind acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Obendrein führen zahlreiche Unternehmen derzeit umfassende Kostensenkungsprogramme durch, die die Marge erhöhen und die Flexibilität, Agilität und Widerstandskraft gegen Krisen erhöhen sollen. „So viel Veränderung und Wandel gab es selten in den deutschen Top-Konzernen – der Druck ist enorm gestiegen“, beobachtet Meyer.
Beschäftigungswachstum setzt sich fort
Trotz der Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums stellen die DAX-Konzerne unterm Strich weiter zusätzliche Mitarbeiter ein: Die Zahl der Beschäftigten lag im zweiten Quartal um 1,2 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum – insgesamt beschäftigten die DAX-Unternehmen zum Quartalsende 3,8 Millionen Mitarbeiter. Die große Mehrheit der Unternehmen schuf zusätzliche Jobs – nur sieben Unternehmen verzeichneten einen Beschäftigungsrückgang.

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