Ernst & Young: Deutsche Autokonzerne bleiben in China auf Rekordjagd
Frankfurt/Main (29.1.18) – Vor allem dank des chinesischen Absatzmarkts konnten die deutschen Autokonzerne ihren Gesamtabsatz im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordniveau steigern: Weltweit legten ihre Pkw-Verkäufe um knapp fünf Prozent auf 15,4 Millionen Fahrzeuge zu. In China stiegen die Verkäufe sogar um acht Prozent auf insgesamt 5,4 Millionen Pkw.
Außerhalb Chinas ging es allerdings nur um drei Prozent aufwärts. Entsprechend wächst ist die Bedeutung Chinas für die deutsche Autoindustrie immer weiter: 34,9 Prozent des weltweiten Pkw-Absatzes von Volkswagen, BMW und Daimler entfallen auf China. Ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 33,9 Prozent, vor fünf Jahren bei 27,0 Prozent.
Vor allem beim Volkswagenkonzern hängt viel von China ab: Vier von zehn weltweit verkauften Autos werden an chinesische Kunden ausgeliefert (Vorjahr: 39 Prozent). Bei Daimler kletterte der Anteil von 22 auf 25 Prozent, bei BMW von 22 auf 24 Prozent.
Seit dem Jahr 2009 konnten die deutschen Autokonzerne ihren Absatz in China mehr als verdreifachen: von 1,6 auf 5,4 Millionen Pkw. Im gleichen Zeitraum stieg der Absatz der drei Unternehmen außerhalb Chinas gerade einmal um 41 Prozent.
Das sind Ergebnisse einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY, für die die weltweiten Pkw-Verkäufe der Automobilkonzerne analysiert wurden (Volkswagen: alle Verkäufe ohne MAN und Scania; Daimler: Mercedes-Benz Cars).
„Im vergangenen Jahr liefen staatliche Steuergeschenke für kleinere Modelle aus, die im Vorjahr noch für einen künstlichen Boom in China gesorgt hatten. Entsprechend schaltete der chinesische Absatzmarkt 2017 mehrere Gänge zurück – das Wachstum sank von 18 auf zwei Prozent“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Die deutschen Konzerne konnten sich dem Negativtrend weitgehend entziehen. Ihre Wachstumsrate sank zwar von 13 auf acht Prozent. Damit schnitten sie aber deutlich besser ab als der Gesamtmarkt und konnten jeweils Marktanteile gewinnen.“ Am stärksten legte Daimler mit einem Plus von 24 Prozent zu, BMW konnte die Verkäufe um 15 Prozent steigern, Volkswagen um fünf Prozent. In Summe stieg der gemeinsame Marktanteil von 21,1 auf 22,3 Prozent.
Für das Jahr 2018 ist Fuß optimistisch: „Zwar sind die Zeiten des ungebremsten Wachstums in China vorbei, und der Markt normalisiert sich. Aber ein Wachstum von drei bis vier Prozent sollte möglich sein – und die deutschen Autokonzerne sind sehr gut positioniert, um auch in diesem Jahr stärker zuzulegen als der Gesamtmarkt.“
Das Absatzpotenzial in China ist noch lange nicht ausgereizt, betont Fuß: „Noch immer besitzen verhältnismäßig wenige Chinesen ein Auto – auch im Vergleich zu anderen Schwellenländern. Und die kaufkräftige Mittelschicht wird immer größer.“ Im vergangenen Jahr ist die Motorisierungsrate – also die Zahl der Pkw je 100 Einwohner – in China nach EY-Berechnungen von 11,4 auf 13,0 gestiegen. Zum Vergleich: In Deutschland lag sie Ende 2017 bei 55,5 – also mehr als viermal so hoch. Im Zuge eines rasanten Aufholprozesses hat China im vergangenen Jahr seine Position als wichtigster Automarkt der Welt weiter ausgebaut. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Anteil Chinas am weltweiten Neuwagenmarkt mehr als verdreifacht – von elf auf aktuell 34 Prozent. Im gleichen Zeitraum ging der Marktanteil Europas von 34 auf 22 Prozent zurück.
Herausforderungen in China steigen: Die Elektroquote setzt Hersteller unter Druck
Zwar spricht also vieles für ein Anziehen des Marktwachstums in China in diesem Jahr, von dem dann auch die deutschen Autobauer profitieren dürften – andererseits stehen die Autokonzerne gerade in China vor erheblichen Herausforderungen: „In China steht die Elektromobilität vor dem Durchbruch – angetrieben von strengen staatlichen Vorgaben. Ab 2019 gilt eine Zehn-Prozent-Quote für Elektroautos, von deren Erfüllung die deutschen Autokonzerne derzeit noch weit entfernt sind.“ Dafür müssen die Autokonzerne ihr Angebot an erschwinglichen Hybrid- bzw. reinen Elektroautos deutlich ausbauen und die Verkäufe massiv steigern, so Fuß. „Ab dem Jahr 2019 werden in China in großem Stil Elektroautos verkauft werden – und die deutschen Hersteller werden alles daran setzen müssen, diesen Zug nicht zu verpassen, auch wenn dazu Milliarden-Investitionen nötig sind.“ So hat Volkswagen angekündigt, bis 2025 in China insgesamt zehn Milliarden Euro in die Entwicklung von 40 Elektro-Modellen zu investieren. Von den beiden anderen deutschen Konzernen sind ähnlich ambitionierte Pläne bekannt geworden. Dennoch werde die Erfüllung der Quote ein Kraftakt werden, erwartet Fuß.
Andererseits sei es gerade für die deutschen Konzerne wichtig, in diesem Markt eine starke Position zu behaupten, betont Fuß: „China entwickelt sich derzeit zum Leitmarkt für Elektromobilität und wird in den kommenden Jahren seine führende Position noch ausbauen. Hier werden die Spielregeln neu geschrieben und Marktanteile vergeben – während es in Europa weiter an der Ladeinfrastruktur, dem politischen Willen und einheitlichen Anreizen mangelt und von den USA unter der derzeitigen Regierung kaum Impulse zu erwarten sind.“

Stay In Touch