Credimundi Länderblickpunkt: Südafrika steckt in der wirtschaftlichen Sackgasse
Wiesbadem (29.9.16) – Seit der weltweiten Finanzkrise steckt Südafrika in einer Sackgasse: Sowohl die wirtschaftlichen als auch die finanziellen Fundamentaldaten haben sich nach Jahren der Stagnation und fortdauernder Unsicherheit langsam verschlechtert. Aussichten auf eine baldige Rückkehr der einst hohen Wachstumsdynamik gibt es dabei nicht – und strukturelle innenpolitische Spannungen sowie die inkohärente Politik und Misswirtschaft unter Präsident Zuma haben das Anlegervertrauen weiter untergraben. Im Dezember hatte Zuma Schockwellen auf den Kapitalmärkten ausgelöst, als er binnen vier Tagen zwei Finanzminister entließ. Und im April dieses Jahres überstand er ein Amtsenthebungsverfahren wegen Verfassungsbruchs, nachdem er eine Empfehlung der Antikorruptionsbehörde ignoriert hatte, die für die Renovierung seiner Privatresidenz benutzten öffentlichen Gelder zurückzuzahlen.
Hinzu kommt, dass sich seine Rhetorik und Politik immer stärker gegen den Westen richten. So wurden etwa bilaterale Verträge mit europäischen Staaten einseitig aufgekündigt, was Südafrikas Beziehungen mit dem Westen einmal mehr belastet. „Es ist zudem sehr wahrscheinlich, dass der African National Congress auch weiterhin den Beziehungen zu den übrigen BRICS-Staaten Vorrang einräumen wird, auch wenn deren Wirtschaft ins Stocken geraten ist. Und obwohl, insbesondere im Falle von China, erhebliche Handelsungleichgewichte herrschen“, sagt Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credimundi.
Anhaltende Wachstumsflaute und hohe Arbeitslosigkeit
Vor allem aber ist die südafrikanische Bevölkerung ihrer aussichtlosen sozioökonomischen Lage überdrüssig. Die Durchsetzung von Strukturreformen geht zu langsam voran, um die durchschnittlichen Lebensbedingungen zu verbessern und die extreme Ungleichheit in der Gesellschaft zu bekämpfen. Die Arbeitslosenquote Südafrikas ist im Vergleich zu anderen Schwellenländern extrem hoch – so stieg sie im ersten Quartal dieses Jahres auf 26,7 Prozent aller Erwerbspersonen an. Und die Ungleichheit bleibt ebenfalls ein schwerwiegendes Problem: Rund 80 Prozent der Bevölkerung sind schwarz, Spitzenpositionen im Privatsektor werden jedoch nach wie vor überwiegend von weißen Männern und Frauen besetzt. Hinzu kommt die anhaltende Wachstumsflaute. Während Südafrika bis zur Finanzkrise 2009 das fortschrittlichste und am stärksten industrialisierte Land des Kontinents war, gelang es der Regenbogennation nach der Krise aufgrund struktureller Probleme und dem schwierigen globalen Umfeld nicht mehr, das Wirtschaftswachstum in Schwung zu bringen. Nach einem ernüchternden BIP-Wachstum in den Jahren 2014 und 2015 mit 1,6 und 1,3 Prozent, liegen die Wachstumsaussichten für 2016 mit 0,1 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit der Rezession im Jahr 2009. Darüber hinaus verfügt Südafrika zwar über eine stark diversifizierte Wirtschaft, jedoch hat das zurückgehende Anlegervertrauen insbesondere den Bergbau und das produzierende Gewerbe stark getroffen. Verschärft wird die Situation seit Mitte 2014 zudem von der gesunkenen Exportnachfrage aus China nach Bergbauerzeugnissen und dem Absturz der internationalen Rohstoffpreise. Dementsprechend ist die Bergbauproduktion mit einem Rückgang von 18 Prozent gegenüber März 2015 erheblich gesunken. Und auch die landwirtschaftliche Produktion litt unter den schweren Dürren infolge von El Niño. Zudem ist das Leistungsbilanzdefizit trotz der diversifizierten Exportbasis struktureller Natur und dürfte in den kommenden Jahren bei etwa zwölf Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen liegen. „Angesichts aller wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen Südafrika aktuell konfrontiert ist, steht und fällt ein erneuter Aufschwung mit der Glaubwürdigkeit der Haushaltspolitik“, so Witte. „Eine sinnvolle Haushaltskonsolidierung kann bei der Stabilisierung der Schuldenprojektion helfen, und bildet damit eine wichtige Bedingung für das Abwenden der drohenden Herabstufung auf Ramschstatus.“ Das Haushaltsdefizit Südafrikas lag in den vergangenen fünf Jahren bei durchschnittlich vier Prozent des BIP und die hohe Arbeitslosigkeit belastet die Regierung mit explodierenden Sozialausgaben, die 35 Prozent der gesamten öffentlichen Ausgaben ausmachen. Und zuletzt bilden gleich mehrere Staatsunternehmen nicht unerhebliche Eventualverbindlichkeiten aufgrund von staatlichen Garantien und einer schwachen finanziellen Bilanz – ein Risiko für die haushaltspolitische Stabilität.
Credimundi schätzt das kurzfristige politische Risiko von Südafrika als mittelmäßig ein (3 auf einer Skala von 1 bis 7). Das Geschäftsrisiko wird hingegen als sehr hoch eingestuft (C auf einer Skala von A bis C).

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