Marktmeinung aus Stuttgart: Das Wahl-Füllhorn

 

Stuttgart (13.9.17) – Wenn man sich den Endspurt des Wahlkampfes zur Bundestagswahl anschaut, müsste es dem Betrachter eigentlich jeden Tag besser gehen. Die Parteien überbieten sich mit wohltuenden Geschenkversprechen in Form von Steuererleichterungen, kostenloser Kita-Nutzung, Förderung zum Erwerb von Wohnraum oder sonstigen Wohltaten, welche die Parteien für den Wähler in petto haben.

Selbstverständlich beteuern alle Parteienvertreter auch

noch nach einem tiefen Blick in die ehrlich dreinschauenden Augen,

dass diese Versprechen auch umgesetzt werden, falls sie gewählt

werden. Und dies kann man diesmal sogar glauben, da aufgrund der

sehr guten Wirtschaftsentwicklung relativ viel Potential vorhanden ist,

um diese Wahlversprechen zu erfüllen. Zumindest während des

Beginns der Legislaturperiode, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse

diese Vorhaben noch tragen.

Die Bundesbürger haben diese Wohltaten aus dem Parteien-Füllhorn

auch nötig, denn an den überaus positiven Entwicklungen an den

Aktienmärkten partizipieren die wenigsten. Zwar blickt nach dem

jüngsten Anlegerbarometer der Union-Investment eine Mehrheit der

Befragten optimistisch in die Zukunft und sieht auch die Konjunktur,

angefeuert von einer gewinnbringenden Globalisierung, positiv.

Den Gedankensprung allerdings, dann auch vermehrt in Investments

zu investieren, die von einer solchen Entwicklung profitieren (z.B.

Aktien), leistet so gut wie kein Anleger.

Derweil erreichen US-amerikanische Aktienmärkte neue

Rekordhochs, der deutsche Leitindex steigt bereits wieder den

sechsten Tag in Folge und Profi- wie Privatinvestoren fragen sich

immer noch, was sie mit ihrem un- bzw. negativverzinsten

Anlagekapital tun sollen. Einzig Milliardär möchte man nicht sein,

denn für diese Kaste scheint keine Partei etwas übrig zu haben,

außer evtl. Steuererhöhungen. Aber die Milliarden sind in der Regel

auch in Produktivkapital investiert, was in den letzten Jahren zu

ansehnlichen Vermögenszuwächsen geführt hat. Was wiederum

beweist, dass es durchaus sinnvoll sein kann, Teile des Vermögens

in Risikokapital zu investieren. Man darf gespannt sein, wann dieser

Gedanke Einzug in die Altersvorsorge der Bundesbürger hält. – Von Michael Beck