Allianz Research: Konjunkturrisiko Politik

München (18.12.18) – Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich auch im Dezember weiter eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex sank auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Vor allem die Unsicherheit im Zusammenhang mit den zahlreichen politischen Risiken dürfte zu dem neuerlichen Rückgang beigetragen haben.

Im Dezember sank der ifo Geschäftsklimaindex um einen Punkt auf nunmehr 101,0 Punkte. Damit verzeichnete der Index den vierten Rückgang in Folge. Die befragten Unternehmen schätzten sowohl ihre Geschäftslage als auch ihre Geschäftserwartungen weniger positiv ein als noch im November.

Am stärksten hat sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Dienstleistungssektor eingetrübt. Beim Verarbeitenden Gewerbe lag dies vor allem an den ungünstigeren Unternehmenserwartungen, was auch bereits zu einer Anpassung der Produktionspläne geführt hat. Die Sonderkonjunktur in der Bauwirtschaft hält hingegen unvermindert an, die Umfragewerte verharrten auf dem sehr hohen Niveau des Vormonats.

Trotz der anhaltenden Stimmungseintrübung in der deutschen Wirtschaft rechnen wir sowohl für das laufende als auch für das kommende Quartal mit einer Gegenbewegung zum Wachstumseinbruch im dritten Quartal. Spätestens im Verlaufe des ersten Jahresviertels 2019 dürften die mit dem neuen Abgastestverfahren WLTP verbundenen Probleme im Automobilsektor, die maßgeblich verantwortlich für das schwache dritte Quartal waren, weitgehend behoben sein. Ausmaß des erwarteten „Rebounds“ und Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung im weiteren Jahresverlauf 2019 hängen stark davon ab, wie lange uns insbesondere politischen Risiken wie der Handelskonflikt mit den USA, der Haushaltsstreit mit Italien sowie die Brexit-Unsicherheit noch begleiten werden. Denn grundsätzlich sind die binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine, wenn auch moderatere Fortsetzung des Aufschwungs weiterhin gegeben. Beispiel privater Konsum: Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte werden auch 2019 nominal recht kräftig wachsen. Nach einem Anstieg um etwa 3,3% in diesem Jahr gehen wir für das kommende Jahr sogar von einem Plus von 3,8% aus. Die Beschleunigung im Anstieg rührt im Wesentlichen von den in Kraft tretenden Abgabenentlastungen und den zusätzlichen monetären Sozialleistungen. Trotz Inflationsraten von nahe 2% und einer erwarteten leichten Erhöhung der Sparquote sind die Kaufkraftgewinne ausreichend für eine kontinuierliche Ausweitung des realen privaten Verbrauchs, der im Jahresdurchschnitt 2019 um 1,4% steigen dürfte (2018: rund 1%).

Alles in allem nimmt die gesamtwirtschaftliche Auslastung damit weiter zu. Mit einem Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,5% in diesem und 1,7% im nächsten Jahr wird die Rate der vorangegangenen Jahre (2016 und 2017: jeweils 2,2%) aber nicht mehr erreicht.