Ernst & Young: Absatz von Diesel-Neuwagen sinkt so stark wie nie – Diesel-Marktanteil auf niedrigstem Niveau seit 2009

Stuttgart (4.6.18) – Peter Fuß, Partner bei EY: „Im Vergleich zum Vorjahresmonat fehlten dem Mai zwei Verkaufstage, was zu dem deutlichen Rückgang bei den Neuzulassungen führte. Bereinigt um diesen Kalendereffekt stiegen die Neuzulassungen im Mai sogar um vier Prozent.“ Während die Neuzulassungen von Benzin-Modellen immerhin um sechs Prozent zulegten, ging der Verkauf von Diesel-Modellen massiv zurück: um 27 Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der Dieselkrise im Sommer 2015. Auch beim Marktanteil gab es im Mai einen Negativrekord: Nur 31,3 Prozent aller neu zugelassenen Pkw waren Selbstzünder – der niedrigste Wert seit dem Jahr 2009, als die Abwrackprämie einen Boom im – zumeist benzinbetriebenen – Kleinwagensegment entfachte.

„Der Absatz von Dieselneuwagen bleibt erheblich unter Druck“, beobachtet Fuß. „Die Gründe sind zum einen die Diskussionen über Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge und über Wertverluste bei gebrauchten Diesel-Pkw, die zu einer massiven Verunsicherung der Kunden geführt hat. Zum anderen halten sich womöglich einige Diesel-Interessenten zurück, bis im September wieder schärfere Abgasnormen greifen. Bislang sind nur relativ wenige Modelle verfügbar, die der neuen Norm 6d entsprechen. Obendrein bieten einige Hersteller zumindest im Kleinwagensegment keine Diesel-Varianten mehr an. Auch das wirkt sich natürlich auf die Diesel-Verkäufe aus“.

Der anhaltende Rückgang bei den Diesel-Verkaufszahlen sei sowohl für den Klimaschutz als auch für die Autoindustrie bedenklich, so Fuß: „Wenn der Diesel-Marktanteil sinkt, steigt der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten, da Diesel-Modelle weniger CO2 ausstoßen. Im April lag der Durchschnittswert  um 1,6 Prozent über dem Vorjahreswert, im Mai um 1,5 Prozent. Damit werden hohe Strafzahlungen immer wahrscheinlicher, denn bis 2021 sollen die CO2-Emissionen der Pkw-Neuwagenflotten in der EU im Schnitt auf 95 Gramm je Kilometer sinken – für jedes zusätzlich ausgestoßene Gramm fallen Strafen an.

Fuß rechnet trotz des aktuellen starken Rückgangs der Diesel-Verkaufszahlen mit einer Stabilisierung des Marktanteils: „Die neuen Diesel-Modelle der Euro-6d-Norm sind sauber und zukunftssicher. Wenn diese Fahrzeuge breit verfügbar sind und sich die Diskussion über etwaige Fahrverbote beruhigt hat, wird der Diesel eine reelle Chance auf ein Comeback haben. Sowohl aus industriepolitischen wie auch aus Umweltschutzgründen ist es geboten, den Diesel zumindest als Übergangstechnologie zu erhalten.“

Umstiegsprämien treiben weiter Privatkäufer in die Autohäuser

Für die insgesamt immer noch positive Entwicklung des deutschen Neuwagenmarkts sieht Fuß mehrere Gründe: „Die Konjunktur brummt weiter, die Beschäftigung steigt und die Finanzierungsbedingungen sind nach wie vor sehr gut. Zudem treiben die Umstiegs- oder Diesel-Prämien vieler Hersteller das Wachstum an.“ Die Bedeutung dieser Prämien, die sich an Privatpersonen richten, zeigt sich an der sehr positiven Entwicklung der Neuzulassungen auf Privatpersonen, die im Mai um knapp vier Prozent und im bisherigen Jahresverlauf sogar um fast 14 Prozent stiegen. Demgegenüber sanken die Neuzulassungen auf gewerbliche Käufer im April um knapp zehn Prozent – und seit Jahresbeginn um etwa drei Prozent.“

„Der deutsche Neuwagenmarkt gibt nicht zuletzt aufgrund der Umstiegsprämien für alte Diesel derzeit so ein gutes Bild ab“, beobachtet Fuß. „Wenn diese Aktionen zur Jahresmitte auslaufen, dürfte es eine Delle geben.“. Er rechnet für das Gesamtjahr mit einem Absatz leicht über dem Vorjahresniveau.

Alternative Antriebe auf dem Vormarsch

Der Hauptgewinner der Diesel-Krise bleibt der Benzin-Motor. Aber auch Neuwagen mit alternativen Antrieben gewinnen an Attraktivität: Die Neuzulassungen von Hybrid-Modellen stiegen im Mai um 51 Prozent, bei reinen Elektroautos betrug das Plus 52 Prozent. Der gemeinsame Marktanteil von Hybrid- und Elektro-Neuwagen stieg im Vergleich zum Vorjahr von 2,6 auf 4,1 Prozent.

Die Verkaufszahlen von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben werden nach Fuß‘ Einschätzung in den kommenden Monaten und Jahren weiter zulegen: „Die Nachfrage steigt kräftig. Und das wird sich noch verstärken, wenn in den kommenden Jahren attraktive neue Modelle mit höherer Reichweite auf den Markt kommen.“