Die Deutsche Bundesbank feiert Anfang August d. J. ihr 60-jähriges Jubiläum! Das Motto: Seit 1957 sorgt die Notenbank für stabiles Geld in Deutschland und Europa.
www.geldanlagen-nachrichten.de liefert seit Mitte Januar 2017 und in den kommenden Wochen eine ausgedehnte Serie zum Thema deutsches Geld und Geldpolitik von der Nachkriegszeit über die Währungsreform mit der Einführung der D-Mark 1948 bis zum Euro von Heute.
Von Christoph Wehnelt
Nr. 25
Heroisierung des Geldes
Die Heroisierung des Geldes, der D-Mark entspricht ganz gewiss nicht der Tradition deutschen Geistes. Bei den alten Preußen galt: mehr sein als scheinen. Sie trugen die Pelze nach innen. Geld hatte man, aber man sprach nicht drüber. Juden sind heute noch derselben Meinung. Allein schon das Wort, „stabiles Geld ist gemünzte Freiheit“ kann missverständlich sein. Völker, die über weiches Geld verfügen, fühlen sich deshalb nicht unfrei. Und Leute, die gar kein Geld haben, sehen sich gerade deshalb befreit. Die Heroisierung der D-Mark haben uns genau jene eingeredet, die uns das gute Geld jetzt wieder entwenden.
Warum hat sich das allgemeine Unbehagen über die Abschaffung der D-Mark aber so ausgebreitet? Die wohl gesetzten Worte bei pompösen Gedenkfeiern korrigieren da nichts. Sie lassen bestenfalls noch mehr Frust aufkeimen. 50 Jahre D-Mark und jetzt ein Ende. Na und? Krokodilstränen, nichts weiter! Bei aller Habgier und bei allem Neid, die bei uns virulieren, geht es beim Unbehagen über die Geldkultur durchaus nicht um Mark und Pfennig. Es geht um Ordnung. Die D-Mark hat Ordnung gebracht, ganz gleich ob sie in Bad Homburg, Rothwesten oder Frankfurt überwiegend von Amerikanern oder Deutschen entwickelt wurde.
Die D-Mark war erstes und seitdem erstrangiges Ordnungselement in diesem bis auf die Grundmauern zerstörten Staat. Durch die Einführung dieses Geldes in den drei Westzonen kam Ordnung bis an die D-Markantions-Linie zum Stalin-Reich. Bei der Mark war von Anfang an Außenpolitik im Spiel. Durch die Ablösung der Reichsmark wurde im Währungsinland ganz gewiss geldpolitische Ordnung und amit stabile Kaufkraft geschaffen. Hier wurde Innenpolitik wirksam. Schon früher als das Grundgesetz und mit ihm hat das neue Geld nach Deutschland Ordnung gebracht.
Die Politik hätte nach der Wiedervereinigung, die auch durch die Kraft der D-Mark erst möglich wurde, diese Grundbefindlichkeit der Deutschen sogar noch etwas veredeln können, wenn sie sich an den Auftrag des Grundgesetzes gehalten hätte und 1990 eine neu geschriebene gesamtdeutsche Verfassung zur Volksabstimmung gebracht hätte. Hier wurde Innenpolitik in einem entscheidenden Punkt vernachlässigt, sogar verpasst, dafür Außenpolitik gemacht.
Die Bundesregierung stellte die von der Bundesbank gemanagte Ordnung zur Disposition, um über das Geld – mit viel Liebedienerei – Ordnung in Europa zu schaffen. Was die D-Mark in Deutschland geleistet, soll nun unter ganz anderen Voraussetzungen der Euro kontinental regeln, übrigens mit genau so wenig „Verfassungsschutz“. Wir wissen es: Der Euro wird so stabil wie die D-Mark und die Europäische Zentralbank soll noch unabhängiger als die Bundesbank sein.
Vieles von dem, was einem geschundenen Dreiviertelsvolk vor 50 Jahren gelungen ist, soll nun mit 11, 15, 25 höchst selbstbewussten Einzelstaaten mit 400 Millionen Einwohnern dargestellt werden. So gesehen muss ab sofort der Euro heroisiert werden, geradezu in Morgengebet eingeschlossen, damit alles in Europa klappt. – Über die D-Mark reden wir nicht, die haben wir – noch. Wir wurden reich damit. Sie hat uns sogar bereichert.
Die Königin ist tot – Es lebe der König
Die Frankfurter Alte Oper ist der geeignete Platz, um die Gründung der EZB angemessen zu feiern. Der Traditionsbau steht unter dem Dreigestirn des „Wahren, Schönen, Guten“ und demonstriert Wehrhaftigkeit mit der Panther-Quadriga ganz oben über dem Portal. Das Ambiente verleiht der gemeinsamen europäischen Währung und deren Leitung einen nicht alltäglichen Glanz. Von Hier und Heute geht eine neue Epoche der Geldgeschichte aus, denn niemals zuvor hat es eine Staatengruppe gegeben, die ein gemeinsame Währung für sich schuf und damit auch noch Erfolg hatte. Der Euro muss als höchstes Gut gelten, weniger weil die Europäer abgefeimte Materialisten sind, sondern weil ein gut Stück europäischer Zukunft daran hängt.
Zum Euro drängt ganz Europa, mindestens zwei Dutzend Staaten. Vorläufig gilt aber: Elf Freunde sollt ihr sein, denn irgendwo geht es auch hier um eine Meisterschaft. Zu allererst müssen die elf Euro-Beginner jeweils ihre eigene Finanzpolitik meistern, Wahrhaftigkeit braucht es dazu. Bisher ist noch nicht ganz sicher, ob hier zusammenwächst, was zusammengehört. Umso größer muss die Anstrengung fürs Gelingen ausfallen. Das Schöne daran ist, dass der Alte Kontinent, der sich seit Urzeiten in mehr oder weniger gelungenen Feldzügen gegen einander zermalmt hat, zusammenrückt und von nun an auf ewig ungeteilt sein soll. Das Gute wäre ein ganze Stück Frieden mehr in dieser Welt. Zumindest aber ein starker Staaten-Verbund, der selbst Frieden hält und in der Welt auch für Frieden sorgen kann. Soviel Hoffnung wird tatsächlich in eine Währung gesetzt, die bisher in Deutschland die meisten Leute geärgert hat. Aber: Wer den Euro nicht ehrt, ist die D-Mark nicht wert, die darin aufgeht.
Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen: Die Arbeit, die hier zu bewältigen ist, grenzt an Unglaubliches. Völlig losgelöst von dem real existierenden Chauvinismus und ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Divergenzen wird hier ein Vabanquespiel initiiert, das auch danebengehen kann. Der Schaden wäre unabsehbar, obwohl auch nach einem Scheitern kein Krieg in Europa ausbräche, wie es uns manchmal Kanzler Kohl weismachen wollte. In der Anfangszeit wird der Weg der EZB schon über steiniges Gelände führen. Politisch werden zeitweilig Koalitionen nötig, die zum Erhalt des Ganzen in Teilbereichen auch die unverbrüchliche deutsch-französische Freundschaft in Frage stellen können. Es gibt Anzeichen dafür. Für den Erhalt der Unabhängigkeit der EZB zu kämpfen lohnt jedoch. Hier sind die Spitzenleute der Zentralbank zuerst gefordert. Auf in den Kampf Wim Duisenberg.
Zeremonie zur Einweihung
des Europäischen Systems der Zentralbanken
Frankfurt, 30. Juni 1998
Rede von Jacques Santer,
Präsident der Europäischen Kommission
„Es ist der Beweis zu erbringen, dass eine föderal ausgerichtete europäische Zentralbank bestehen kann, auch wenn es keine wirklich föderale europäische
Regierung gibt.“
Mr. President of the European Council, the Prime Minister of the United Kingdom, Mr. Blair
Herr Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Kohl
Mr. President of the European Parliament, Mr. Gil Robles
Herr Bundeskanzler der Bundesrepublik Österreich, ab Morgen Präsident des Europäischen Rates, Dr. Klima
Exzellenzen
Herr Ministerpräsident des Landes Hessen, Dr. Eichel
Frau Oberbügermeisterin der Stadt Frankfurt, Frau Roth
Liebe Freunde,
es ist mir eine große Freude, heute gemeinsam mit Ihnen die Einweihung des Europäischen Systems der Zentralbank feiern zu dürfen.
Und wir haben wirklich Grund zum Feiern, denn der Euro bildet fraglos den Höhepunkt des europäischen Aufbauwerks, so wie wir es uns seit Beginn des Binnenmarktprogrammes vorgestellt haben.
Allein die Tatsache, dass das Europäische System der Zentralbanken – um den durch den Maastrichter Vertrag eingeführten Namen aufzugreifen – nunmehr existiert, ist faszinierend: Denken wir doch nur an den Weg, den wir zurückgelegt haben, seit 1964 der Ausschuss der Zentralbankpräsidenten eingerichtet wurde!
Lassen Sie mich hier die beachtliche Arbeit herausstellen, die Herr Lamfalussy und Herr Duisenberg seit 1994 geleistet haben. Ihnen und insbesondere der Tätigkeit des Europäischen Währungsinstituts ist es zu verdanken, dass wir den Erfolg, den wir heute feiern, in so kurzer Zeit erreicht haben. Anerkennung gebührt aber auch den nationalen Zentralbanken, die in allen Phasen dieses gemeinsamen Projektes aktiv mitgewirkt haben:
– Durch ihre Mitarbeit im Delors-Ausschuss,
- durch ihre Beiträge zur Vorbereitung des Vertrages von Maastricht,
- und, insbesondere in den letzten Jahren, durch eine enge Zusammenarbeit mit der Kommission bei der Vorbereitung der Rechtsinstrumente und der gegenseitigen Abstimmung der Konvergenz berichte.
All diese Fortschritte waren nur möglich, weil wir unser Wissen gebündelt und im Laufe der Arbeiten immer weiter vertieft haben.
Alle Elemente eines soliden Fundaments für einen starken und stabilen Euro sind gegeben, und wir können – so meine ich – der Zukunft gelassen entgegensehen.
Allerdings stehen wir dann gleich vor der nächsten Herausforderung, der wir uns bereits heute stellen müssen: Wie schaffen wir es, dass der Euro auch wirklich ein Erfolg wird?
- Zunächst gilt es, den Euro konkret einzuführen.
Die wichtigsten Voraussetzungen sind bereits erfüllt, und zwar
- der Rechtsrahmen,
- der Stabilitäts- und Wachstumspakt,
- die bilateralen Umrechnungskurse,
- und schließlich das EWS-II.
Weitere Arbeiten sind bereits gut fortgeschritten:
- die Wahl der währungspolitischen Instrumente,
- die Herstellung von Euro-Banknoten und –Münzen,
- die Umstellung der öffentlichen Verwaltungen auf den Euro,
- und nicht zuletzt die Vorbereitung der Privatwirtschaft und der Bürger. Sie ist von allergrößter Wichtigkeit. Wir brauchen daher insbesondere auch eine gut durchdachte Öffentlichkeitsarbeit.
- Sodann muss sich die Europäische Zentralbank die notwendige Autorität
verschaffen.
Sowohl die Kommission als auch die Europäische Zentralbank wurden durch die Verträge eingerichtet. Während die Kommission als Organ der Gemeinschaft dafür zu sorgen hat, dass alle der Gemeinschaft zugewiesenen Aufgaben erfüllt werden, kommt der EZB eine ganz spezifische Rolle zu: Sie soll die Geldpolitik unter Gewährleistung der Preisstabilität steuern.
Dafür wird sie viel Fingerspitzengefühlt aufbringen müssen, denn es wird nicht einfach sein, in unserer von großen Unterschieden geprägten Union eine Stabilitätskultur zu entwickeln. Doch nur auf diesem Weg werden wir unsere Wachstums- und Beschäftigungsziele nachhaltig verwirklichen können.
Zwei Überzeugungen sollten unser Handeln leiten:
- Erstens: die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Konvergenz nachweislich positiv auf unsere Volkswirtschaften ausgewirkt hat;
- Zweitens: Es muss aufgeklärt und überzeugt werden. Dadurch werden Sie sich Legitimität erwerben. Das wird zwar viel Mühe kosten, doch die Erfahrungen der Zentralbanken der Teilnehmerstaaten – und darüber hinaus – werden Ihnen dabei zugutekommen.
- Schließlich ist der Beweis zu erbringen, dass eine föderal ausgerichtete europäische Zentralbank bestehen kann, auch wenn es keine wirklich föderale Regierung gibt. Ich bin davon überzeugt, vorausgesetzt drei Voraussetzungen sind erfüllt:
– Es muss gelingen, den europäischen Bürger davon zu überzeugen, dass es sich bei der einheitlichen Währung um ein gemeinsames Gut handelt, das gemeinsam zu verwalten ist. In diesem Sinne bilden das Europa der Euro und das Europa der Völker keinen Widerspruch. Vielmehr stärken sie einander. Entscheidend wird in diesem Zusammenhang auch das Gelingen der Integration im finanziellen Bereich sein. Die Kommission wird dieses Ziel noch vor Jahresende in einer Mitteilung umfassend behandeln. Wie Sie wissen, hat die Kommission bereits entsprechende Initiativen im Hinblick auf einen Aktionsplan für die Schaffung einer europäischen Marktes für Risikokapital ergriffen.
- Zudem wird es erforderlich sein, die wirtschaftspolitischen Koordinierungsinstrumente, die uns mit den Grundzügen der Wirtschaftspolitik, der Euro-11 Gruppe und dem Stabilitäts- und Wachstumspakt an die Hand gegeben sind, besser zu nutzen. Wie in jeder guten Ehe müssen auch unsere Staaten lernen, einander die Wahrheit zu sagen, selbst wenn das bisweilen schwerfällt. Ich begrüße in diesem Zusammenhang, dass der Europäische Rat in Cardiff diese Einschätzung unterstützt hat.
- Schließlich müssen die mikroökonomischen Reformen der Arbeits-, Güter- und Kapitalmärkte erfolgreich durchgeführt werden.
Das meine Damen und Herren, sind die Perspektiven der Union im Sommer des Jahres 1998, sechs Monate vor dem 1. Januar 1999.
Unser Vorhaben ist von historischer Bedeutung. Dies gilt für die 11 Teilnehmerstaaten, aber auch für die übrigen Mitgliedstaaten, die sich wie ich glaube, dem Vorhaben nicht länger verschließen werden, sobald sie sich von seiner erfolgreichen Durchführung überzeugt haben. Dies gilt aber auch für die übrige Welt. Der Euro wird sich international durchsetzen. Es wird an uns sein, die Instrumente dafür zu entwickeln, dass der Euro seiner internationalen Aufgabe gerecht werden kann. Die Krise in Asien hat gezeigt, dass selbst Entwicklungen, die sich in großer räumlicher Entfernung vollziehen, unmittelbar finanzielle Konsequenzen für Europa mit sich bringen können. Sie hat zudem deutlich werden lassen, dass wir uns der neuen Verantwortung für das internationale Wirtschaftsgeschehen, die wir mit dem Euro bewusst eingegangen sind, vorbehaltlos stellen müssen.
Meine Damen und Herren,
bevor ich schließe, gestatten Sie mir noch ein Wort an Wim Duisenberg, den ich seit langem kenne. Wim hat eine bedeutende und ehrenvolle Aufgabe übernommen. Er besitzt die erforderliche Erfahrung, die notwendige Kompetenz und die gebotene Entschlossenheit, um diese Aufgabe gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Direktoriums und den Zentralbanken erfolgreich zu meistern. Europa wird aus diesem Vorhaben als großer Gewinner hervorgehen. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Grußwort des Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl
„Der Euro wird zu einer ähnlichen Erfolgsgeschichte wie die D-Mark.“
Meine Damen und Herren,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank.
Als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland heiße ich Sie hier in Frankfurt herzlich willkommen.
Dies ist ein großer Tag für Europa, für Deutschland und für die Stadt Frankfurt am Main. Die Errichtung der Europäischen Zentralbank ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der europäischen Einigung. Am 1. Juni wurde EZB offiziell gegründet. Ich bin sicher, dass es Ihnen allen gelingen wird, die neue europäische Währung, den Euro, durch Ihre Arbeit zu einer starken, stabilen und sicheren Währung zu machen.
Meine Damen und Herren, die europäische Einigung ist ein Glücksfall der Geschichte unseres Kontinents. Dies gilt vor allem für unser Land, für Deutschland, als Land in der Mitte Europas mit den längsten Grenzen und den meisten Nachbarn. Ohne die Einigung Europas wäre die Deutsche Einheit nicht möglich gewesen. Dafür sind wir dankbar. Die europäische Einigung ist für uns Deutsche bleibende Verpflichtung.
Zugleich ist der Bau des Hauses Europa die beste Garantie für Frieden und Freiheit im 21. Jahrhundert. Die Einführung des Euro ist ein säkulares Ereignis, das das Gesicht unseres Kontinents im nächsten Jahrhundert entscheidend prägen wird.
Heute wachsen kin der im Bewusstsein auf,
- dass sie nach menschlichem Ermessen ihr ganzes Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand verbringen können,
- dass die Grenzen in Europa ihren Charakter als trennende Grenzen verloren haben und sie überall in Europa Freunde finden können,
- dass sie künftig von Helsinki bis Madrid mit einer Währung bezahlen werden.
Mit dem Euro wird sich ein ganz neues Gefühl der Zusammengehörigkeit entwickeln. Europa wird so für die Menschen ganz konkret erfahrbar. Währungen waren schon immer mehr als bloßes Geld oder nur ein Zahlungsmittel. Sie waren und sind immer auch ein Stück kultureller Identität und ein Gradmesser politischer Stabilität.
Die Einführung des Euro wird auch der Fortentwicklung der Politischen Union neuen Auftrieb geben. Ich bin mit sicher, dass die morgen beginnende österreichische Ratspräsidentschaft hierzu weitere Impulse geben wird.
Für die deutsche Ratspräsidentschaft im 1. Halbjahr 1999 steht eine Vielzahl entscheidender Weichenstellungen an. Wir haben uns vorgenommen, Europa in dieser Zeit – gemeinsam mit unseren europäischen Partnern – ein gutes Stück voranzubringen. Dies gilt insbesondere für die dann anstehenden Entscheidungen zur Agenda 2000.
Wir müssen uns ebenfalls unter deutschen Vorsitz – anknüpfend an die Debatte beim Europäischen Rat in Cardiff – intensiv der Frage der künftigen Entwicklung des europäischen Einigungsprozesses widmen. Wir werden die vor allem auch mit Blick auf die konsequente Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips und die notwendigen institutionellen Reformen tun. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Erweiterung der EU nach Osten und Südosten ein wichtiges Thema.
Meine Damen und Herren, die gemeinsame europäische Währung ist von grundlegender wirtschaftlicher Bedeutung für Europa. Zwischen den teilnehmenden Währungen bestehen künftig keine Wechslekursschwankungen mehr. Dies erhöht die Planungssicherheit für Investitionen. Der Handel wird zunehmen. Dies kommt der Wirtschaftsentwicklung in unseren Ländern zugute.
Unbestritten ist, dass der Euro kein Patentrezept ist, mit dem die Arbeitsmarkt-Probleme in vielen Ländern Europas quasi über Nacht gelöst werden können. Hierzu bedarf es – nicht zuletzt auch bei uns in Deutschland – noch größere Flexibilität am Arbeitsmarkt und weiterer struktureller Reformen und Veränderungen. Wenn jeder von uns seine nationalen Hausaufgaben macht, eröffnet der Euro die große Chance für neue wirtschaftliche Dynamik, für dauerhaftes Wachstum und zukunftssichere Arbeitsplätze im 21. Jahrhundert.
Mit der Euro-Zone entsteht ein einheitlicher Markt mit gemeinsamer Währung für zunächst 300 Millionen Menschen und einem Anteil von rund 20 Prozent am Welteinkommen – dies ist vergleichbar mit dem Anteil der USA. Ich gehe davon aus, dass die Euro-Zone in den kommenden Jahren durch den Beitritt weiterer Länder noch wichtiger wird.
Der Euro ist eine der wichtigen Antworten Europa auf die Globalisierung, den immer schärferen weltweiten Standortwettbewerb zwischen Staaten und Regionen. Ein stabiler Euro hat gute Chancen, eine erstzunehmende Alternative zum US-Dollar als Weltwährung zu werden. Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten in Asien erkennen viele Investoren aus aller Welt die Vorzüge Europas und legen ihr Geld trotz niedriger Zinsen im „sicheren Hafen“ des Euro-Raumes an. Die internationale Finanzwelt hat großes Vertrauen in die gemeinsame europäische Währung – und das schon ein halbes Jahr vor ihrer Einführung.
Das Vertrauen in die Stabilität des Euro ist vollauf gerechtfertigt! Wir haben die Einführung des Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren sorgfältig vorbereitet. Wir haben wichtige Voraussetzungen dafür getroffen, dass der Euro eine dauerhaft stabile Währung wird:
- Bei der Auswahl der Teilnehmerstaaten Anfang Mai haben wir strikt auf die vertragsgemäße Einhaltung der Konvergenzkriterien geachtet.
- Damit die Haushaltsdisziplin auch nach Beginn der Währungsunion gewährleistet ist, haben wir zusätzlich den Stabilitäts- und Wachstumspakt beschlossen.
- Die Europäische Zentralbank, deren Gründung wir heute feiern, ist nach bewährtem Vorbild unabhängig und zuallererst der Sicherung der Geldwertstabilität verpflichtet.
In Europa hat sich zudem bereits in den letzten Jahren eine beispiellose Stabilitätskultur entwickelt, die noch vor zehn Jahren niemand für möglich gehalten hätte.
Ich bin sicher, dass der Euro zu einer ähnlichen Erfolgsgeschichte wird wie die D-Mark, dernen Einführung vor fünfzig Jahren wir Deutsche uns vor wenigen Tagen erinnert haben. Gerade für Deutschland als Exportnation liegt die Einführung der gemeinsamen Währung im ureigenen Interesse.
Meine Damen und Herren, als Hüterin der Stabilität der neuen Währung kommt der EZB in Frankfurt am Main eine große Verantwortung zu. Ich bin überzeugt, dass sie ihre Aufgabe hervorragend meistern wird. Ich bin froh, dass im ersten Direktorium der Europäischen Zentralbank hervorragende Persönlichkeiten sind. Dies ist die beste Garantie für einen stabilen und sicheren Euro. – Für die vor Ihnen liegenden wichtigen Aufgaben wünsche ich Ihnen allen viel Erfolg!
SPEECH BY THE PRIME MINISTER TONY BLAIR
AT THE INAUGURATION OF
THE EUROPEAN CENTRAL BANK, FRANKFURT
“The City of London is already at the vanguard of the financial services sector within Europe in welcoming the Euro.”
Ladies and gentlemen,
Today, the key decisions on the foundation of the single currency are taken and behind us, and the European Central Bank officially takes over the reins of responsibility from the European Monetary Institute. It does so against a background of financial market confidence in a smooth Euro launch in January.
The launch of the single currency – on time – is a testament to the ability of Europe’s leaders to work together, even when decision-making has proved difficult.
There are bound to be difficult moments in the future too. But I have no doubt that same ability to work together will be there when needed.
Our work to establish the Euro as a strong currency embodies a new consensus in Europa about how our economies can be managed successfully: that you can’t take short cuts to lower unemployment by taking risks with higher inflation; that sound public finance is a pre-condition of macro economic stability and that macro economic stability is itself a pre-condition of sustainable investment and growth. In or out of EMU, these are the policies that Europe’s Governments must pursue.
I also have no doubt that the ECB’s monetary policy will be as credible as the quality of its leadership suggests.
There is an excellent team at the top. Wim Duisenberg has outstanding experience as a central banker. And the other members of the Executive bring a wealth of expertise. Moreover the Bank’s leadership is clearly established for the next 12 years.
You start with several advantages. I pay tribute to the EMI’s preparatory work and to Alex Lamfalussy, its first head – and also the staff of all 15 Central Banks who actively participated in the vital work or preparation.
You start at a time when, despite problems elsewhere, there has been a healthy upturn in the economic prospects für Europe, with renewed growth and conficence visible in many countries.
But the ECB’s most prized possession is the principle of independence, guaranteed by the ECB statute. The primary objective of price stability is laid down in the Maastricht Treaty.
I support this wholeheartedly. One of the new British Government’s firste decisions was theat teh Bank of England would become independet.
For Britain of course this change of policy came very late in the day. We suffered from decades of boom and bust partly because too many past economic decisions were taken on the basis of short-term expediency, not a long-term commitment to stability and low inflation.
The independence of the ECB is therefore of fundamental importance. It was to protect that principle that the negotiations were so protracted in May in Brussels. The principle must not bei tampered with if the Bank’s credibility ist not to be fritteres away.
But alongside its independence, the ECB must also build a reputation for dialogue and trust. Dialogue with all the key actors in Europe’s economy. A regular line of accountability to the European Parliament, as laid down in the Treaty. Transparency in explaining its actions to the public. All these are essentials für the ECB to establish is legitimacy as well as its indepencence.
Above all we need to build an effective relationship between the ECB and Europe’s Finance Ministers. In the successful running of any economy monetary und fiscal policy must bei properly complementary. Rigorous implementation of the pact for Stability and Growth is vital.
Most important of all, Europe’s governments must also pursue the structural reforms necessary to improve the functioning of product, labour and capital markets. Reform is essential if the single currency is to be the success we all want and need. With exchange rates locked together forever, we need more market flexibiliy, not less. The single currency will embrace a population larger than the US, but we do not have labours molility of the American kind. Nor can or should we rely an fiscal transfers between regions. That is why the successful completion of EMU will depend on effective adjustment mechanisms in individual countries.
For EMU will bring in its wake changes of a fundamental nature. Prive differentials will bei more transparent. Exchange rate uncertainty will no longer be a barrier to trans-national investment. The impact of these changes on the behaviour of consumer, producers, employers and employees will be huge.
In my view, Europe will face a simple choice. Do we attempt to hold back change, resist necessary structural economic reform and blame the ECB if we get bad economic news? Or do we accept that the ECB must act independently to secure price stability, while we ourselves work with the grain of economic change and make the most of the opportunities the single currency offers? For me there is only one choice we can make, however uncomfortable is may on occasion be, if we are to see the full potential benefits of EMU for growth and jobs in Euope – that is to accept price stability and build economic change on its sure foundation.
I was greatly encouraged by the consensus and this at the Cardiff European Summit. We agreed real commitments at national and EU level. To develop the broad economic guidelines. To give real impetus to employment action plans. To modernise the single market. And to promote entrepreneurship and the growth of small firms through better access to venture capital and a more favourable regulatory environment. It represented a new emerging consensus in Europe about a reformed European social model.
All this amounts to a tremendous challenge für governments and bankers alike. But it is one Iam confident can and will be met.
I speak of course as Prime Minister of a country that will not be part of the single currency’s first wave for the reasons we have given, namely that there is not, at present, sustainable economic convergence between our economy and those elsewhere in Europe. But our position remains as it was clearly set out by Gordon Brown last October: “we believe that, in principle, British membership of a successful single currency would be beneficial to Britain and Europ; the key factor is whether the economic benefits of joining for business and industry are clear and unambiguous. If they are, there is noch constitutional bar to British membership of EMU.”
We wish the single currency well and will work to make is succed and we will take our decision on the basis of the national economic interest. And we will putt that decision to the British people in a referendum.
Meanwhile, we look forward to working closely with the ECB. We are also working hard on prictical preparations for the Euro from 1. January 1999. We are working to ensure that business can use the Euro freely and efficiently within the UK and the EU. The City of London is already at the vanguard of the financial services sector within Europe in welcoming the Euro.
This speech is my last formal act in the British Presidency of the European Union – a Presidency which hat marked a sea-change in the British approach to Europa, from self-imposed isolation to full-heartet cooperation. I hope we have done a competent and professional job. I know we have shown how much both Britain and the rest of Europa have to gain from each other through working together.
We have been priviled to hold the Presidency for the launch of tow of the most historic acts in Europe’s post-war history – EMU and enlargement. We have been able to push forward debate on both economic and political reform so that the ambition we all share – a Europe closer to the people – can be realised.
It is for governments to take advantage of this new Europe of change and dynamism. It is for the ECB to create the framework of stability on which this dynamism can be built. I wish Wim Duisenberg and the ECB all the very best for their future work.
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Für den musikalischen Rahmen des einzigartigen Ereignisses sorgte der EZB-Präsident persönlich. Der Holländer hat den „Maastrechter Staar Royal Dutch Male-voice Choir“ engagiert. Im 1. Teil gab der Männergesangsverein ein europäisches Medley zum Besten. Im 2. Teil kamen Opernchöre, auch etwas Musicals und Cabaret zum Zuge. Der deutsche Beitrag beim Medley hieß ganz unmissverständlich: Auf der Heide blühen die letzten Rosen. Richard Wagner steuerte später noch den Pilgerchor aus Tannhäuser bei. Mit Don Carlos war weniger Schiller („Die schönen Tage von Aranjuez sind vorüber“) als Verdi gemeint (Coro d’introduzione e scena del frate). Frankreich war im Medley mit den „Chevaliers de la table ronde“ vorteilhaft vertreten, später mit Gounods Faust „Choeur des soldats“ – offenbar die deutsch-französische Freundschaft berücksichtigend. Das Vereinigte Königreich bewahrte wie immer Stil: „Land of hope und glory.“ Zum Schluss, beim lockeren „Money, money, money“ fühlten sich alle in Freude richtig verstanden.
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Nachmittags überreichte Finanzminister Theo Waigel dem EZB-Präsidenten, Duisenberg, die Erstdrucke der Briefmarke „Europäische Zentralbank Frankfurt am Main“. Das ist sicherlich nicht das Wichtigste aber bezeichnend für den 30. Juni, denn am 1. Juli nimmt die EZB ganz offiziell die Arbeit auf. Waigel ist nicht alleine wegen der Briefmarken nach Frankfurt gereist, sondern hat handfeste Politik im Sinn, zumindest deren Demonstration.
Nach der Euro-Fete in der Alten Oper traf sich die deutsche Hochfinanz bei der Bundesbank. Da wurde nämlich Otmar Issing verabschiedet, der jetzt als Chefvolkswirt beim Euro sein Geld verdient. Außerdem wurde Waigels Staatssekretär, Jürgen Stark, als Vizepräsident und damit als Stellvertreter von Hans Tietmeyer installiert. Johann Wilhelm Gaddum ging aufs Altenteil. Aber warum brauchen wir noch einen Vize bei der Bundesbank, wo doch die D-Mark bald mausetot ist? Der Vize wird gebraucht, weil Jürgen Stark nächstes Jahr Nachfolger von Tietmeyer werden soll als Bundesbank-Präsident und damit als deutscher Gouverneuer bei der Europäischen Zentralbank. Dafür muss allerdings Kohl die Wahl gewinnen. Demnächst wird Jürgen Stark auf jeden Fall „Außenminister“ der Bundesbank. Das Amt übernimmt er vom Kollegen Helmut Schieber, der künftig das Kapital- und Geldmarktressort leitet. Übrigens hat die Bundesbank noch ein langes Leben, denn die EZB funktioniert nur gemeinsam mit dem Europäischen System der Zentralbanken, dessen integraler Bestandteil die Deutsche Bundesbank ist.
Schröder und Lafontaine verändern die Welt
Die Konstellation könnte kaum vertrackter sein. Wir stehen am Ende der Bonner Republik und befinden uns am Anfang der Globalisierung. Wir starten in ein von Berlin regiertes Deutschland und begraben gleichzeitig die Deutsche Mark. Wir treten in Euro-Land ein und haben künftig eine SPD-geführte Bundesregierung, deren Finanzminister, Oskar Lafontaine, sich ein Weltwährungssystems vorstellt, wo all gleich sind. Er will schlichtweg mehr oder weniger festgezurrte Wechselkurse zwischen Dollar, Yen und D-Mark, pardon Euro in der gutherzigen Absicht, dass damit sämtliche Finanzkrisen dieser Welt unmöglich gemacht werden, zumindest aber gänzlich unwahrscheinlich würden. Bretton Woods ist seit 25 Jahren tot, jetzt aber lebe hoch ein neues Festkurssystem. Was tun spricht Schröder, die Könner sind Genossen.
Früher hat hier die Bundesbank noch einen gewissen Riegel vorschieben können. Das wird mit dem Euro anders. Denn der Wahlausgang von Ende September (98) hat als konsequente – personelle – Folge, dass auch der nächste Bundesbankpräsident ein SPD-Mann wird. Der kürzlich gekürte Vize, Jürgen Stark, hat kaum noch eine Chance. Das muss natürlich nicht heißen, dass Ernst Welteke oder Edgar Meister nicht ebenfalls verantwortungsbewusste Bundesbankchefs werden könnten. Sie gehörten schließlich seit Jahren dem Zentralbankrat an. Aber auch sie können die Geldpolitik der EZB nicht umdrehen nach deutschem Gusto. Schieben wir die Repräsentanten des großen Geldes mal beiseite. Es reicht, wenn beim Bürger das Kleingeld stimmt.
Hier entsteht jedoch die verflixte sozialpolitische Debatte. Sozialabbau oder Solidarität, Reformbereitschaft oder Rückbesinnung auf das Plätzchen hinter dem warmen Ofen, wo es sich im Schatten der deutschen Teilung noch so schön kleinbürgerlich und betulich leben ließ. Ökologisch soziale Erneuerung oder eine zügige Wirtschafts- und Finanzpolitik, die unseren Staaten im internationalen Wettbewerb vorwärts bringt. Das sind die Fragen. Nach seinem historischen Wahlsieg hat Gerhard Schröder die historische Chance, historische Weichenstellungen vorzunehmen, die das Staatswesen voranbringen.
Der neue Finanzminister findet ganz gewiss ein rieigwes Betätigungsfeld vor von der Einkommensteuerreform bis hin zum Einstieg in ein öko-Steuersystem, von Subventionsabbau bis zu einem gerechteren Finanzausgleich ub der Europäischen Union. Hinzu kommt die Europäische Währungsunion mit dem Euro un dann als ganz besondere Spielwiese ein – wie überall gefordert – gerechteres Weltwährungssystem. Der SPD war immer schon das Geschehn auf den Weltfinanzmärkten etwas schleierhaft, zumindest undurchsichtig und ganz gewiss verwerflich. Es kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen, dass täglich Multimilliarden Dollar – völlig abgehoben von der Realwirtschaft – um die Welt kreisen und horrende Gewinne generieren und abei, wenn es gerade passt, ganze Volkswirtschaften ruinieren? Gerade jetzt legt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die BIZ in Basel, die neueste Statistik vor.
In den Weltdevisenmärkten werden jeden Tag gast zweitausend Milliarden Dollar bewegt. Nach der BIZ-Erhebung stieg das Tagesvolumen klassischer Devisengeschäfte auf durchschnittlich 1971 Milliarden Dollar gegenüber 1500 Milliarden 1995. Vor zehn Jahren wurde nicht einmal die Hälfte dieses Betrages erreicht. Mit der Zeit machen die Kapitalströme nicht nur linkgs gerichteten Regierungen Angst, sondern wachsen offenbar auch den Kapitalisten über den Kopf. Zumindest befürchten viele Geldschieber, dass selbst ihnen die Risiken allmählich unerträglich werden.
Mit zunehmender Sorge fragen sich diese Leute, ob denn ihr ureigenstes Engagement in Dollar, Yen, Pfund Sterling, Franken, Cruzeiro, Rand, Bath, Rupiah oder Ringgit auch das hält, was ihnen irgendwelche Finanzberater vorgegaukelt haben? Mit Wonne stürzt man sich zwar auf irgendwelche Schwellenländer, deren Währungspolitik verfehlt ist, die aber gerade deshalb umso höhere Gewinne versprechen, bis das Land zu Boden geht. Thailand war so ein Fall. Malaysia wehrte sich.
Hals über Kopf werden die Gelder aus aller Herren Länder abgezogen und in die sicheren Häfen verfrachtet, also nach Europa und in die USA. Diese Flucht aus den Schwellenländern bedroht nun die Volkswirtschaften in Südamerika. Wenn aber Brasilien zusammenbricht, hat es die USA endgültig erwischt. Deshalb unternimmt der IWF auch alles um Dämme aufzurichten. Dämme, um die Springfluten an den Devisenmärkten abzuwehren. Wenn die Billionen-Umsätze an den Devisenmärkten nur ganz wenigen Banken und Financiers Gewinne bescheren, so ist ihre Kraft allemal groß genug, um das Weltfinanzsystem und damit große Teile der Weltwirtschaft in Grund und Boden reißen zu können.
Die Drehscheibe dafür ist London mit einem Marktanteil von 32 Prozent gefolgt von den USA, Japan und Singapur. Deutschland ist nur mit fünf Prozent beteiligt. An diesen Verhältnissen kann die neue deutsche Regierung mit Oskar Lafontain wenig, wahrscheinlich gar nichts ändern. Die vorgeschlagene Einführung der Tobbin-Steuer auf Devisenumsätze wäre nur weltweit sinnvoll unter Verpflichtung aller 182 IWF-Mitglieder. Viel sinnvoller wäre, die privaten Geldanleger mit ihren heißen Engagements voll auf die Nase fallen zu lassen und keinerlei Auffangnetze für sie zu bauen.
Lafontain schwebt zur Krisenbewältigung ein neues Weltwährungssystem mit festen Kursen von Dollar, Yen, Euro und anderen Währungen vor. Das allerdings wäre ein großer Fehler. Die Verwerfungen könnten dann zwar eine Zeitlang unter der Decke gehalten werden. Die Eruption bräche sich aber irgendwann Bahn und dann flöge das so geschaffene Weltwährungssystem mit großem Krach auseinander. Der Schaden wäre nicht mehr einzugrenzen.
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Wehnelts Trilogie zur Wirtschaftsgeschichte Frankfurts:
10 Jahre Euro – Wie er wurde, was er ist
Hoechst – Untergang des deutschen Weltkonzerns
Die Wucht am Main / Geschichte des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten
Der PreußenClan (Familiensaga)

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