GAM: Schwellenländeranleihen in Lokalwährung werden 2017 wieder anziehen
London (9.2.17) – Für Schwellenländeranleihen in Lokalwährung beginnt das Jahr 2017 ähnlich wie das vergangene: Die Renditen liegen wieder nahe sieben Prozent und die Anleger haben die Anlageklasse erneut untergewichtet. Die Nervosität der Anleger war vor zwölf Monaten allerdings besser nachvollziehbar als heute, denn das weltweite Wachstum schwächelte und die Anlageklasse hatte drei Jahre unterdurchschnittliche Erträge erzielt. „Heute notieren Lokalwährungsanleihen von Schwellenländern 14 Prozent höher als im Vorjahr1, und im weltweiten Wachstumszyklus scheint sich eine Wende zu vollziehen. Wir glauben, dass die Themen, die im Jahr 2016 die Rally antrieben, auch 2017 wieder bedeutsam sein werden“, sagt Paul McNamara, Investment Director für Schwellenmarktstrategien von GAM.
Die Lehren aus 2016
Für den Aufschwung im Jahr 2016 waren laut McNamara zwei grundlegende Faktoren verantwortlich: die Anpassung der Zahlungsbilanzen und die Erholung des Wachstums. Die Leistungsbilanzen der Schwellenländer hätten sich nach dem ‚Taper Tantrum‘ im Jahr 2013 stetig gebessert. Kapitalabflüsse sorgten jedoch dafür, dass die Zahlungsbilanzen der Schwellenländer ein Defizit auswiesen. Die Devisenreserven sanken und schwächten die Währungen der Schwellenländer. „Anfang 2016 haben die Kapitalabflüsse extreme Ausmaße erreicht. Als sich diese wieder stabilisierten, wiesen die Zahlungsbilanzen der Schwellenländer durch die kontinuierlich steigenden Leistungsbilanzen wieder Überschüsse aus. Steigende Devisenreserven waren die Folge“, erläutert McNamara. Auch das Kreditwachstum in den Schwellenländern sei von 2011 bis 2015 gesunken und habe Anfang 2016 am Niveau historischer Tiefststände gekratzt. Die Erholung des Kreditimpulses folgte dann der Erholung des Kreditwachstums auf dem Fuß. Steigende Einkaufsmanagerindizes (PMIs) und die Belebung des Autoabsatzes deuteten auf ein kräftigeres Wachstum in den Schwellenländern hin.
„Wie allgemein üblich lösten der Anstieg der Devisenreserven und das stärkere Wachstum bei den Währungen der Schwellenländer eine Rallye aus“, so McNamara. „Im Oktober 2016 lagen Lokalwährungsanleihen von Schwellenländern im Vergleich zum Beginn des Kalenderjahres 16 Prozent im Plus.“
Der Einfluss der Trump-Politik
Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten brachte die positiven Entwicklungen jedoch ins Stocken: „Unseren Schätzungen zufolge waren die Mittelabflüsse aus den Schwellenländern im vierten Quartal so hoch wie zuletzt im Jahr 2008. Beide Erholungstendenzen stoppten zeitweilig abrupt. Das musste zwangsläufig zu einer Korrektur der Schwellenländerwährungen führen“, sagt der Experte. Sinkende Devisenrenditen seien die Folge gewesen, restriktivere Kreditbedingungen hätten für einen weiteren negativen Kreditimpuls gesorgt. Auch der Autoabsatz in den Schwellenländern sei im November zurückgegangen. Durch die Trendumkehr bei diesen Themen sanken laut McNamara Lokalwährungsanleihen allein im November um 7,5 Prozent.
Trumps Politik und die damit einhergehende Zunahme von Handelsschranken könnte einige Hersteller in den Schwellenländern vor Probleme stellen, prognostiziert der Experte. „Das muss jedoch nicht heißen, dass sich die veränderte US-Politik auf die Gesamtheit der Schwellenländer negativ auswirken wird. Die angedachten fiskalischen Impulse dürften das Wachstum ankurbeln und die Rohstoffpreise stützen – beides Faktoren, die den Schwellenländern zugutekommen.“ Bereits jetzt sei die Abnahme der Kapitalabflüsse spürbar: Beliefen sie sich im November noch auf 27 Milliarden US-Dollar, waren es im Dezember nur noch drei Milliarden US-Dollar.
Für 2017 hohe einstellige Renditen erwartet
Die Schwellenländer bleiben nach Ansicht McNamaras in den kommenden Monaten für volatile Portfolioflüsse anfällig. Langfristig gesehen können sich Lokalwährungsanleihen von Schwellenländern für Anleger jedoch auszahlen: „Bei einer Stabilisierung der Portfolioflüsse werden die Reserven erneut steigen, Verbesserungen beim Kreditimpuls treten ein und das Wachstum wird erneut beflügelt. Die positiven Themen, die im Jahr 2016 die Rallye antrieben, werden wieder Wirkung zeigen. Wir erwarten daher für die Anlageklasse im Jahr 2017 hohe einstellige Renditen“, analysiert McNamara.
Mögliche Dämpfer seien dem Experten zufolge nur aus Mexiko und der Türkei zu erwarten: In beiden Ländern seien in den vergangenen drei Monaten auf Lokalwährungen lautende Staatsanleihen um 20 Prozent gesunken. „Es liegt auf der Hand, dass es in diesen Ländern 2017 entweder zu einem Einbruch oder zu einer kräftigen Erholung kommen könnte. Wir wollen im erstgenannten Fall nach Chancen für steigende Kurse und im letztgenannten Fall nach Möglichkeiten für sinkende Kurse Ausschau halten. Die richtige Positionierung in diesen beiden Fällen könnte aus einer soliden Performance für die Anlageklasse eine herausragende Performance für unsere Fonds machen.“

Stay In Touch