Ernst & Young: Volkswagen im ersten Quartal

Umsatz- und Absatzweltmeister – BMW mit der höchsten Marge

 

Frankfurt/Main (25.5.18) – Deutschlands Autokonzerne mussten aufgrund des starken Euros erhebliche Einbußen beim Umsatz- und Gewinnwachstum hinnehmen: Nur um 1,7 Prozent kletterte der Gesamtumsatz der drei deutschen Autobauer – alle 16 führenden Autokonzerne der Welt schaffen zusammen hingegen ein Plus von 2,9 Prozent.

In punkto Profitabilität waren die deutschen Autokonzerne im ersten Quartal dennoch erneut Weltspitze: BMW verteidigte mit einer Marge auf Konzernebene von 12,0 Prozent die Führungsposition, gefolgt von Suzuki (11,0 Prozent) und Daimler (8,4 Prozent).

 

Und mit einem Umsatz von 58,2 Milliarden Euro konnte der Volkswagenkonzern sein Position als umsatzstärkster – und mit 2,6 Millionen verkauften Pkw auch absatzstärkster – Autokonzern der Welt verteidigen – jeweils vor Toyota.

 

Beim Gewinn hatte hingegen Toyota mit einem EBIT von 4,7 Milliarden Euro die Nase vorn. Volkswagen (4,2 Milliarden Euro), Daimler (3,3 Milliarden Euro) und BMW (2,7 Milliarden Euro) folgen auf den weiteren Rängen.

 

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.

 

„Der Jahresauftakt geriet für die deutschen Autokonzerne auf den ersten Blick etwas holprig“, beobachtet Peter Fuß, Partner bei EY. „Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn wuchs die Konkurrenz insgesamt stärker. Allerdings war es vor allem der starke Euro, der zu erheblichen Umsatzeinbußen von insgesamt gut 4,5 Milliarden Euro führte – währungsbereinigt wuchsen die deutschen Konzerne um 5,5 Prozent. Dass die europäische Gemeinschaftswährung im laufenden zweiten Quartal wieder deutlich an Wert verloren hat, ist also eine gute Nachricht für die deutschen Autobauer. Hält diese Entwicklung an, dürften wir im zweiten Quartal wieder ein stärkeres Umsatzplus sehen.“

 

Insgesamt sei die operative Entwicklung der deutschen Autokonzerne absolut zufriedenstellend, so Fuß: „Gewinn und Margen liegen auf hohem Niveau, das Absatzwachstum zeigt, dass die Richtung stimmt.“

 

Im ersten Quartal konnten die drei deutschen Autokonzerne ihren weltweiten Absatz um sechs Prozent steigern, wobei sich einmal mehr China als wichtigster Wachstumsmotor erwies: Um 13 Prozent konnten die drei deutschen Konzerne im Reich der Mitte zulegen – der Gesamtmarkt wuchs nur um vier Prozent. Damit ist die Bedeutung Chinas für die deutsche Autoindustrie im ersten Quartal erneut gestiegen: 35 Prozent des weltweiten Pkw-Absatzes von Volkswagen, BMW und Daimler entfallen auf China. Im Jahr 2017 lag der Anteil bei 34 Prozent, vor fünf Jahren bei 30 Prozent.

 

Vor allem beim Volkswagenkonzern hängt viel von China ab: Fast vier von zehn weltweit verkauften Autos werden an chinesische Kunden ausgeliefert. Bei Daimler liegt der China-Anteil bei 27 Prozent, bei BMW sind es 25 Prozent.

 

Elektroquote in China wird zur Herausforderung

„In China können die deutschen Autokonzerne derzeit Marktanteile gewinnen und ihre Marktführerschaft im Premiumsegment ausbauen – trotz der wachsenden Konkurrenz durch immer selbstbewusstere einheimische Hersteller“, beobachtet Fuß. „Ausgerechnet hier steht allerdings für die deutschen Autokonzerne eine wichtige Bewährungsprobe bevor: Ab 2019 gilt in China eine 10-Prozent-Quote für Elektro- bzw. Hybridautos – wer die nicht erfüllt, muss Strafzahlungen leisten. Entsprechend wird China zum Startpunkt der Elektrooffensive der deutschen Autobauer: In den kommenden Jahren wird hier eine große Zahl an Plug-in-Hybriden und Elektrofahrzeugen auf den Markt kommen. Dann wird sich auch entscheiden, ob die Fahrzeuge von den Kunden in dem erhofften Maß angekommen werden.“

 

Für die Autokonzerne steht einiges auf dem Spiel – so haben die drei deutschen Autobauer in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 4,7 Milliarden Euro in neue Fabriken für Elektroautos und entsprechende Komponenten investiert.

In Europa werde der Durchbruch der Elektromobilität wohl etwas später erfolgen als in China, erwartet Fuß – die Bedeutung sei aber auf dem Heimatkontinent ebenso groß: „Gerade die deutschen Autobauer mit ihrer starken Positionierung im Premiumsegment und ihrem Anspruch, Technologie- und Innovationsführer zu sein, haben das Ziel fest im Auge, sich zu führenden Anbietern von Elektromobilität weiterzuentwickeln  – zumal ab 2020 ambitionierte EU-Vorgaben für die CO2-Emissionen der Hersteller gelten, die ohne einen deutlich höheren Elektroanteil kaum einzuhalten sind.“

 

Allerdings sind nicht nur die deutschen, sondern fast alle großen Hersteller derzeit von der Vorgabe, den Flottenschnitt der Neufahrzeuge auf 95 Gramm zu senken, noch deutlich entfernt – bei etlichen Unternehmen stiegen die durchschnittlichen Emissionen aufgrund des rückläufigen Dieselabsatzes im vergangenen Jahr sogar. Damit werden Milliardenstrafen und Reputationsschäden immer wahrscheinlicher, sollte es nicht gelingen, den Absatz elektrifizierter beziehungsweise reiner Elektrofahrzeuge kräftig zu steigern. „Zurzeit treiben eher regulatorische Vorgaben die Investitionen in Elektromobilität voran – das Interesse der Kunden  und ihre Bereitschaft, in die neue Technologie zu investieren, halten sich noch in Grenzen“, beobachtet Fuß. „Es ist nun an den Autoherstellern, mit attraktiven Modellen Begehrlichkeiten zu wecken und die Elektromobilität vom Nischen- zum Massenprodukt zu entwickeln.“

Investitionen steigen weiter

„Die hohen Elektroinvestitionen sind eine mutige, aber notwendige Wette auf die Zukunft“, fasst Fuß zusammen. Sie würden allerdings weiter die Marge belasten: Im ersten Quartal legten die F&E-Ausgaben der drei deutschen Autokonzerne um 4,1 Prozent auf knapp sieben Milliarden Euro zu – und dürften weiter steigen. Denn es seien noch erhebliche Anstrengungen und Investitionen nötig, um weiter ganz vorn dabei zu sein, betont Fuß: „Nur Unternehmen mit zukunftsfähigen Produkten werden die bevorstehende Neuordnung der Automobilindustrie überstehen. Wir werden im kommenden Jahrzehnt dramatische Veränderungen am Markt sehen, angetrieben von den Megatrends Elektrifizierung, Vernetzung und autonomes Fahren. Wer hier tonangebend sein will, muss hohe Summen in die Hand nehmen und die Bereitschaft mitbringen, auch ungewöhnliche Partnerschaften einzugehen. Die anstehenden Milliardeninvestitionen werden sich allerdings nur finanzstarke Konzerne leisten“, betont Fuß. „Zumal auch Fehlinvestitionen einkalkuliert werden müssen, da niemand weiß, wohin die Reise geht. Die kommenden Jahre werden daher geprägt sein von einer verstärkten Konsolidierung und mehr Kooperationen.“