IKB: US-Handelsbilanzdefizit kein Argument für Protektionismus
Düsseldorf (9.2.17) – Handelsvorteile lassen sich nicht an Defiziten oder Überschüssen festmachen, sondern daran, ob der Handel Spezialisierung, Vernetzung und Wertschöpfung vorantreibt, und somit das Potenzialwachstum bzw. den Lebensstandard der Bevölkerung erhöht. Es ist daher nicht zielführend, wenn die USA bisher importierte Güter zukünftig selber produzieren, um ihr Handelsbilanzdefizit auszugleichen. Dies wäre längst passiert, wenn sich daraus Wettbewerbsvorteile für amerikanische Unternehmen ergeben würden. Die Lösung liegt nicht im Protektionismus oder darin, Handelsbilanzüberschüsse von Exportländern zu bekämpfen; vielmehr müssen die USA selber ihre Produktivität und ihre Wettbewerbsfähigkeit bei Gütern bzw. Lohnstückkosten verbessern. Wie das funktionieren kann, haben die USA in der global aufgestellten Automobilbranche eindrucksvoll bewiesen.
Viele Exporte in die USA dienen der dortigen Wertschöpfung als Vorleistungs- und Investitionsgüter. Dies gilt vor allem für deutsche Ausfuhren, während chinesische Exporte häufig für den Konsum bestimmt sind. Außerdem sind die USA ein bedeutendes Ziel für Direktinvestitionen, z. B. von deutschen Automobilproduzenten. Umso unverständlicher, dass gerade diese Branche von Trump angegangen wird. Grundsätzlich hat die deutsche Wirtschaft aufgrund der Zusammensetzung ihrer Exporte und ihrer hohen Investitionsbereitschaft überzeugende Argumente gegen die protektionistischen Bestrebungen der Trump-Administration. Doch wer kann den 45. Präsidenten hiervon überzeugen?

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