Sparkassen, Sponsor, documenta:
ein harmonischer Dreiklang

Parthenon der Bücher – eindrucksvollstes Schaustück der diesjährigen documenta in Kassel – Foto: MK
Kassel (5.9.2017)/PK – Was eint die documenta in Kassel und die Sparkassen? Nun, beide sind vor Jahrzehnten eine Symbiose eingegangen, die bis heute währt. „Dass so eine renommierte und stark beachtete Kunstausstellung (von Weltrang) im nordhessischen Kassel und nicht in zentralen Hotspots wie Berlin, München oder Frankfurt stattfinden kann, ist nicht zuletzt der Kasseler Sparkasse….und der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe zu verdanken,“ schwärmte der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen – des SGVHT – Gerhard Grandke, am zurückliegenden Wochenende vor Journalisten in Kassel. Um im gleichen Atemzug die Sponsoren-Rolle der Sparkassen zu rühmen. Mittlerweile hätten die Sparkassen, so Grandke, zum fünften Mal in Folge die Rolle des Hauptsponsors der documenta eingenommen. —

Gerhard Grandke, geschäftsführeneder Präsident des SGVHT. Er verkörpert einen wichtigen Teil der deutschen Sparkassen und ist damit wichtiger, inzwischen sogar wichtigster Sponsor der weltberühmten documenta in Kassel – Foto:PK
Kassel sei kein Einzelfall. Denn auch die gerade zu Ende gegangenen Festspiele in Bad Hersfeld kämen in den Genuß von Sparkassen-Sponsoren-Geldern.
Die Sparkassen förderten aber nicht nur kulturelle Großereignisse wie die documenta in Kassel, sondern auch zahlreiche kleinere Initiativen und Veranstaltungen wie Musikschulen und Musikfestivals, Ausstellungen und Orchester. „Dieser flächendeckende Ansatz bei unserem gesellschaftlichen Engagement ergibt sich aus den Wesentsmerkmalen, die die Sparkassen seit jeher ausmachen,“ erklärte Grandke und wies bei dieser Gelegenheit auf die sparkassentypische DNA hin: „Das gemeinwohlorientierte Engagement liegt den Sparkassen in den Genen.“
Aber auch Sparkassen, deren Kultur-Sponsoring nach Grandkes Worten genetisch verankert ist und die auf diese Weise gelegentlich auf Wolke Sieben schweben, auch Sparkassen, brauchen Bodenhaftung. Denn auch oder gerade sie sehen sich in ihrem Business-Alltag seit langem den Folgen der Niedrig- und Negativ-Zinsen ausgesetzt.
Um die daraus und aus der Kreditvergabe resultierenden Risiken abzufedern und einzudämmen, kennt Gerhard Grandke nur ein wirksames und bewährtes Rezept. Und das heißt: das Eigenkapital stärken. Folglich rät er mantraartig allen Sparkassen-Vorständen in Hessen und Thüringen „Zu Thesaurieren, Thesaurieren, Thesaurieren.“ — Dieser Rat ist keineswegs neu, geschweige denn besonders genial. Aber er wirkt und hilft.
Die vorlegte Halbjahresbilanz lautet daher: Trotz Niedrig- und Negativzinsen haben sich die 49 Mitgliedshäuser des SGVHT auch in diesem Jahr – bislang – recht wacker geschlagen. Mit dem Kundengeschäft seien sie sogar sehr zufrieden, zwischenbilanzierte Gerhard Grandke. „In den ersten sechs Monaten ist das Kreditvolumen unserer Sparkassen erneut deutlich gewachsen. Gleichzeitig sind die Einlagen- bestände praktisch stabil geblieben. Das Betriebsergebnis wird zwar niedriger als im Vorjahr liegen. Es wird aber weite rhin auskömmlich sein.“
Bilanzsumme wächst leicht
Die Bilanzsumme der 49 Mitgliedsinstitute ist zum 30. Juni 2017 um 305 Mio. € bzw. 0,3% auf 118,8 Mrd. € gestiegen. Auf der Aktivseite fungierte das Kundenkreditgeschäft einmal mehr als Wachstumstreiber. Dagegen haben die Sparkassen ihre Wertpapiereigenanlagen und das Kreditvolumen im Interbankengeschäft reduzi ert. Auf der Passivseite blieben die Verbindlichkeiten im Kundengeschäft annähernd stabil.
Im ersten Halbjahr 2017 hat das Kundenkreditgeschäft der Sparkassen erneut deutlich zugelegt. Die Ausleihungen an Kunde n sind insgesamt um 1,1 Mrd. € bzw. 1,6% auf 72,2 Mrd. € gewachsen. „Bezogen auf die Halbjahresergebnisse ist das Kreditgeschäft unserer Sparkassen jetzt schon das zehnte Jahr in Folge gestiegen. Sparkassen stehen für Erreichbarkeit und Nähe, für Verlässlichkeit und Vertrauen. Das kontinuierliche Wachstum im Kreditgeschäft zeigt, dass wir mit diesem auf Nachhaltigkeit abzielenden Geschäftsmodell Erfolg haben“, unterstrich Grandke.
Während die Ausleihungen der Sparkassen an die öffentlichen Haushalte im ersten Halbjahr 2017 um 118 Mio. € bzw. 1,9% auf 6,1 Mrd. € zurückgingen, konnten die Institute ihr Kreditgeschäft mit Privatpersonen um 170 Mio. € bzw. 0,5% auf 31,1 Mrd . € ausbauen. Dieses Plus war einmal mehr den Baufinanzierungen geschuldet, bei denen die Bestände um 247 Mio. € bzw. 0,9% höher ausfielen als zu Jahresbeginn. „Dieses Bestandswachstum zeigt, dass sich unsere Sparkassen gut und schnell auf die verschärften Informations-, Prüfungs- und Dokumentationspflichten der im März 2016 eingeführten Wohnimmobilienkreditrichtlinie eingestellt haben“, freute sich Grandke.
Den größten Zuwachs verbuchte im ersten Halbjahr 2017 das Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbständigen. In diesem Segment konnten die Sparkassen im Verbandsgebiet ihre Ausleihungen um rund 1,1 Mrd. € bzw. 3,4% auf 33,0 Mrd. € steigern. Der Zuwachs fiel damit doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum aus. Neukreditgeschäft weiterhin auf sehr hohem Niveau Auch das Neukreditgeschäft präsentierte sich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 erfreulich stark. Die Darlehensauszahlungen stiegen seit Jahresbeginn über alle Kundensegmente hinweg um 0,2% auf 5,6 Mrd. €. Die Darlehenszusagen lagen zwar mit knapp 6,2 Mrd. € insgesamt um 0,3% unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Damals hatten sie aber auch einen neuen Höchstwert erreicht. Wachstumsimpulse gingen insbesondere von den Darlehenszusagen an Firmenkunden aus, die mit 9,5% fast zweistellig zulegten.
Stabiles Einlagengeschäft
Das Einlagengeschäft der Sparkassen zeichnete sich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 durch Stabilität aus.So lagen die Kundenverbindlichkeiten mit93,4Mrd. € nur unwesentlich niedriger als zu Jahresbeginn (-340 Mio. € bzw. -0,4%). Am Trend zur kurzfristigen Anlage hat sich dabei nichts geändert. Während die Täglich fälligen Gelder seit Jahresbeginn um 0,5% zulegten und inzwischen einen Strukturanteil von 69% der Einlagen ausmachen, sind die Eigenemissionen um 7,0%, die Termingelder um 6,6% und die Spareinlagen um 1,5% zurückgegangen.
Offensichtlich nutzten Kunden die Höchststände des DAX und anderer Börsenindizes für Gewinnmitnahmen. Gleichzeitig gingen die Wertpapierkäufe der Sparkassenkunden leicht um 1,6% zurück. Als Saldo von Käufen und Verkäufen fiel der Nettoabsatz im ersten Halbjahr 2017 gleichwohl positiv aus. Mit 551 Mio. € lag er allerdings wegen der höheren Verkäufe nur noch etwa halb so hoch wie im Vorjahr.
Sparkassen stocken Eigenmittel weiter auf
Die Sparkassen in Hessen und Thüringen haben ihr Eigenkapital weiter aufgestockt. Die Eigenmittel stiegen bis Ende Juni 2017 um 4,6% auf 12,1 Mrd. €. Die Kernkapitalquote verbesserte sich von 18,2% auf 18,9%. „Unsere Sparkassen sind grundsolide kapitalisiert. Sie dürfen sich aber nicht auf ihrem Kapitalkissen ausruhen. Seit der Finanzkrise brauchen Kreditinstitute deutlich mehr Eigenmittel als früher. Basel III ist hier zu nennen, aber auch der SREP-Zuschlag, den die Aufsicht jedem Institut individuell zumisst, um unter anderem dem Zinsänderungsrisiko im Null- bzw. Negativzinsumfeld Rechnung zu tragen.
Kapitalanforderungen können sich schnell ändern. Da wird dann die komfortable Kapitalausstattung von heute rasch die unzureichende von morgen. Deshalb sind Sparkassen gut beraten, ihre Kapitalbasis nicht auf Kante zu nähen“, hob Grandke hervor.

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