Credendo: Dominikanische Republik –

Finanzpolitik könnte zum Problem werden –

Bau der Kohlekraftwerke führt zu verschärftem Haushaltsdefizit

 

Wiesbaden (19.6.17) – Mit Danilo Medina verfügt die Dominikanische Republik über den populärsten Präsidenten Südamerikas, was insbesondere auf seine Sozialreformen sowie die wachsende Wirtschaft zurückzuführen ist. Dennoch gerät die Beliebtheit Medinas ins Wanken, denn die Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit dem brasilianischen Baugiganten Odebrecht weiten sich in Lateinamerika aus und machen auch vor der Dominikanischen Republik keinen Halt. Die soziale Unzufriedenheit wächst und löst regelmäßig Proteste aus – etwa aufgrund grassierender Korruption, hoher Ungleichheit, steigender Kriminalität, unzureichender Gesundheitsversorgung und eines schwachen Stromsektors. „Profiteur dieser Entwicklungen ist eindeutig die Opposition, welche gestärkt in die Wahlen von 2020 gehen wird. Zum Sturz Medinas dürfte dies aber vermutlich noch nicht führen“, sagt Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credendo.

 

Die Dominikanische Republik erzielte in den vergangenen zehn Jahren ein BIP-Wachstum von durchschnittlich 6,3 Prozent – eine beachtliche Leistung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die dominikanische Wirtschaft noch 2003 durch eine Bankenkrise stark angeschlagen war. Dieser Erfolg ist in erster Linie auf steigende Umsätze aus der Tourismusbranche und den Freihandelszonen zurückzuführen. Zudem haben die rasch ansteigenden Rücküberweisungen der im Ausland lebenden Dominikaner das Wachstum angetrieben, da sie das Einkommen dominikanischer Familien erhöhen und den Druck auf lokale Ressourcen senken. Darüber hinaus verlieh der Abbau der im vergangenen Jahrzehnt entdeckten Goldvorkommen dem Bergbau kräftige Impulse und bewirkte eine weitere Diversifizierung der Einnahmen. „Die Diversifizierung der dominikanischen Wirtschaft ist im regionalen Vergleich zwar recht gut ausgeprägt, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten muss das Land jedoch noch weitere Fortschritte erzielen“, so Witte. „Das gilt auch für eine Beschäftigungsverlagerung hin zu einer höheren Wertschöpfung und einer größeren Zahl an Fachkräften.“

 

Verbesserte Leistungsbilanz durch niedrigen Ölpreis

 

Der niedrige Ölpreis hat neben dem Exportwachstum in den vergangenen Jahren die Leistungsbilanz deutlich verbessert. Öl ist das wichtigste Importprodukt, es macht etwa ein Viertel des Gesamtimports aus. Zudem fiel das Leistungsbilanzdefizit 2016 auf ein Zehnjahrestief. Die ausländischen Direktinvestitionen, die 2016 3,6 Prozent des BIP ausmachten, haben das Defizit ausgeglichen. In der Folge sind auch die Devisenreserven angestiegen. „In der Vergangenheit hat der Mangel an Devisenreserven immer eine Schwachstelle dargestellt. Das hat sich nun aber geändert, im März dieses Jahres deckten die Reserven solide 3,5 Monatsimporte ab“, so Witte. Und auch die Schuldenentwicklung der Dominikanischen Republik zeigt eine positive Tendenz: So ist die Auslandsverschuldung von nahezu 70 Prozent des BIP im Jahr 1990 auf moderate 39 Prozent im vergangenen Jahr zurückgegangen.

 

Die Finanzpolitik könnte hingegen langfristig zu einem Problem werden. In der Vergangenheit war die Finanzpolitik stets von einem anhaltenden Haushaltsdefizit und steigenden Schulden geprägt. Und trotz eines soliden Wirtschaftswachstums leitete die dominikanische Regierung die ersten Maßnahmen zur Bekämpfung der erheblichen finanzwirtschaftlichen Ungleichgewichte erst vor vier Jahren ein. Medina reduzierte die öffentlichen Investitionen und verabschiedete Steuerreformen zur Erhöhung der Einnahmen. Infolgedessen ist das Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren zwar zum Teil stark zurückgegangen, jedoch wird erwartet, dass es sich künftig langsam wieder verschärft und 2021 bei 5,2 Prozent liegen wird. Zudem sind auf der Einnahmenseite zusätzliche Steuerreformen notwendig, um die schmale Besteuerungsgrundlage zu erweitern, Steuervergünstigungen zu eliminieren und Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu stärken. Und auf der Ausgabenseite führt der Bau der Kohlekraftwerke bis 2019 zu einer Erhöhung des Haushaltsdefizits und der Staatsverschuldung. Außerdem entwickeln sich die Zinszahlungen zu einer zunehmenden Belastung. 2016 wurden sie auf etwa 3 Prozent des BIP beziehungsweise 20 Prozent der öffentlichen Einnahmen geschätzt und dürften künftig weiter in die Höhe steigen. „Die Haushaltslage ist derzeit zwar noch solide, ob sie sich aber auch künftig noch als tragfähig erweist, bleibt fraglich“, sagt Witte.

Credendo schätzt das kurzfristige politische Risiko der Dominikanischen Republik als eher gering ein (2 auf einer Skala von 1 bis 7). Das Geschäftsrisiko wird hingegen mittel bewertet (B auf einer Skala von A bis C).