Creditreform: Insolvenzen in Deutschland 2016 –

Bei den Unternehmensinsolvenzen weiter ausgeprägte Abnahme

 

Neuss (28.11.16) – Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland ist das sechste Jahr in Folge rückläufig. 2016 wurden insgesamt 123.800 Insolvenzfälle registriert. Das sind 3,0 Prozent weniger als 2015 (127.570 Fälle). Der Rückgang schwächte sich aber ab – nach der deutlichen Positiventwicklung in den beiden Vorjahren (2015: minus 5,5 Prozent; 2014: minus 4,6 Prozent).

Nur noch geringfügig sank die Zahl der Verbraucherinsolvenzen

(minus 2,5 Prozent). In diesem Jahr wurden

78.200 Fälle registriert, 2015 waren es 80.220. Dabei

kompensiert die zunehmende Verbraucherüberschuldung

in Deutschland die positiven Effekte der günstigen

Arbeitsmarktlage. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen

verringerte sich dagegen deutlicher (minus 6,4 Prozent).

Nachdem 2015 23.180 Unternehmensinsolvenzen

gezählt wurden, waren es in diesem Jahr 21.700. Das

ist der niedrigste Stand seit 1999. Hierbei sorgen die

gute Binnenkonjunktur und Finanzierungssituation für

steigende Umsätze und Erträge und verbessern die

Stabilität der Unternehmen.

Mehr Insolvenzschäden und mehr ältere Insolvenzkandidaten

Gestiegen sind allerdings die finanziellen Schäden für

die Insolvenzgläubiger. 2016 wurde eine Schadenssumme

von rund 27,5 Mrd. Euro erreicht – ein Plus von

mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der

höchste Wert seit vier Jahren. Neben dem Anstieg großer

Firmeninsolvenzen waren die damit verbundenen

Anleiheausfälle für das Plus mitverantwortlich. Schätzungsweise

221.000 Arbeitnehmer sind in diesem Jahr

von der Insolvenz des Arbeitgebers betroffen gewesen

(2015: 225.000).

Mehr als jeder zweite Insolvenzfall bei den Unternehmen

(58,7 Prozent) betraf junge Unternehmen im Alter

von höchstens zehn Jahren. Im Vergleich mit dem Vorjahr

waren 2016 allerdings stärker ältere Unternehmen

betroffen. Bei rund einem Sechstel der registrierten Insolvenzfälle

(16,4 Prozent) war das Unternehmen bereits

über 20 Jahre alt (2015: 15,8 Prozent). Hierbei

dürfte sich das seit Jahren rückläufige Gründungsgeschehen

in Deutschland bemerkbar gemacht haben, da

weniger junge, noch instabile Unternehmen, nachkommen.

Kleinstunternehmen insolvenzanfällig

Verstärkt hat sich der Trend, wonach vorwiegend Kleinstunternehmen

unter den Insolvenzkandidaten zu finden

sind. 2016 waren mehrheitlich (81,9 Prozent) höchstens

fünf Personen in den insolventen Unternehmen tätig

(2015: 80,4 Prozent). Oftmals dürfte es sich sogar um

Ein-Personen-Unternehmen gehandelt haben. Diesen

Schluss lässt auch die Betrachtung der Umsatzgrößen

insolventer Unternehmen zu. Danach betrug der Jahresumsatz

in fast der Hälfte der Fälle (48,9 Prozent)

höchstens 250.000 Euro. Zudem war insbesondere die

Größenklasse bis 500.000 Euro Jahresumsatz stärker

als im Vorjahr in der Insolvenzstatistik vertreten und

verdeutlicht so den zunehmenden Anteil von kleinen

Unternehmen am Insolvenzgeschehen. Allerdings gab

es auch einen Anstieg der Zahl der Großinsolvenzen mit

mehr als 50 Mio. Euro Umsatz (plus 20,0 Prozent). Von

allen Insolvenzen bildeten die „Großen“ aber weiterhin

eine Minderheit.

Bei den diesjährigen Großinsolvenzen sticht die Textilund

Bekleidungsbranche hervor. Unter den Top-

Insolvenzen des Jahres 2016 im Hinblick auf die betroffenen

Mitarbeiter finden sich Steilmann, Rudolf

Wöhrl AG, SinnLeffers, Promod Deutschland, zero

Clothing. Bei den Schäden waren KTG-Agrar, German

Pellets, Magellan Fonds und die Maple Bank führend.

Problemfall Unternehmergesellschaft?

Zugenommen hat die Insolvenzbetroffenheit der Unternehmergesellschaft

(UG haftungsbeschränkt). An den

diesjährigen Insolvenzfällen hat die UG bereits einen

Anteil von 8,6 Prozent (2015: 7,5 Prozent). Am gesamten

Unternehmensbestand in Deutschland liegt der UGAnteil

deutlich niedriger. Die typischerweise vom Mittelstand

gewählte Rechtsform GmbH ist dagegen weniger

betroffen als im Vorjahr. Noch 30,3 Prozent der Unternehmensinsolvenzen

entfallen auf diese Rechtsform

(2015: 31,3 Prozent). Kleinstgewerbetreibende bildeten

mit knapp der Hälfte aller Insolvenzen (48,3 Prozent)

weiterhin die größte Gruppe unter den Rechtsformen.

Dienstleistungsgewerbe führt – in vier Ländern steigende

Insolvenzquoten

In allen Hauptwirtschaftsbereichen sind die Insolvenzzahlen

zurückgegangen. Am stärksten ausgeprägt war

der prozentuale Rückgang im Dienstleistungsgewerbe

(minus 7,5 Prozent auf 12.010. Fälle), gefolgt vom Handel

(minus 7,2 Prozent auf 4.520 Fälle). Nachdem sich

die Insolvenzzahlen im Verarbeitenden Gewerbe sowie

im Baugewerbe im Vorjahr nicht verringert hatten, ist

2016 in beiden Bereichen ein Rückgang festzustellen.

Im Baugewerbe betrug dieser 2,0 Prozent auf 3.430 Fälle,

im Verarbeitenden Gewerbe 4,9 Prozent auf 1.740

Fälle.

Im Verarbeitenden Gewerbe liegt die Zahl der jährlichen

Insolvenzen mittlerweile nur noch halb so hoch wie vor

zehn Jahren. In den übrigen Wirtschaftsbereichen fiel

der Rückgang in diesem Zeitraum niedriger aus. Insgesamt

ist die Insolvenzanfälligkeit der deutschen Wirtschaft

im Zuge der guten Wirtschaftslage weiter gesunken

– von 72 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen im

Vorjahr auf 67 in 2016. Dabei reicht die Spanne aktuell

allerdings von 42 im Verarbeitenden Gewerbe bis 94 im

Baugewerbe.

In der regionalen Insolvenzentwicklung zeigen sich gegen

den Trend in vier Bundesländern (Saarland, SachCreditreform

sen, Hamburg, Brandenburg) steigende Insolvenzquoten

bei den Unternehmen. Baden-Württemberg und

Thüringen sind die Länder mit dem geringsten Insolvenzaufkommen

bezogen auf den Unternehmensbestand.