Deutsche Bank: Ausblick Deutschland –
Positive Signale – Zyklischer Aufschwung des Welthandels,
trotz zusätzlicher Handelsbeschränkungen.
Frankfurt/Main (9.5.17) – Im Jahr 2016 war das Wachstum des Welthandels mit +1,3% schwach und in manchen Monaten sogar rückläufig. Im Winterhalbjahr aber nahm der Welthandel mit einem Plus von rund 3% gegenüber den Vorjahresmonaten wieder Fahrt auf. Die aktuelle Dynamik ist wohl auch auf den Anstieg des Rohölpreises auf über USD 50/Bbl. zurückzuführen, wodurch die Investitionstätigkeit in vielen Emerging Markets und auch den USA wieder anzog. Ölpreisbedingte höhere Einnahmen ermöglichen bis dato aufgeschobene Investitionen in der Ölindustrie und anderen Sektoren und stimulieren damit den Welthandel. Unser Modell prognostiziert allerdings nur ein moderates Wachstum von etwas mehr als 2% im Jahr 2017 und rund 3% im Jahr 2018. Aufgrund der aktuellen Wachstumsdynamik und struktureller Unsicherheiten beschreibt dies wohl eher den unteren Rand des Prognosekorridors. Die insgesamt vorsichtige Prognose steht allerdings auch mit den zunehmenden globalen Handelsrestriktionen im Einklang, denn trotz gegenteiliger Beteuerungen auf G20-Gipfeln steigt die Zahl der Handelshemmnisse an.
Ende 2016 waren in Deutschland rd. 44 Mio. Menschen erwerbstätig, mehr als jemals zuvor. Gegenüber 2005 erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen um knapp 11% oder um mehr als 4 Mio. Erwerbstätige. Auf sektoraler Ebene gab es erhebliche Unterscheide. Bei den Unternehmensdienstleistern nahm die Erwerbstätigkeit am stärksten zu (2016 gg. 2005: +36%). Auf dem zweiten Platz folgen die öffentlichen Dienstleister einschließlich Erziehung und Gesundheit mit einem Plus von 14%. Knapp 70% des absoluten Anstiegs der Erwerbstätigkeit seit 2005 sind auf diese beiden Wirtschaftszweige zurückzuführen. Beide Bereiche sind jedoch durch eine unterdurchschnittliche Produktivität charakterisiert. Dies trübt das positive Gesamtbild am deutschen Arbeitsmarkt. Für ein kräftigeres Lohnwachstum müsste in Sektoren mit hoher Produktivität die Erwerbstätigkeit überdurchschnittlich steigen. Dem steht jedoch ein Fachkräftemangel in einzelnen Branchen und Regionen gegenüber.
Äußerst schmallippige EZB. Auf der Pressekonferenz am 27. April dämpfte der EZB-Präsident die hohen Erwartungen auf eine baldige Änderung der Geldpolitik. Er sah noch keinen Nachweis für eine nachhaltige Belebung der Preisdynamik und wollte offensichtlich einem vorzeitigen Einpreisen von Zinsanstiegen entgegenwirken. Unserer Ansicht nach setzt sich die Konjunkturerholung in der Eurozone fort und das Wachstum ist kräftig genug für eine Reflationierung. Entsprechend erwarten wir für Juni eine Anpassung der Forward Guidance, für September die Ankündigung die Anleihekäufe der EZB im Jahr 2018 zurückzufahren und für Dezember 2017 eine Anhebung des Einlagensatzes. Aufgrund des sehr schmallippigen EZB-Präsidenten halten wir jedoch auch eine spätere Anpassung der Forward Guidance für möglich.

Stay In Touch