Verlagerung des Euro-Clearings in die EU würde Kosten für Fondsbranche erheblich reduzieren

 

Frankfurt/Main (25.11.17) – Zinsderivate sind ein wichtiger Bestandteil im Risikomanagement von Fonds. Angesichts des drohenden Brexits fordert der deutsche Fondsverband BVI daher eine Verlagerung des Clearings der auf Euro lautenden Zinsswaps in die EU27. Das ist nicht nur aufsichts-rechtlich geboten: unter dem Strich würde eine Verlagerung, etwa an die Eurex Clearing AG, Fondsgesellschaften sogar erheblich weniger kosten. Die Ersparnis könnte bis zu 30 Prozent betragen.

Dies ist das Ergebnis einer Studie von Union Investment. Darin werden

anhand von Portfolioanalysen die Auswirkungen einer Verlagerung des

Euro-Clearings in die EU27 analysiert. Gemäß der Studie entstehen die

Kostenvorteile vor allem aus den Verrechnungseffekten verschiedener

Assetklassen und den rentierlicheren Besicherungsmöglichkeiten.

Damit liegen erstmals ökonomische Hochrechnungen für eine potentielle

Verlagerung des EU-Clearings aus der Sicht eines bedeutenden europäischen

Asset Managers vor. „Aus Sicht der Fondsbranche liegen die Vorteile

eines Euro-Clearings innerhalb der EU auf der Hand: reduzierte Kosten,

höherer Anlegerschutz und mehr Finanzstabilität“, kommentiert Thomas

Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI.

„Wenn es gelingt, das Euro-Clearing an den internationalen Finanzplatz

Frankfurt zu holen, profitieren von den zu erwartenden Kosteneinsparungen

auch die deutschen Fondsanleger“, ergänzt Jens Wilhelm, Kapitalmarktvorstand

bei Union Investment.

Frankfurt ist der Hauptstandort für die Fondsbranche in Deutschland:

knapp 60 Prozent der verwalteten Assets werden in Frankfurt gemanagt.

Eine Verlagerung wäre problemlos möglich: So sind etwa bei der Eurex

Clearing bereits heute alle rechtlichen und technischen Voraussetzungen

für ein Euro-Clearing gegeben. Außerdem würde dann sowohl das Clearing

als auch die Besicherung von OTC-gehandelten und börsennotierten

Derivaten innerhalb des erforderlichen EU-Rahmens stattfinden.

Zum Hintergrund: Rund 90 Prozent der auf Euro lautenden Zinsswaps

werden derzeit über das Clearinghaus LCH in London verrechnet. Im Zuge

des Brexits wäre es aber nicht mehr unter der EU-Aufsicht. Eine effektive

Überwachung lässt sich aber nur über den direkten Zugriff für EUAufsichtsbehörden

und nur innerhalb der EU sicherstellen.