Lazard Frèrs Gestion: Chef-Wirtschaftsstratege Julien-Pierre Nouen kommentiert das Ergebnis der heutigen EZB-Ratssitzung

 

Frankfurt/Main (26.10.17) – „Wie erwartet hat Mario Draghi angekündigt, dass die EZB einen weiteren Schritt in Richtung Normalisierung ihrer Geldpolitik gehen wird. Beginnend im Januar 2018 bis September 2018, und gegebenenfalls darüber hinaus, sofern nötig, wird sie pro Monat Staatsanleihen im Wert von 30 Milliarden Euro ankaufen. Bislang beträgt der Ankaufswert 60 Milliarden Euro pro Monat. Diese Ankündigung liegt im Großen und Ganzen im Rahmen der Markterwartung. Eine heftige Reaktion der Märkte scheint deshalb relativ unwahrscheinlich. Da für die Politik des Quantative Easings der Bestand an angekauften Werten wichtiger ist als die einzelnen Zuflüsse, wird die Geldpolitik weiterhin gelockert bleiben. Wir erwarten, dass eine vorsichtige Rückkehr zur Normalität nicht zu einer hohen Volatilität an den Märkten führen wird.

 

Mario Draghi hat noch einmal betont, dass die EZB ihren vorsichtigen Kurs in der Geldpolitik beibehalten will, und dass die kurzfristigen Zinsen erst deutlich später nach einem Stopp der Anleihenankäufe durch die EZB steigen werden. Die Zentralbank will dadurch eine ungewollte Verschärfung der finanziellen Großwetterlage vermeiden, wie zum Beispiel einen erneuten starken Anstieg des Euro-Kurses oder ein zu schnelles Ansteigen der langfristigen Zinsen. Sobald diese beiden Ereignisse bevorstünden, würde die EZB durch geldpolitische Andeutungen gegensteuern oder die Parameter ihrer Ankaufspolitik nachjustieren. Möglicherweise würde sie sogar so weit gehen, die Dauer des Ankaufsprogramms auszuweiten. Anders jedoch, wenn die Inflation in den nächsten Monaten stark steigen sollte. Dann würden die Falken in der EZB versuchen, den Normalisierungsprozess zu beschleunigen. Dessen ungeachtet: Eine sehr behutsame Geldpolitik und eine ausgeweitete Erholung schaffen ein positives Umfeld für risikoreichere Anlagen.“