
Prägt die Frankfurter Skyline: das Commerzbank-Hochhaus im Hintergrund, links der Glockenturm der Katharinenkirche, wo einst Goethe getauft wurde. – Foto: Archiv/PK
Frankfurt/Main (29.9.16) – Es war längst klar: die Commerzbank wird zigtausende Jobs streichen. Seit heute steht fest, wie viele es genau sein werden. In ihrer Ad-Hoc-Mitteilung spricht die Bank von rund 9.600. Weiter heißt es dort: Als Reaktion auf aktuelle Marktgerüchte bestätigt der Vorstand der Commerzbank AG, dass er dem Aufsichtsrat den Entwurf strategischer und finanzieller Ziele für die Commerzbank bis zum Jahr 2020 zur Erörterung vorgelegt hat. Zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Beschluss zur Umsetzung dieser Ziele gefasst worden. Der Vorstand wird über die strategischen Ziele nach der Erörterung mit dem Aufsichtsrat morgen beschließen. Die vorgelegten Ziele sind:
Die Commerzbank wird bis Ende 2020 ihre Profitabilität nachhaltig erhöhen.
Im Rahmen der Strategie „Commerzbank 4.0“ wird sie sich konsequent auf ihre
Kerngeschäfte konzentrieren, 80 % ihrer relevanten Prozesse digitalisieren
und dadurch signifikante Effizienzgewinne realisieren. Ihr Geschäft
fokussiert sie in den zwei Kundensegmenten „Privat- und Unternehmerkunden“
sowie „Firmenkunden“. Die Segmente Mittelstandsbank und Corporates &
Markets werden gebündelt und das Handelsgeschäft im Investmentbanking
reduziert. Dadurch werden Ergebnisvolatilität und Risiken aus
regulatorischen Änderungen verringert sowie Kapital freigesetzt und in das
Kerngeschäft mit Kunden investiert.
Im Kontext der Verabschiedung der Strategie werden auch die Goodwills und
immaterielle Vermögensgegenstände der Segmente Corporates & Markets und
Mittelstandsbank auf ihre Werthaltigkeit überprüft – mit der Folge, dass
darauf im dritten Quartal 2016 aller Voraussicht nach rund 700 Millionen
Euro abzuschreiben wären. Somit würde das Konzernergebnis im dritten
Quartal negativ sein. Die Abschreibungen haben keinen Einfluss auf die
harte Kernkapitalquote (CET 1). Im Operativen Ergebnis rechnet die
Commerzbank mit Erträgen in etwa auf dem Niveau des zweiten Quartals. Die
Risikovorsorge wird aufgrund der nachhaltig schwachen Schiffsmärkte
deutlich über dem Niveau der ersten beiden Quartale liegen. Für das
Gesamtjahr 2016 erwartet die Commerzbank trotz der Abschreibungen auf
Goodwill ein leicht positives Konzernergebnis. Die CET-1-Quote nach voller
Anwendung von Basel 3 wird gegenüber dem Vorquartal im dritten Quartal 2016
ansteigen. Zum Jahresende rechnet die Bank mit einer harten
Eigenkapitalquote von nahezu 12 %, sofern keine wesentlichen
Marktverwerfungen eintreten.
Die Netto-Eigenkapitalrendite (RoTE) der Commerzbank soll Ende 2020 bei
mindestens 6 % liegen. Dieses Ziel spiegelt die Erwartung eines weiter
herausfordernden Zinsumfelds wider. Bei einer Normalisierung ist eine
Netto-Eigenkapitalrendite von mindestens 8 % erreichbar. Insgesamt erwartet
die Commerzbank für das Jahr 2020 Erträge von 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro.
Durch eine auf 6,5 Milliarden Euro reduzierte Kostenbasis wird die
Aufwandsquote unter 66 % sinken. Sollte sich das Zinsumfeld normalisieren,
können die Erträge auf über 11 Milliarden Euro steigen und die
Aufwandsquote auf rund 60 % sinken.
Die Common-Equity-Tier-1-Quote (CET 1) nach voller Anwendung von Basel 3
wird im aktuell absehbaren regulatorischen Umfeld fortlaufend bei rund 12 %
erwartet und 2018 über 12 % liegen. Für das Jahr 2020 erwartet die Bank
eine Quote von über 13 %.
Die Fokussierung aufs Kerngeschäft und die damit einhergehende Aufgabe
einzelner Geschäftsaktivitäten sowie die Digitalisierung und
Automatisierung von Arbeitsabläufen werden zu einem Stellenabbau in Höhe
von rund 9.600 Vollzeitkräften führen. Die Bank wird zeitnah die
vorbereitenden Gespräche mit den entsprechenden Arbeitnehmergremien
aufnehmen. Gleichzeitig werden rund 2.300 neue Stellen in Wachstumsfeldern
entstehen. Damit beläuft sich der Netto-Stellenabbau auf rund 7.300
Vollzeitkräfte.
Zur Finanzierung der Restrukturierungskosten von rund 1,1 Milliarden Euro
wird die Commerzbank vorerst keine weiteren Dividendenzahlungen vornehmen
und ihre Ergebnisse in die Gewinnrücklage einstellen.

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