Roland Berger: Übernahmen von Firmen in finanziellen
oder operativen Krisensituationen – Der deutsche Markt
für „Distressed M&A“ wächst
München (21.3.17) – Der deutsche Markt für Unternehmensübernahmen aus Krisensituationen heraus (Distressed M&A) wächst weiter. Vor allem der hohe Investitionsdruck bei Investoren, ein günstiges Finanzierungsumfeld und ein zunehmendes Interesse von Investoren aus dem Ausland – in erster Linie aus Asien – sorgen für einen verstärkten Wettbewerb. Durch die hohe Komplexität solcher Transaktionen nehmen gleichzeitig die Anforderungen an M&A-Berater zu. Das sind einige der zentralen Ergebnisse der „Distressed M&A-Studie 2017“, für die Roland Berger über 200 Experten und Entscheider befragt hat. Die meisten Umfrageteilnehmer stammen aus den Gruppen der Gläubiger, also der Unternehmensfinanzierer und der Insolvenzverwalter.
Für 2017 erwarten die meisten Befragten eine Zunahme entsprechender
Fälle in den Bereichen Automobil (61%) und Konsumgüter (51%). Fast 90
Prozent sehen ein steigendes Interesse von ausländischen Investoren,
besonders aus Asien (82%) und speziell aus China (88%). Mehr als die
Hälfte (55%) erwarten dadurch einen verstärkten Wettbewerb. Dagegen
spielt der Brexit aus Sicht der Befragten nur eine marginale Rolle:
57 Prozent gehen davon aus, dass der Austritt Großbritanniens aus der
EU die Investitionen in deutsche Unternehmen nicht beflügeln wird.
Vorinsolvenzliche Verfahren bevorzugt
Für ihre Studie haben die Roland Berger-Experten die
Umfrageteilnehmer auch nach Details ihrer Arbeit gefragt. So nutzen
70 Prozent der Befragten vorinsolvenzliche Verfahren, um Unternehmen
zu erwerben, an zweiter Stelle der meistgenannten Prozesse folgt mit
67 Prozent der Kauf oder Verkauf von Unternehmen aus der Insolvenz
heraus. „Dass vorinsolvenzliche Prozesse im Vergleich zu Verkäufen
aus der Insolvenz heraus bevorzugt werden, deckt sich mit unserer
Erfahrung“, sagt Sascha Haghani, Leiter der Restrukturierungssparte
bei Roland Berger. „Die vorinsolvenzliche Sanierung hat viele
Vorteile, vor allem für Unternehmen mit „gesunden“
Geschäftsmodellen.“
Nach Ansicht fast aller Studienteilnehmer (90%) steigt insgesamt die
Komplexität von Distressed M&A-Transaktionen; vor allem die Vielzahl
an Beteiligten und hoher Zeitdruck zählen zu den Haupttreibern. Dazu
kommen Faktoren wie das aktuelle Niedrigzinsumfeld, das zur
Verschleppung von Distressed M&A-Prozessen (64% Zustimmung) und zu
einer Belastung von übernommenen Unternehmen (62%) führt, sowie neue
Instrumentarien und Vorgehensweisen. „Zudem erwarten Gläubiger und
Investoren zunehmend professionell begleitete und ergebnisorientierte
Prozesse mit hoher Informationstransparenz“, sagt Jörg Eschmann,
Partner der Corporate Finance-Practice von Roland Berger. „All dies
führt dazu, dass professionelle Berater mit Industrieexperten an Bord
bei Distressed M&A-Verfahren immer wichtiger werden.“
Seniore Beratungsteams bevorzugt
Entsprechend messen mehr als drei Viertel (76%) der Befragten dem
Berater eine hohe Bedeutung bei. „Im Ranking der wichtigsten Akteure
für eine erfolgreiche Transaktion folgt der M&A-Berater direkt nach
den unmittelbar Beteiligten, also Investor, Insolvenzverwalter,
Unternehmensmanagement und Gläubigern“, sagt Eschmann. Als wichtigste
Anforderungen an den Berater sehen die Befragten dabei
Transaktionserfahrung (95%), Unabhängigkeit (72%) und
Branchenerfahrung (70%). Letztere ist auch insofern wichtig, als 93
Prozent der Studienteilnehmer ein nachhaltiges Geschäftsmodell als
wichtigsten Faktor für den Erfolg einer Transaktion sehen. „Um die
nötigen Prozesse gut steuern zu können, bevorzugen die Beteiligten
eindeutig die Begleitung durch seniore M&A-Teams“, resümiert
Restrukturierungsexperte Sascha Haghani.

Stay In Touch