Europa neu bauen – aber wie

Kommentar von Christoph Wehnelt

(28.5.18) – In Europa und der Welt ist einiges durcheinander geraten. Das hat der französische Staatschef Marcron längst begriffen und will mit Frankreich an der Spitze in Europa die Hegemonie zelebrieren und gleich den europäischen Finanzminister stellen  mit einem großartigen Füllhorn unverdienten Geldes, das selbstverständlich aus deutschen Quellen immer wieder dotiert werden muss, damit alle zufrieden sein können. Dafür ist ja auch der Euro kreiert worden, damit alle dasselbe Geld und die unversiegbare Quelle Deutschland nutzen können. Wenn die D-Mark abgeschafft ist, so der Irrglaube damals, werde alles besser im alten Kontinent. Da erntet Macron ganz selbstverständlich Applaus von Griechenland über Italien bis zur EU in Brüssel, wo mancher deutsche Simpel gar noch applaudiert. In diesem Zirkus spielt auch Luxemburg eine zwielichtige Rolle.

Christoph Wehnelt – Foto: Archiv/CW

Die FAZ war selten so direkt wie am letzten Wochenende im Mai. Aufmacher im Wirtschaftsteil: Italien will einen ausgewiesenen Deutschland-Feind in der Regierung platzieren. Es geht um den 81-jährigen Paolo Savonas. Die Regierungsbildung in Rom hakt an diesem Punkt. Wenn Savonas kommt, wird es kritisch mit dem Euro, weil die einen nach Herzenslust Verschuldungspolitik betreiben und Deutschland – kurz gesagt – alles finanzieren muss. Da Italien einige Nachahmer finden wird, kracht es in Europa und in kürzester Zeit gibt es wie beim „Zauberlehrling“ zwei Akteure (wehe, wehe beide Teile stehen in Eile völlig fertig da als Knechte: Euro-alt und Euro-neu). Die Stabilitätsgenossen kreieren den Euro-Franken (D-Mark bleibt zunächst verpönt) und die Inflationskandidaten mischen sich auf, wie nach den Weltkriegen. EU ade!

Um den internationalen Geldverkehr nicht zum Erliegen zu bringen – das geht überhaupt nicht – bildet sich eine Demarkationslinie mit regelmäßigen Abgleichungen (Realignments) der neu  geschaffenen Währungen. (Vielleicht sogar zwei Währungskreise, einer intern, der andere im internationalen Wettbewerb mit Dollar, Yen etc.) Eine Situation, wie wir sie bis zur erzwungenen Aufgabe der D-Mark hatten, nur weil es Franzosen, Italienern, Spaniern, Griechen, den üblichen Schuldenmachern, denen Stabilitätspolitik in europäischen Rahmen, nach europäischen Richtlinien nicht beizubringen war, beizubringen ist. Pardon. Das stimmt nicht ganz: Frankreich hat viel in dieser Richtung  geleistet, gerade auch unter Macron.

Hier gerät die europäische Szenerie wieder an den verflixten Punkt der „Hegemonie“. Jeder will die neue, die beherrschende „Devise“ okupieren. Also: Jedem seine EU-Zentralbank! Notgedrungen  beansprucht Deutschland einen guten Platz, hebt hier den Finger. Natürlich Frankreich, auch England, Italien etc. wollen nicht ins Abseits geraten. Wird ein Europa der zwei oder drei Währungsgeschwindigkeiten  geschaffen? Brüssel hat in seiner Totalität auf jeden Fall verloren. Da kann auch kein Martin Schulz als Präsident helfen.

Christoph Wehnelt