Creditreform: Insolvenzen in Deutschland – Rückgang verlangsamt sich
Neuss (27.6.18) – Der Rückgang der Insolvenzen setzte sich im 1. Halbjahr 2018 fort. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen nahm um 3,3 Prozent auf 9.900 Fälle ab (1. Halbjahr 2017: 10.240). Bei den privaten Verbrauchern waren 34.300 Insolvenzen zu verzeichnen (1. Halbjahr 2017: 36.080). Das war ein Rückgang um 4,9 Prozent. Die Gesamtzahl aller registrierten Insolvenzfälle, zu denen u. a. auch Insolvenzen ehemals Selbstständiger zählen, verringerte sich in den ersten sechs Monaten um 3,8 Prozent auf 56.100 Fälle (1. Halbjahr 2017: 58.310). Im Vorjahr betrug der prozentuale Rückgang noch 6,0 Prozent.
Die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen begünstigten
das weiter rückläufige Insolvenzgeschehen. Deutschland
verzeichnete 2017 das achte Jahr in Folge ein Wirtschaftswachstum.
Auch die Finanzierungsbedingungen
blieben günstig und ermöglichten es Unternehmen wie Privatpersonen,
ihre Verschuldung erträglich zu gestalten.
Positiv entwickelten sich der Arbeitsmarkt und die Einkommenssituation.
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Insolvenzschäden nehmen aber zu
Die Schäden für die Insolvenzgläubiger waren allerdings
höher als im Vorjahr und summierten sich auf schätzungsweise
15,5 Mrd. Euro (1. Halbjahr 2017: 13,0 Mrd. Euro).
Im Durchschnitt sind pro Unternehmensinsolvenz somit
rund 1,6 Mio. Euro an Ausfällen zu erwarten. Rund
120.000 Arbeitsplätze sind durch Unternehmensinsolvenzen
bedroht bzw. abgebaut worden (1. Halbjahr 2017:
101.000). Ursache dieser Entwicklungen ist eine Zunahme
von größeren Schäden und dem Personalabbau auch im
Vorfeld der Insolvenzbeantragung bzw. Umfeld der betroffenen
Firmen.
Kapitalgesellschaften, die tendenziell größer und wirtschaftsaktiver
sind, waren im 1. Halbjahr 2018 stärker von
einer Insolvenz betroffen als vor Jahresfrist. Ein Viertel
aller Unternehmensinsolvenzen in Deutschland (24,5 Prozent)
wies die Rechtsform der GmbH auf, weitere 7,7 Prozent
die der Unternehmergesellschaft (UG haftungsbeschränkt).
Bei beiden Rechtsformen nahm der Anteil am
Insolvenzgeschehen zuletzt spürbar zu. Mit 56,9 Prozent
stellen einfache Gewerbetreibende (Einzelunternehmen)
aber weiterhin die Mehrheit der Insolvenzfälle.
Insolvenzkandidaten werden älter
Im 1. Halbjahr 2018 zeigte sich ein Anstieg der Insolvenzen
im Mittelstand (5,0 bis 25,0 Mio. Euro Umsatz) von
plus 10,8 Prozent, während bei Kleinstunternehmen ein
Rückgang zu verzeichnen war (minus 10,2 Prozent). Auch
bei größeren Firmeninsolvenzen mit mehr als 50 Mio. Euro
Umsatz (plus 66,7 Prozent) war ein Zuwachs zu verzeichnen.
Weiterhin dominierten aber kleine Unternehmen das
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Insolvenzgeschehen in Deutschland. Bei der Hälfte der
Insolvenzfälle (50,8 Prozent) lag der Jahresumsatz unter
250.000 Euro.
Mehr Insolvenzen gab es in der Altersgruppe der 9- bis 10-
jährigen Unternehmen (plus 2,3 Prozent) sowie bei den
über 10 Jahre alten Unternehmen (plus 2,0 Prozent). In
dieser Entwicklung spiegelt sich das steigende Durchschnittsalter
des Unternehmensbestandes in Deutschland
wider. Entsprechend stellen Unternehmen mit einem Alter
von über 10 Jahren mittlerweile fast die Hälfte aller Insolvenzfälle
(46,1 Prozent). Vor zehn Jahren (2009) entfiel
auf diese Altersklasse nur etwa ein Drittel (35,4 Prozent).
Kaum Rückgänge im Handel
Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der Insolvenzen im
Verarbeitenden Gewerbe (minus 6,6 Prozent), gefolgt vom
Baugewerbe (minus 5,2 Prozent). Im Handel verringerten
sich die Insolvenzen hingegen nur leicht (minus 0,9 Prozent).
Der Anteil des Handelssektors am deutschen Insolvenzgeschehen
erhöhte sich folglich auf 21,8 Prozent. Zuletzt
war diese Quote vor zehn Jahren so hoch gewesen.
Das Gros der Insolvenzen entfiel aber weiterhin auf den
Dienstleistungssektor (56,4 Prozent aller Insolvenzen).
Zuletzt verringerte sich die Zahl der Dienstleisterinsolvenzen
aber um 3,3 Prozent. Die Insolvenzquote (Zahl der
Insolvenzen pro 10.000 Bestandsunternehmen) nahm in
allen vier Hauptwirtschaftsbereichen ab – am deutlichsten
im Baugewerbe. Gesamtwirtschaftlich gehen 61 von
10.000 Unternehmen in die Insolvenz. Vor zehn Jahren
waren es noch 103.
Zu den größten Insolvenzfällen im bisherigen Jahresverlauf
zählten die Krankenhauskette „Paracelsus-Kliniken
Deutschland“ mit rund 5.000 Mitarbeitern sowie die Kapitalanlagegesellschaft
„P&R Gruppe“, bei der rund 54.000
Anleger ihr Geld verloren haben.

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