Rabobank erwartet 2018 weiter hohe Kakaopreise
Frankfurt/Main (28.3.18) – Die auf den Agrar- und Lebensmittelsektor spezialisierte Rabobank prognostiziert für 2018 weiterhin hohe Kakaopreise. Zum einen treibt die Aussicht auf eine geringe Kakaoernte in Westafrika die Preise. Zum anderen erwartet die Rabobank, dass die im Januar ermittelten niedrigen Lagerbestände in Europa ebenso wie eine im Jahresverlauf zunehmende Nachfrage die Preisentwicklung beflügeln werden. Der Preis für eine Tonne Kakaobohnen an der Börse ist bereits seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel auf über 2.600 Dollar pro Tonne gestiegen.
Nach Aussagen der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO) im Januar hat es entgegen früheren Schätzungen einen deutlichen Rückgang der Kakaobestände in den europäischen Lagerhäusern gegeben. Die Rabobank erwartet, dass sich auch die Nachfrage 2018 weiter erhöht. Mit Blick auf die Schokoladenhochsaison zum Osterfest, in der nach Branchenangaben rund 200 Millionen Schokohasen verkauft werden, dürften sich die gestiegenen Kakaopreise jedoch nicht gänzlich auf die Schokoladenpreise übertragen. Laut der Rabobank ist der Rohstofftrend nur ein Faktor von vielen für die Preisbildung.
Weniger Kakao in den Lagerhäusern als vermutet.
Am Kakaomarkt gab es jüngst eine überraschende Wendung: Die jährliche Bestandsaufnahme in den europäischen Lagerhäusern durch die ICCO, hatte per Ende September 2017 einen Rückgang um 51.000 Tonnen gegenüber dem Vorjahr ermittelt. Das Ergebnis steht im krassen Gegensatz zur letzten ICCO-Schätzung, die in der Saison 2016/17 einen Überschuss von 335.000 Tonnen vorhergesagt hatte. „Angesichts von Marktfaktoren wie der Zunahme der US-Lagerbestände um 106.000 auf 291.000 Tonnen hatte es bis dato keine Indizien für einen Einbruch gegeben“, erläutert Finanzanalyst Stefan Vogel, Global Strategist Grains & Oilseeds sowie Head of Agri Commodity Markets Research bei der Rabobank in London.
Wohin ist der Kakao verschwunden?
Die Differenz zur ICCO-Prognose ist erst einmal verblüffend, doch gibt es Erklärungsansätze, wo die „fehlenden“ Kakaobohnen zu finden sein könnten. So stiegen die Bestände in der Elfenbeinküste gemäß offiziellen Zahlen um 60.000 Tonnen an. Ein gewisser Lageraufbau dürfte auch in Asien stattgefunden haben. Mehr Bohnen als gewöhnlich könnten sich im Transit von Europa in die USA und mehr noch nach Asien befinden. „Insgesamt könnte sich der internationale Bestand nur um maximal 200.000 Tonnen Kakao erhöht haben“, analysiert Vogel vor diesem Hintergrund den Trend. „Nicht alle Bewegungen spiegeln sich in den Messungen wider. Zudem sind Bestände nicht immer frei für den Markt verfügbar, was insbesondere für Bohnen im Transit gilt.“
Steigende Nachfrage im vierten Quartal erwartet.
Der unerwartete Rückgang der Bestände in Europa war und bleibt für New Yorker und Londoner Notierungen an den Warenterminbörsen ein positives Signal. „Genau entgegengesetzt zu der Situation in 2017, als die Bestände in Europa überraschend hoch waren“, berichtet Vogel. Im vergangenen Jahr war daraufhin der Marktwert in den drei Wochen nach der Veröffentlichung der ICCO-Ergebnisse um fast 15 Prozent gefallen. „Im laufenden Jahr erwarten wir umgekehrt einen weiterhin hohen Kurs an den Börsen.“ Fazit des Rabobank Experten: So günstig wie zu Jahresbeginn wird Kakao und daher wohl auch der Genuss von Schokolade wohl weder zu Ostern noch im weiteren Jahresverlauf mehr sein.

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