BMO Global AM:
Trotz Wahl in Frankreich bleibt die Einschätzung für europäische Aktien optimistisch
London (5.4.17) – Die stärkeren ökonomischen Daten und der europaweit verbesserte Ausblick für die Unternehmensgewinne liefern Grund zur Freude für Investoren an den europäischen Aktienmärkten. Dennoch bleibt 2017 aufgrund der anstehenden Wahlen und anderer politischer Unsicherheiten ein angespanntes Jahr. Dieser Meinung ist Steven Bell, Chef-Ökonom bei BMO Global Asset Management.
Grund zur Freude
Der Citi Economic Surprise Index für die Eurozone hat sich in den letzten Monaten durchweg positiv entwickelt. Obwohl es weltweit einen erheblichen Unterschied zwischen Daten aus Umfragen und „harten“ ökonomischen Fakten gibt, zeigt sich Europa stark. „Wir haben eine Vielzahl an soliden Fundamentaldaten auf dem Kontinent gesehen. Dieser Trend wird noch unterstützt durch die steigende Kerninflation, das starke Wachstum der Unternehmensgewinne und die Bereitschaft von Banken, vermehrt Kredite zu gewähren“, sagt Steven Bell. Das verbesserte ökonomische Momentum und die gestiegene Inflation schüren die Erwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Politik zurückzufahren und möglicherweise deren künftige Richtung zu ändern, indem sie ihr Anleihen-Ankaufprogramm Anfang nächsten Jahres reduziert und die Zinsen erhöht.
Politische Ereignisse überschatten die starken Fundamentaldaten
Ungeachtet der positiven Daten blickt der Markt auf die im April und Mai anstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich, deren Sieg Marine Le Pen einfahren könnte. Von ihr wird durchaus erwartet, dass sie in der ersten Wahlrunde gut abschneidet und sie vielleicht sogar gewinnt. Nur wenige Kommentatoren gehen jedoch davon aus, dass sie auch aus der zweiten Runde als Siegerin hervorgeht. „Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Märkte auch beim Brexit-Referendum und bei Trumps Wahlsieg in den USA auf dem falschen Fuß erwischt wurden“, warnt Bell. „Investoren bleiben nervös, weil der Wahlausgang viel Überraschungspotenzial bietet.“
„Trotz der Risiken, die sich aus den politischen Ereignissen ergeben, behalten die Fundamentaldaten für Aktien vor allem in Europa ihren Aufwärtstrend bei. Dementsprechend ist Europa neben Japan, wo die Ökonomie eine starke zyklische Entwicklung zeigt und sich die Politik der Bank of Japan als förderlich erweist, einer unserer favorisierten Aktienmärkte“, so der Experte.
Weitere Unsicherheit für das Vereinigte Königreich
Die Premierministerin des Vereinigten Königreichs, Theresa May, hat Artikel 50 unterzeichnet und den formalen Prozess der Austrittsverhandlungen aus der EU gestartet. Bis die Details des Austritts geklärt sind, bleibe jedoch vermutlich die Unsicherheit noch über einen längeren Zeitraum bestehen, so Bell. Viele Kommentatoren erwarteten, dass die Verhandlungen länger andauern werden als die angekündigten zwei Jahre. Dies spreche für eine anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit. „Der zwölfmonatige Consumer Price Index (CPI) sieht eine Minderung im Einkommen der Konsumenten, da die Inflation im Vereinigten Königreich von 1,8 Prozent im Januar auf 2,3 Prozent im Februar stieg. Dieser Wert ist der höchste seit September 2013 und hebt die Inflation deutlich höher als die von der Bank of England anvisierten zwei Prozent. Demzufolge bleiben wir in UK-Aktien unterinvestiert“, kommentiert Bell.

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