T. Rowe Price: Mexiko und

eine Mauer der Unsicherheit

 

Baltimore (27.3.17) – Eine der Prioritäten der neuen amerikanischen Regierung ist es erklärtermaßen, Handelsdefizite und den Verlust von Arbeitsplätzen anzugehen, die US-Präsident Donald Trump auf unvorteilhafte Vereinbarungen mit wichtigen US-amerikanischen Handelspartnern zurückzuführt. So stehen etwa der Handel mit Mexiko und das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) auf Trumps Bedenkenliste. Die Ungewissheit darüber, welche Änderungen die Regierung empfehlen kann und welche neuen politischen Maßnahmen getroffen werden, hat die Aussichten der Investoren für Mexiko und seine Märkte verdunkelt. Zu diesem Schluss kommen die T. Rowe Price Experten Gonzalo Pángaro, Portfoliomanager der Emerging Markets Equity Strategy, Verena Wachnitz, Portfoliomanagerin der Latin America Equity Strategy und Richard Hall, Sovereign Credit Analyst für Schwellenländer.

 

Unbeabsichtigte Folgen

 

„Die potenziellen Schritte, die Präsident Trump möglicherweise zur Umsetzung seiner neuen Handelspolitik ergreift, könnten die Neugründung oder die vollständige Abschaffung der NAFTA oder die Einführung einer sogenannten Border Adjustment Tax, kurz BAT, auf Einfuhren aus Mexiko beinhalten. Das Ziel würde darin bestehen, das Handelsbilanzdefizit mit Mexiko zu reduzieren – das im Jahr 2015 bei 60 Milliarden US-Dollar lag. Allerdings ist nicht klar, ob diese aggressive Politik auch zum gewünschten Erfolg führen würde“, erläutert Portfoliomanager Pángaro.

 

Wenn der Präsident tatsächlich beschlösse, aus dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA auszutreten, würden für Zölle die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) gelten, die durchschnittlich weniger als vier Prozent für mexikanische Güter auf dem Weg in die USA ausmachen würden. Die jüngste Abwertung des mexikanischen Peso, seit der US-Wahl rund sieben Prozent gegenüber dem US-Dollar, habe dies bereits kompensiert.

 

„Diese Peso-Schwäche schafft eine Herausforderung für jeden Versuch der Trump-Regierung, Zölle oder eine Border Adjustment Tax zu verwenden, um das Handelsdefizit der USA mit Mexiko zu reduzieren. Über 80 Prozent der Exporte Mexikos gehen in die USA, und es gibt eigentlich keine eindeutigen Alternativziele für diese Exporte. Das bedeutet, dass hohe Zölle auf mexikanische Güter den Peso weiter schwächen würden. Die Produktionskosten Mexikos gemessen in US-Dollar würden sich gegenüber US-Produzenten verringern, was die Wirkung der Zölle auf die Handelsvolumina mehr oder weniger zunichtemachen könnte“, so Pángaro.

 

Darüber hinaus, darauf weisen Pángaro, Wachnitz und Hall hin, seien die Volkswirtschaften stark miteinander verflochten. So kaufte Mexiko zum Beispiel 18 Prozent der US-Exporte von Industrieerzeugnissen im Jahr 2015. Zwischenerzeugnisse aus Mexiko seien wiederum ein wichtiger Teil der US-Fertigungsketten. Demnach würden die USA die Auswirkungen einer protektionistischen Politik selbst zu spüren bekommen.

 

„Wir erwarten, dass die Rhetorik während der ersten Verhandlungsrunden hitzig bleibt. Am Ende aber denken wir, dass das wahrscheinlichste Ergebnis eine pragmatische Lösung sein wird, wie etwa eine Neuverhandlung von NAFTA. Dies dürfte dann die Bedingungen von Mexikos Zugang zum US-amerikanischen Markt nicht grundlegend ändern, sondern zu Verträgen mit besseren Arbeitsstandards und strengeren Anforderungen für zollfreie Waren führen“, prognostiziert Gonzalo Pángaro.

 

Politische Rhetorik in Washington beeinflusst die mexikanische Politik

 

Da die Rhetorik aus Washington immer kontroverser geworden sei, habe die Protestbewegung in Mexiko zulasten der traditionelleren, gemäßigten Parteien Zulauf erfahren. Der im politischen Spektrum des Landes weit linksstehende Kandidat Andrés Manuel López Obrador führe derzeit die Umfragen für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr an. Allerdings befinde sich der Wahlkampf noch in einem frühen Stadium und der Kandidat und seine AMLO-Partei müssten vor der Wahl noch einige Hürden überwinden. Aber seine Chancen könnten steigen, wenn sich die Beziehungen zu den USA weiter verschlechterten. Innerhalb Mexikos würden viele Menschen den Aufstieg von AMLO als größtes Risiko für das eigene Land sehen.

 

Aktien erscheinen derzeit noch überbewertet

 

Während der Peso momentan billig zu sein scheint, gilt dies nach Ansicht der Experten nicht für die Bewertungen von mexikanischen Aktien. Tatsächlich lägen diese über ihrem historischen Durchschnitt. Die Ertragsprognosen seien aufgrund des trägen wirtschaftlichen Umfelds und der bescheidenen Wachstumsaussichten von ungefähr einem Prozent nicht gesenkt worden.

 

Investoren könnten mit Blick auf Mexiko auf einen gütlichen Ausgang der gegenwärtigen Handelsspannungen setzen, sich auf die Konjunkturabschwächung oder die im Jahr 2018 anstehenden Wahlen konzentrieren. Sobald der Markt anfange diese Variablen einzupreisen, dürften sich günstige Gelegenheiten bieten, Investments in ausgewählte Unternehmen zu attraktiveren Preisen zu tätigen. „Mexiko verfügt über einen starken institutionellen Rahmen, eine akzeptable Auslandsverschuldung und eine unabhängige Zentralbank. Viele mexikanische Unternehmen fördern eine starke Corporate Governance und eine solide globale Geschäftspolitik. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass der Aktienmarkt auf einem guten Fundament steht. Allerdings bedeutet das wenig, solange die bestehende Unsicherheit hinsichtlich Handelspolitik, Wirtschaft und Präsidentschaftswahl nicht zumindest teilweise zerstreut sind. Und das könnte einige Zeit dauern“, schließt Pángaro.