Creditreform: Ertraglose Unternehmen
in Deutschland – Überleben Verlustunternehmen durch billiges Fremdkapital?
Neuss (17.9.18) – 6,8 Prozent der deutschen Unternehmen erwirtschafteten
im Zeitraum 2014 bis 2016 Jahr für Jahr Verluste. Trotz der günstigen Konjunkturlage bleibt ein nennenswerter Anteil der Unternehmen ertragsschwach. Dieses Ergebnis
einer Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung basiert auf einer Längsschnittanalyse von 10.616 (bilanzierungspflichtigen) Unternehmen aus Deutschland. Kriterium für einen chronischen Verlustbringer war, dass das Unternehmen drei Jahre in Folge ein negatives operatives Ergebnis erzielte.
Die Ergebnisse der Creditreform Analyse lassen vermuten,
dass die Politik des billigen Geldes durch die Europäische
Zentralbank (EZB) und die günstigen Finanzierungskonditionen
Unternehmen das Überleben ermöglicht haben, die
unter anderen Umständen aus dem Markt ausgeschieden
wären. Darauf deutet hin, dass ertraglose Unternehmen im
Verlaufe der Verlustphase ihre Verbindlichkeiten ausgeweitet und somit Fremdkapital aufgenommen haben. Zudem sind die betroffenen Unternehmen zu einem weitaus
größeren Maße fremdfinanziert, wie die Creditreform Analyse
zeigt.
Dienstleister und Kleinstunternehmen überdurchschnittlich
betroffen
Mindestens drei Verlustjahre in Folge waren überdurchschnittlich
oft bei Unternehmen aus dem Dienstleistungsgewerbe
zu beobachten. So erwirtschaftete jedes zwölfte
Dienstleistungsunternehmen (8,4 Prozent) in den Jahren
2014 bis 2016 fortwährend Verluste. Im Verarbeitenden
Gewerbe und im Handel war die Quote der Unternehmen,
die drei Jahre in Folge ohne Gewinne blieben, niedriger,
erhöhte sich zuletzt aber.
Unter den Kleinstunternehmen (Bilanzsumme bis 2,0 Mio.
Euro) war jeder Achte (12,8 Prozent) betroffen. Im Zeitablauf
zeigt sich, dass vor allem Unternehmen mittlerer Größe
(Bilanzsumme: 10 bis 43 Mio. Euro) in jüngster Zeit
häufiger chronisch Verluste erwirtschafteten, ohne dass
ein Marktaustritt stattfand. Im Zeitraum 2014 bis 2016 lag
der Anteil der Verlustunternehmen in dieser Größenklasse
bei 7,9 Prozent. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass der
Marktbereinigungsprozess in irgendeiner Form gestört ist.
Mehrere Verlustjahre nicht ohne Folgen
Das Creditreform Unternehmenspanel ermöglicht die Analyse
der Unternehmensentwicklung im Zeitablauf. Demnach
blieben die Umsätze der zwischen 2008 und 2010
ertraglos gebliebenen Firmen nach Ende dieses Zeitraums
deutlich hinter der durchschnittlichen Entwicklung zurück.
Creditreform Presseinformation Seite 3
So nahm der Umsatz dieser Unternehmen bis zum Jahr
2016 nur um 5,5 Prozent zu. Zum Vergleich: Die durchschnittliche
Umsatzentwicklung aller Panelunternehmen
betrug plus 22,5 Prozent.
Weitere Folgen einer mehrere Jahre anhaltenden Verlustphase
sind erhöhte Anteile an insolventen, aufgelösten
und gelöschten Unternehmen. Die Mehrzahl der Unternehmen
(84,3 Prozent), die zwischen 2008 und 2010 drei
Verlustjahre in Folge aufwiesen, ist aber weiterhin aktiv
und überlebte die Durststrecke.
Negativtrends setzen sich oft fort
Wenn Unternehmen bereits zwei Jahre in Folge ein negatives
Betriebsergebnis aufweisen, setzen sich die Verlustphasen
mit hoher Wahrscheinlichkeit fort. So lassen sich
chronische Verlustunternehmen oftmals im Zeitablauf identifizieren.
Nur eine Minderheit (28,8 Prozent) schaffte nach
zwei fortwährenden Verlustjahren wieder den Turnaround
ins Plus. Bei den meisten schloss sich ein weiteres Verlustjahr
an. Gleichwohl erzielte die überwiegende Mehrheit
aller deutschen Unternehmen Gewinne und blieb während
des gesamten Betrachtungszeitraums stets verlustfrei. Im
aktuelleren Betrachtungszeitraum von 2014 bis 2016 waren
es 75,5 Prozent.

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