Deutsche Bank: Robuste Konjunktur unterstützt Merkels Wiederwahl

Frankfurt/Main (7.6.17) – Die wichtigsten Aussagen der Bank-Analyse:

  • Deutsches BIP: Weitere Aufwärtsrisiken. Nach dem beeindruckenden BIP-Wachstum von 0,6 % gegen Vorquartal in Q1 deuten weiche Indikatoren (ifo, PMI) auf keinerlei Verlangsamung hin. Die Beschäftigung ist in 2017 bis dato ähnlich stark wie in 2016 gestiegen. Damit könnte unsere Prognose einer Zunahme des privaten Verbrauchs um 1% in 2017 zu vorsichtig sein. Im Winterhalbjahr haben sich die Ausfuhren zusammen mit dem Welthandel erholt. Allerdings gibt es Anzeichen, dass die Dynamik des Welthandels ihren Höhepunkt erreicht haben könnte. Zusammen mit den anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten dürfte das moderate Exportwachstum die Investitionstätigkeit dämpfen. Nach der Bekanntgabe des Wachstums von 0,6% für Q1 haben wir unsere Prognose für 2017 von 1,0% auf 1,3% angehoben. Jüngste Umfragen deuten weitere Aufwärtsrisiken an. In 2018 könnte die deutsche Konjunktur überhitzen.

  • Deutsche Industrieproduktion: Prognose für 2017 auf +1,5% angehoben. Wir haben unsere Produktionsprognose für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland von bislang real +0,5% auf nunmehr +1,5% im Gesamtjahr 2017 angehoben. Unter den großen Investitionsgüterbranchen hat die Elektrotechnik den besten Start ins Jahr 2017 hingelegt. Hier rechnen wir mit einem Produktionsplus von 3% im Gesamtjahr 2017. Für den Maschinenbau (+1,5%) und die Automobilindustrie (+1%) sind wir derzeit noch deutlich vorsichtiger.
  • Unternehmensfinanzierung in Q1 – Kreditvergabe: Bäume wachsen nicht in den Himmel; Verschnaufpause im Anleihegeschäft. Solide Kreditvergabe an deutsche Unternehmen in Q1 – angetrieben von Baubranche und Handel, gebremst von immobiliennahen Dienstleistern. Anleihegeschäft legt nach Rekordjahr 2016 Verschnaufpause ein.
  • Eurozone: Konjunktur kräftiger, breiter, robuster mit positiven Impulsen für Kerninflation. Die Konjunktur hat die politischen Risiken verkraftet, und wir haben unsere BIP-Prognose für 2017 von 1,3% auf 1,8% angehoben. Dieses Wachstumstempo dürfte anhalten. Die Gesamtrate des HVPI dürfte sich im weiteren Jahresverlauf bei rund 1,5% einpendeln, da das Anziehen der Kernrate durch einen schwächeren Auftrieb der Energiepreise kompensiert werden sollte.
  • EZB-Ausstieg: Langsam reicht. Wir haben unsere Prognose für die EZB-Sitzung am 8. Juni geändert. Wir gingen bisher davon aus, dass die EZB dort ihren ersten Schritt weg von der extrem expansiven Politik setzen würde, indem sie ihre „forward guidance“ anpasst. Für Juni erachten wir nunmehr eine derartige Maßnahme als eher unwahrscheinlich. Eine Verschiebung der Anpassung der „forward guidance“ impliziert nicht notwendigerweise Verzögerungen bei den von uns erwarteten weiteren Ausstiegsschritten – der Vorankündigung eines „taperns“ im September und einer einmaligen Anhebung des Einlagenzinssatzes im Dezember. Allerdings dürfte der Zeitpfad ins Wanken geraten, falls sich die Spekulationen über vorgezogene Neuwahlen in Italien bestätigen.