Berenberg: Einschätzung der gegenwärtigen Weltwirtschaftslage

Frankfurt/Main (5.3.18) – Italien hat gewählt, die SPD-Mitglieder haben über die Große Koalition (GroKo) abgestimmt, Donald Trump hat die Rhetorik gegenüber Europa in Handelsfragen verschärft. Eine kurze Einschätzung zu den Marktauswirkungen von Dr. Bernd Meyer, Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg:

„Während durch das Ja zur GroKo in Deutschland ein Risiko aus den Märkten verschwunden ist, rücken mit dem unklaren Wahlergebnis in Italien und der verschärften Handelsrhetorik von Donald Trump zwei neue Unsicherheitsfaktoren in den Vordergrund. In Italien dürften die Koalitionsverhandlungen schwierig und langwierig werden, auch Neuwahlen sind nicht ausgeschlossen. Die von Donald Trumps angezettelte Zolldiskussion lastet auf dem Sentiment. Im Negativszenario anhaltender Unsicherheit drohen hier Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen – unabhängig, davon ob es wirklich zu gravierenden Handelsbeschränkungen zwischen den USA und dem Rest der Welt kommt oder nicht.“

 

„Die Volatilität sollte entsprechend hoch bleiben. Grundsätzlich sind die Fundamentaldaten aber weiterhin gut, das Wachstum ist solide und eine Überhitzung nicht in Sicht. Weniger positive Wachstumsüberraschungen dürften Inflationsbefürchtungen und Zinsängste wieder reduzieren. An den Aktienmärkten erwarten wir in den kommenden Wochen das Ende der Bodenbildung nach der Korrektur Anfang Februar. Europäische Aktien haben sich seit Jahresbeginn erheblich schwächer entwickelt als jene aus den USA und sollten den Abstand mittelfristig etwas reduzieren können.“

 

„Für den Euro erwarten wir kurzfristig keine ausgeprägte Stärke. Die Positionierung vieler Marktteilnehmer für einen steigenden Euro ist derzeit stark ausgeprägt, einige dürften nach dem GroKo-Votum und angesichts der Hängepartie in Italien Gewinne mitnehmen. Der Fokus dürfte sich nun auf die amerikanischen Arbeitsmarktzahlen am Freitag und das Meeting der Fed vom 20. bis zum 21. März richten.“

Von Dr. Bernd Meyer, Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg