Ernst & Young: Neuwagenmarkt gewinnt an Schwung – Aufwärtstrend beim Diesel hält an 

Stuttgart (4.3.19) – Peter Fuß, Partner bei EY: „Der deutsche Neuwagenmarkt kommt langsam wieder in Tritt. Nach einem Absatzminus von 1,4 Prozent im Januar lagen die Verkäufe im Februar um 2,7 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Damit war der Februar der erste Wachstumsmonat nach fünf vorangegangenen Monaten mit einer rückläufigen Absatzentwicklung.Außerhalb Deutschlands entwickelte sich der Neuwagenmarkt im Februar insgesamt eher schwach: Zwar stiegen in Frankreich die Neuzulassungen um 2,1 Prozent, in der Schweiz sanken sie hingegen um 0,5 Prozent, in Italien um 3,2 Prozent, in Österreich um 6,1 Prozent und in Spanien sogar um 8,8 Prozent.

Für die insgesamt verhaltene Entwicklung auf dem Neuwagenmarkt sieht Fuß mehrere Gründe: „Die Konjunktur schwächelt, ein ungeordneter Brexit rückt immer stärker in den Bereich des Möglichen, die Gefahr von US-Strafzöllen auf europäische Autos steht nach wie vor im Raum: Zurzeit gibt es wenige gute Nachrichten aus der Wirtschaft. Das bremst die Kauflaune sowohl bei privaten wie gewerblichen Kunden. Angetrieben wird der Absatz hingegen von attraktiven Wechselprämien, die von vielen Herstellern ausgelobt werden, und die sich an Besitzer älterer Dieselfahrzeuge richten. Diese Rabattaktionen scheinen ein wenig Schwung in den Markt zu bringen.

Hinzu kommt, dass immer noch nicht alle Unternehmen die Umstellung auf WLTP vollständig im Griff haben. So verzeichnete Porsche im Februar einen Rückgang der Neuzulassungen um 48 Prozent – Audi konnte hingegen wie schon im Januar erneut leicht zulegen (um 3,0 Prozent). „WLTP belastet den Markt immer noch etwas – wenngleich die Effekte von Monat zu Monat geringer ausfallen“, beobachtet Fuß.

Immerhin: Nachdem der Marktanteil von Diesel-Fahrzeugen im Januar erstmals seit Ausbruch der Dieselkrise im Spätsommer 2015 wieder gestiegen war, setzte sich der Positivtrend im Februar fort: Die Neuzulassungen von Selbstzündern stiegen um 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, der Marktanteil des Dieselantriebs am Neuwagenmarkt kletterte um 0,1 Prozentpunkte auf 32,6 Prozent. Zum Vergleich: Im Februar 2015 – also vor Ausbruch der Dieselkrise –hatten noch knapp 49 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge einen Dieselmotor.

„Der Diesel scheint sich gefangen zu haben – zumindest in Deutschland“, so Fuß. In den meisten anderen europäischen Ländern halte der Abwärtstrend hingegen an. Allerdings könnten nach Fuß‘ Einschätzung einige Sondereffekte zum Erstarken des Diesels in Deutschland beigetragen haben: „In den vergangenen Monaten gab es gerade bei Dieselneuwagen massive WLTP-bedingte Lieferengpässe. Inzwischen hat sich die Liefersituation bei den meisten Marken normalisiert, so dass es zu Nachholeffekten kommt, die den Absatz von Dieselfahrzeugen begünstigen. Hinzu kommen die hohen Umweltprämien, die z.B. einige Marken aus dem Volkswagenkonzern nach dem Motto „Diesel gegen Diesel“ nur beim Kauf eines neuen Dieselfahrzeugs und der Verschrottung eines alten Diesels gewähren. Ob also die derzeitige Renaissance des Diesels von Dauer ist, wird sich erst in einigen Monaten zeigen, wenn diese Effekte ihre Wirkung verloren haben. Für eine Entwarnung ist es in jedem Fall noch zu früh.“