Ernst & Young: Weltweiter IPO-Markt erholt sich im dritten Quartal – aber Europa bremst nach Brexit-Votum scharf ab
Frankfurt/Main (28.9.16) – Der weltweite IPO Markt hat nach einem schwachen ersten Halbjahr im dritten Quartal wieder deutlich an Fahrt gewonnen: Die Zahl der Börsengänge stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent von 209 auf 252 Transaktionen, das Emissionsvolumen wuchs noch erheblich stärker: um 84 Prozent von 19,3 auf 35,4 Milliarden US-Dollar.
Besonders kräftig legte der chinesische IPO-Markt zu: Nachdem im Vorjahresquartal gerade einmal 30 Unternehmen in China und Hong Kong den Schritt aufs Parkett gewagt hatten, verzeichneten die dortigen Börsenplätze in den vergangenen drei Monaten insgesamt 102 IPOs – ein Anstieg um 240 Prozent. Das Emissionsvolumen hat sich sogar mehr als verfünffacht: von 3,7 auf 19,3 Milliarden US-Dollar.
Auch in den Vereinigten Staaten gewann der Markt leicht an Fahrt – wenngleich auf nach wie vor relativ niedrigem Niveau: Die Zahl der Börsengänge an den US-Börsen stieg von 33 auf 35, die Erlöse legten um 13 Prozent von 5,7 auf 6,4 Milliarden US-Dollar zu.
Nachdem Europa im ersten Halbjahr noch die weltweit führende IPO-Region war, ist die hiesige IPO-Aktivität im dritten Quartal aufgrund der aus dem Brexit-Votum resultierenden Unsicherheiten deutlich zurückgegangen: Die Zahl der IPOs sank um gut ein Drittel von 32 auf 20, das Emissionsvolumen ging um 19 Prozent von 4,4 auf 3,6 Milliarden US-Dollar zurück.
Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young).
„Das Brexit-Votum führte vorübergehend zu erheblicher Verunsicherung und heftigen Marktschwankungen – insbesondere auf dem europäischen Kapitalmarkt“, beobachtet Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY. „Zahlreiche Unternehmen zogen es in diesem Umfeld vor, ihre Pläne für einen Börsengang vorerst zu verschieben und auf einen besseren Zeitpunkt zu warten.“
Seitdem habe sich die Situation allerdings spürbar entspannt, so Steinbach: „Die Volatilität hat in den vergangenen Wochen deutlich abgenommen und liegt aktuell auf relativ niedrigem Niveau – bei gleichzeitig wieder hohen Bewertungsniveaus an den Aktienmärkten. Obendrein sorgt die vergleichsweise gute Kurs-Performance von IPOs im aktuellen Niedrigzinsumfeld für gute Rahmenbedingungen. Das IPO-Fenster ist derzeit also wieder geöffnet.“
Größter Börsengang seit Herbst 2014: Postal Savings Bank of China
Im dritten Quartal wurden weltweit fünf Milliarden-IPOs gezählt. Die größte Transaktion war dabei das Börsendebüt der Postal Savings Bank of China, das 7,8 Milliarden US-Dollar einbrachte und zugleich der größte Börsengang weltweit seit dem Alibaba-IPO im September 2014 war. Die zweitgrößte Transaktion im dritten Quartal war der Börsengang des dänischen Zahlungsabwicklers Nets (2,0 Milliarden US-Dollar), gefolgt vom IPO des japanischen Messaging-Dienstes Line, der 1,3 Milliarden US-Dollar einbrachte.
Starker Rückgang in Großbritannien
Innerhalb Europas verzeichnete vor allem der IPO-Standort Großbritannien im dritten Quartal erhebliche Einbußen: Nachdem dort im ersten Halbjahr noch 33 Börsengänge im Gesamtvolumen von 3,8 Milliarden US-Dollar gezählt worden waren, wagten im dritten Quartal nur sieben Unternehmen in Großbritannien den Schritt aufs Parkett und erlösten dabei 377 Millionen US-Dollar. Das europaweit höchste Emissionsvolumen verzeichnete im dritten Quartal die Kopenhagener Börse – dank des Nets-Börsengangs –, gefolgt von der italienischen Börse (vier IPOs, 929 Millionen US-Dollar).
Primärmarkt in Deutschland derzeit von großen Abspaltungen geprägt
In Deutschland gab es nach der Sommerpause im dritten Quartal mit der Erstnotiz der Eon-Abspaltung Uniper einen Gang an die Börse. Im bisherigen Jahresverlauf wurden in Deutschland damit fünf Börsengänge mit einem Emissionsvolumen von 321 Millionen Euro und einer Marktkapitalisierung zum IPO von knapp 8,3 Milliarden Euro durchgeführt.
Für den weiteren Jahresverlauf ist Steinbach optimistisch: „In den vergangenen Wochen haben mehrere Unternehmen ihre Börsenpläne publik gemacht, weitere stehen in den Startlöchern.“ Zum Jahresende hin dürfte der IPO-Markt somit wieder kräftig an Dynamik gewinnen – sowohl in Deutschland als auch europaweit, so Steinbach: „Nach wie vor sind 10 Börsengänge in Deutschland in diesem Jahr möglich“. Angesichts erheblicher wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten – zu denen etwa die Präsidentschaftswahlen in den USA und ein möglicher Zinsschritt in den USA zählen – müssten IPO-Kandidaten sich darauf gefasst machen, dass das IPO-Fenster immer nur kurz geöffnet sei: „Die Entwicklung in den vergangenen Monaten haben sehr deutlich gezeigt, wie wichtig das richtige Timing, Flexibilität und eine gute Vorbereitung sind. Börsenaspiranten müssen bei einem günstigen Kapitalmarktumfeld in der Lage sein, ihre Chance sehr schnell zu nutzen.“

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