Ernst & Young: Aufschwung auf dem deutschen Neuwagenmarkt hält an – Negativtrend beim Diesel gebremst
Stuttgart (3.5.18) – Peter Fuß, Partner bei EY: „Es geht weiter aufwärts auf dem deutschen Neuwagenmarkt. Nicht zuletzt dank zweier zusätzlicher Verkaufstage stiegen die Neuzulassungen in Deutschland kräftig um acht Prozent“. Mit gut 314.000 verkauften Neuwagen lag der Absatz im April auf dem zweithöchsten Stand seit dem Abwrackprämienjahr 2009.“ Während die Neuzulassungen von Benzin-Modellen sogar um 19 Prozent zulegten, ging der Verkauf von Diesel-Modellen erneut zurück: um 13 Prozent. Der Anteil von Selbstzündern am gesamten Neuwagenmarkt sank um 7,9 Prozent von 41,3 auf 33,4 Prozent.
„Der Absatz von Dieselneuwagen ist nach wie vor erheblich unter Druck“, beobachtet Fuß. „Die Diskussionen der vergangenen Monate über Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge und über Wertverluste bei gebrauchten Diesel-Pkw hat zu einer massiven Verunsicherung der Kunden geführt, die nun auf Nummer sicher gehen und sich für Benziner entscheiden.“
Diese Entwicklung sei sowohl für den Klimaschutz als auch für die Autoindustrie gefährlich, so Fuß: „Der Rückgang bei den Diesel-Verkäufen sorgt dafür, dass der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte wieder steigt – statt zu sinken. Im März lag er 0,8 Prozent höher als im Vorjahresmonat, im April übertrag er den Vorjahresmonat sogar um 1,6 Prozent.“ Damit würden hohe Strafzahlungen immer wahrscheinlicher, denn bis 2021 sollen die CO2-Emissionen der Pkw-Neuwagenflotte in der EU im Schnitt auf 95 Gramm je Kilometer sinken – für jedes zusätzlich ausgestoßene Gramm fallen Strafen an.
Immerhin scheint der Abwärtstrend beim Diesel-Marktanteil vorerst gestoppt zu sein, beobachtet Fuß: „Im Januar hatte der Dieselmarktanteil noch um 12 Prozentpunkte unter dem Vorjahresmonat gelegen – seitdem gehen die Marktanteilsverluste stetig zurück. Und erstmals seit Juli 2017 lag der Dieselmarktanteil etwas höher als im Vormonat. Fuß rechnet damit, dass der Marktanteil von Selbstzündern sich auf dem aktuellen Niveau einpendeln wird – also in den kommenden Monaten etwa bei einem Drittel liegen wird. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 war noch knapp jeder zweite verkaufte Neuwagen in Deutschland ein Diesel. „Die aktuellen Diesel-Modelle der Euro-6d-Norm sind sauber und zukunftssicher. Es ist aus industriepolitischen wie auch aus Umweltschutzgründen geboten, den Diesel zumindest als Übergangstechnologie zu erhalten. Insofern sind auch die aktuellen Bemühungen der Industrie, die Dieseltechnologie weiterzuentwickeln und noch sauberere Motoren auf den Markt zu bringen, sehr wichtig.“
Umstiegsprämien treiben Privatkäufer in die Autohäuser
Für die anhaltend positive Entwicklung des deutschen Neuwagenmarkts sieht Fuß mehrere Gründe: „Die Konjunktur brummt weiter, die Beschäftigung erreicht immer neue Rekordmarken und die Finanzierungsbedingungen sind nach wie vor hervorragend. Zudem treiben die Umstiegs- oder Diesel-Prämien vieler Hersteller das Wachstum noch zusätzlich an.“ Wie groß die Bedeutung dieser Prämien, die sich an Privatpersonen richten, für den Markt derzeit sind, zeigt sich an der sehr positiven Entwicklung der Neuzulassungen auf Privatpersonen, die im April um 19 Prozent und im bisherigen Jahresverlauf sogar um 17 Prozent stiegen. Demgegenüber stiegen die Neuzulassungen auf gewerbliche Käufer im April nur um zwei Prozent – seit Jahresbeginn gingen die gewerblichen Neuzulassungen sogar um ein Prozent zurück.
„In einem ohnehin guten Marktumfeld geben die Umstiegsprämien der Hersteller für alte Diesel-Pkw noch zusätzlichen Schub“, stellt Fuß fest. „Wenn aber diese Aktionen zur Jahresmitte auslaufen, dürften wir eine spürbare Delle auf dem deutschen Neuwagenmarkt sehen“, so Fuß. Er rechnet für das Gesamtjahr mit einem Absatz leicht über dem Vorjahresniveau.
Alternative Antriebe auf dem Vormarsch
Der Hauptgewinner der Diesel-Krise bleibt eindeutig der Benzin-Motor. Neuwagen mit alternativen Antrieben gewinnen zwar auch an Attraktivität, in absoluten Zahlen sind die Verkäufe aber nach wie vor überschaubar. Die Neuzulassungen von Hybrid-Modellen stiegen im April um 70 Prozent, bei reinen Elektroautos betrug das Plus sogar 124 Prozent. Der gemeinsame Marktanteil von Hybrid- und Elektro-Neuwagen stieg im Vergleich zum Vorjahr von 2,7 auf 4,5 Prozent.
Fuß rechnet mit einem weiterhin steigenden Marktanteil alternativer Antriebe in den kommenden Monaten und Jahren: „Aktuell herrscht gerade auf dem Markt für Elektroautos noch die Ruhe vor dem Sturm – die Wachstumsraten sind zwar hoch, die absoluten Verkaufszahlen sind aber noch bescheiden. Attraktive neue Modelle mit höherer Reichweite sind angekündigt und kommen im Lauf der kommenden zwei bis drei Jahre auf den Markt. Dann werden wir deutlich steigende Verkaufszahlen und höhere Marktanteile sehen.“ Im April lag der Anteil rein elektrisch betriebener Neuwagen nur bei 1,0 Prozent.

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