Bundesbank trauert um Hans Tietmeyer – 

Die Wirtschaftsjournalisten auch

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Foto: Deutsche Bundesbank

 

 

 

 

 

 

 

Frankfurt/Main (28.12.16) – Die Deutsche Bundesbank trauert um Hans Tietmeyer. Der ehemalige Bundesbankpräsident ist am 27. Dezember 2016 im Alter von 85 Jahren verstorben.  Hans Tietmeyer kam im Jahr 1990 zur Bundesbank. Zunächst war er Mitglied des Direktoriums, dann Vizepräsident. Am 1. Oktober 1993 wurde er zum Präsidenten der Bundesbank ernannt. Dieses Amt übte er bis zum Jahr 1999 aus. Als Präsident stand er vorbildhaft für die Unabhängigkeit und die Stabilitätsorientierung der Bundesbank. Den Weg zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion gestaltete er maßgeblich mit. 

„Hans Tietmeyer war ein herausragender Präsident, dessen Handeln stets klaren und festen Linien mit dem Ziel der Geldwertstabilität folgte“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. „Unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl gelten jetzt seinen Angehörigen“, so Weidmann.

 

Der damalige Vorsitzende des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten  erinnert sich

  1. Juli 1999 – Schauplatz Bundesbank – Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer verabschiedet sich vom Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Der Clubvorsitzende ergreift das Wort: Wir sind heute zu einem ganz außerordentlichenAbend hier zusammengekommen. Zum 3.Mal haben Sie, Herr Präsident, uns in die Bundesbankeingeladen – zweimal in den Messeturm, heutehier am Stammsitz Ihres Amtes. Jedes Mal ist es eingroßes Ereignis. Heute gewissermaßen auch ein schmerzliches, denn Abschiednehmen ist angesagt. Als Internationaler Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten nehmen wir Abschied von dem Präsidenten der Deutschen Bundesbank und Sie, lieber Herr Dr. Tietmeyer, haben uns dafür zu sich in die Bank geladen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir begehen ein Farewell-Dinner mit anschließender Tietmeyer-Lecture zu Ehren einer Persönlichkeit bundesdeutscher Zeitgeschichte, zu Ehren eines Mannes, der mit seiner Währungs- und Geldpolitik wesentliche Bereiche deutscher Nachkriegspolitik, Vereinigungspolitik und Europa-Politik geprägt hat. Man sollte die Wilhelm- Epstein-Straße tatsächlich in „Tietmeyer-Boulevard“ umtaufen.

1967 übernahm Tietmeyer als Ministerialrat im Bonner Wirtschaftsministerium die Leitung des Referates „Grundsatzfragen der Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik“. Seit 1968 mischt er auf der internationalen Ebene mit. Erst im Hintergrund, dann immer konturierter auch für die Öffentlichkeit im In- und Ausland. Über 30 Jahre im Einsatz fürs deutsche Geld.

Als Sherpa des Bundeskanzlers bei den Weltwirtschaftsgipfeln war er für das Gelingen der G-7-Treffen ganz wesentlich verantwortlich. Schon in den 70er-Jahren hat er sich – als Bonner Ministerialrat –für die Errichtung des Europäischen Währungssystems EWS eingesetzt und stand damit ganz im Gegensatz zum Zentralbankrat, der eine solche Konstellation anfänglich gar nicht schätzte. Auf den G-7- Treffen stand allerdings der Dollar im Mittelpunkt des Interesses, die amerikanischen Staatsschulden und das ewige Drängen der USA, die deutsche Wirtschaftslokomotive mit ungeeigneten geldpolitischen Mitteln auf Touren zu bringen.

Vielleicht sollten Sie, lieber Herr Dr. Tiemeyer, doch all die dort aufgenommenen Erkenntnisse und Erlebnisse in Memoiren zusammenfassen, am besten in einem Schlüsselroman, der sicherlich dann amüsanter ausfallen könnte. Ihr Verhältnis zu Altbundeskanzler Helmut Schmidt könnte darin ein buntes Kapitel abgeben. Oder auch die Entstehung und Wirkung des Lambsdorff-Papiers 1982, wo unser Gastgeber gar zum Regierungsknacker wurde (Schwenk der FDP weg von der SPD und hin zur CDU). Daher rührte natürlich auch der spätere Groll Schmidts.

In seinem offenen Brief schrieb Schmidt 1996 zum Beispiel: „Ich werde Sie auch weiterhin als den wichtigsten Gegner der Währungsunion ansehen.“ Als Schmidt noch als Weltökonom girierte und als solcher in den USA brillierte, hatte er Tietmeyer auch schon als unverbesserlichen Europäer getadelt. Noch einmal Schmidt: „Als Bismarck 1875 die Mark an die Stelle mehrerer Duodez-Währungen setzte, hat keiner vorher Konvergenz verlangt.“ „Das ist richtig“, konterte unser Gastgeber. „Dabei handelte es sich auch um Nationalstaaten.“

Tietmeyer hatte nur eines verhindern wollen, nämlich das aus dem Euro eine heillose Weichwährung wird, weil der staatliche Überbau fehlt. Wir kennen die Geschichte. Helmut Schmidt hätte auch schreiben können: Tietmeyer vereinigt missionarischen Eifer und beträchtliches Verhandlungsgeschick mit dem Charme einer Donnerbüchse.

Von Christoph Wehnnelt