Creditreform: Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2018 – Geschäftserwartungen erreichen Rekordniveau

Neuss (16.4.18) – Der deutsche Mittelstand boomt. Das zeigt eine Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung. Danach bezeichneten die befragten mittelständischen Unternehmen mehrheitlich ihre Geschäftslage als sehr gut oder gut. Der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK), der die Lage und Erwartungen der Unternehmen zusammenfasst, erreicht mit plus 28,1 Punkten (Vorjahr: plus 21,8 Punkte) den höchsten Stand seit dem Jahr 2011. Die Geschäftserwartungen des Mittelstandes liegen gar auf Rekordniveau.

Gut 1.100 Unternehmen mit maximal 500 Beschäftigten

wurden befragt.

Noch einmal zugelegt haben die Auftragseingänge. Ein

Drittel der Unternehmen (32,9 Prozent; Vorjahr: 30,2 Prozent)

meldete einen Anstieg des Auftragsbestandes, 11,8

Prozent (Vorjahr: 17,3 Prozent) eine Verringerung. Entsprechend

positiv entwickelten sich die Umsätze in den

vergangenen sechs Monaten. Knapp jedes dritte Unternehmen

(31,9 Prozent) verbuchte einen Umsatzanstieg.

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Einbußen gab es nur bei wenigen Unternehmen (15,2 Prozent).

Die Umsatzlage wird von den Unternehmen des Mittelstandes

damit nochmals besser bewertet als im Vorjahr

(gestiegener Umsatz: 28,1 Prozent; gesunkener Umsatz:

19,9 Prozent) – das gilt vor allem für das Baugewerbe.

Aufgrund der guten Auftragslage und knapper werdenden

Kapazitäten haben auch die Angebotspreise weiter angezogen

(gestiegene Angebotspreise: 34,8 Prozent; Vorjahr:

27,3 Prozent). Zudem hatten die Unternehmen höhere

Kosten, beispielsweise für Personal.

Beste Umsatzprognose seit mehr als 20 Jahren

Eine konjunkturelle Eintrübung sehen die Mittelständler in

den nächsten Monaten nicht. 41,3 Prozent der Befragten

rechnen mit steigenden Aufträgen (Vorjahr: 38,4 Prozent).

Pessimistisch sind in dieser Hinsicht lediglich 3,1 Prozent

der Befragten (Vorjahr: 5,2 Prozent). Zurückhaltender als

im Vorjahr äußerte sich aber das Baugewerbe (gestiegene

Aufträge: 35,8 Prozent; Vorjahr: 43,6 Prozent). Sehr positiv

sind auch die Umsatzerwartungen des Mittelstandes ausgefallen.

Nahezu jedes zweite Unternehmen (45,1 Prozent;

Vorjahr: 42,8 Prozent) rechnet mit einem Umsatzplus im

weiteren Jahresverlauf. Das ist der höchste Wert seit Mitte

der 90er Jahre. Dienstleistungsgewerbe und Verarbeitendes

Gewerbe sind derzeit am optimistischsten. Die Kunden

des Mittelstandes werden sich auf steigende Preise einstellen

müssen.

Investitionen und Fachkräfte hoch im Kurs

Die Investitionsbereitschaft im Mittelstand ist auf ein 10-

Jahres-Hoch gestiegen. 58,8 Prozent der Befragten planen

ein Investitionsvorhaben (Vorjahr: 56,3 Prozent). Dabei

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stehen stärker als im Vorjahr Erweiterungsinvestitionen auf

der Agenda (56,4 Prozent; Vorjahr: 54,5 Prozent). Investitionsfreudig

zeigt sich insbesondere das Verarbeitende

Gewerbe (65,5 Prozent).

Der Mittelstand hat sein Personal weiter aufgestockt. 27,2

Prozent der Unternehmen beschäftigen mehr Mitarbeiter

als vor sechs Monaten (Vorjahr: 25,2 Prozent). Personalabbau

gab es bei jedem zehnten Unternehmen (9,8 Prozent;

Vorjahr: 10,3 Prozent). Auch in den kommenden Monaten

planen die mittelständischen Firmen weitere Personalaufstockungen.

Knapp jeder dritte Befragte (31,8 Prozent;

Vorjahr: 29,5 Prozent) will die Zahl der Mitarbeiter

erhöhen. Wie im Vorjahr planen nur 5,0 Prozent der Befragten

Stellenstreichungen. Dabei dürften auf den Mittelstand

höhere Anstrengungen und Kosten bei der Personalgewinnung

zukommen.

Unterschiede bei den Eigenkapitalquoten

Die Eigenkapitalquoten im Mittelstand verbesserten sich

zuletzt. Nunmehr weisen 30,6 Prozent der Befragten eine

hohe Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent auf (Vorjahr:

29,3 Prozent). Als eigenkapitalschwach (unter zehn

Prozent Eigenkapitalquote) gelten 30,5 Prozent der Befragten.

Aber auch das war ein höherer Anteil als im Vorjahr

(29,8 Prozent). Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil

eigenkapitalschwacher Unternehmen aber nach wie vor im

Baugewerbe (39,3 Prozent).

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Zahlungsausfälle bleiben ein Thema

Längere Forderungslaufzeiten als 30 Tage sind im Mittelstand

kaum noch üblich. Allerdings erklärte weiterhin die

Mehrzahl der befragten Unternehmen, von Zahlungsausfällen

betroffen gewesen zu sein – nur 21,9 Prozent der

Befragten hatten keinerlei Zahlungsausfälle (Vorjahr: 22,9

Prozent). Bei knapp einem Zehntel der Unternehmen (9,4

Prozent; Vorjahr: 8,7 Prozent) überstiegen die Forderungsausfälle

1,0 Prozent des Jahresumsatzes. Meist waren

die Verluste aber geringer.

Eine Bilanzauswertung von rund 5.800 mittelständischen

Unternehmen zeigt, dass Bankverbindlichkeiten im deutschen

Mittelstand einen Großteil (52,7 Prozent) der gesamten

Verbindlichkeiten ausmachen. 15,8 Prozent sind

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Dabei

hat die Bedeutung des Bankkredits als Finanzierungsquelle

für den Mittelstand in den letzten Jahren aber abgenommen.

Knapp ein Drittel (31,6 Prozent) sind sonstige

Verbindlichkeiten – beispielsweise gegenüber Gesellschaftern.

Anders als bei Großunternehmen hat sich die Schuldenhöhe

im Mittelstand in den letzten Jahren vergleichsweise

wenig erhöht.