Ernst & Young: Deutscher Neuwagenmarkt weiter im Rückwärtsgang – aber kräftiges Plus bei Elektroautos

Stuttgart (3.5.19) – Peter Fuß, Partner bei EY: „Der deutsche Neuwagenmarkt ist weiter im Rückwärtsgang unterwegs: Um 1,1 Prozent sind die Neuzulassungen im April im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken, nachdem sie im ersten Quartal um gerade einmal 0,2 Prozent gestiegen waren.“Außerhalb Deutschlands entwickelte sich der Neuwagenmarkt im April insgesamt leicht positiv – wobei in einigen Märkten auch Kalendereffekte – ein zusätzlicher Verkaufstag – eine Rolle gespielt haben: In Frankreich stiegen die Neuzulassungen um 0,4 Prozent, in Österreich um 0,8 Prozent, in Italien um 1,2 Prozent, in Spanien um 2,6 Prozent und in der Schweiz um 7,9 Prozent.

Für die insgesamt im bisherigen Jahresverlauf verhaltene Entwicklung auf dem deutschen und europäischen Neuwagenmarkt sieht Fuß vor allem konjunkturelle Gründe: „Die Wirtschaft läuft zurzeit nicht rund – weder in Deutschland noch in Europa. Die Konjunkturerwartungen sowohl von Verbrauchern als auch von Unternehmen haben sich zuletzt weiter eingetrübt, gerade die Exportaussichten haben sich durch die Handelskonflikte der USA mit China und der EU sowie aufgrund der globalen Konjunkturabkühlung verschlechtert.“ Hinzu komme die nach wie vor bestehende Gefahr eines ungeordneten Brexit, so Fuß. „Angesichts der ungünstigen Rahmenbedingungen dürften der deutsche und europäische Neuwagenmarkt in diesem Jahr im besten Fall auf dem hohen Niveau des Vorjahres stagnieren.“

Gerade Privatpersonen scheinen sich derzeit zurückzuhalten: Trotz attraktiver Wechselprämien, die von vielen Herstellern ausgelobt werden und die sich an Besitzer älterer Dieselfahrzeuge richten, gingen die Neuzulassungen auf Privatleute im ersten Quartal um 6 Prozent zurück. Im April verlangsamte sich der Abwärtstrend zwar, allerdings setzte sich der Rückgang der Neuzulassungen auf private Halter weiter fort – um 0,6 Prozent.

Diesel kann dank zurückgehender Benziner-Neuzulassungen Marktanteil halten

Nachdem im ersten Quartal die Neuzulassungen von Diesel-Pkw noch um 3 Prozent gestiegen waren – erstmals seit Ausbruch der Dieselkrise im Jahr 2015 und gegen den europäischen Trend – ging es im April für den Diesel wieder leicht abwärts: Die Diesel-Neuzulassungen sanken um 0,9 Prozent, der Marktanteil blieb allerdings mit 33,5 Prozent etwa auf Vorjahresniveau – er stieg sogar leicht um 0,1 Prozentpunkte. Das lag vor allem daran, dass die Zahl der neu zugelassenen Benzin-Modelle gleichzeitig um 5,1 Prozent sank.

Der Grund für die vorübergehend positive Entwicklung beim Diesel dürften Nachholeffekte gewesen sein, so Fuß: „Einige Diesel-Modelle waren aufgrund der WLTP-Umstellung lange nicht lieferbar. Zu Jahresbeginn hat sich die Situation normalisiert, und die Hersteller lieferten die bestellten Fahrzeuge aus. Das sorgte für einen zwischenzeitlichen Anstieg der Diesel-Neuzulassungen – dieser Effekt ist offenbar nun verpufft.“ Einen deutlichen Rückgang der Diesel-Neuzulassungen im weiteren Jahresverlauf erwartet Fuß dennoch nicht: „Moderne Diesel sind sehr sauber und spielen eine wichtige Rolle bei der Begrenzung der CO2-Emissionen. Gerade im gehobenen Segment und bei schweren SUV hat der Diesel durchaus eine Zukunft. Im Kleinwagensegment hingegen eher nicht.“

Elektroautos weiter auf dem Vormarsch

Wie in den Vormonaten zeigte auch im April der Trend bei Elektroautos und Hybrid-Modellen deutlich nach oben: Die Neuzulassungen von Hybrid-Modellen stiegen in Deutschland im April um 54,9 Prozent, bei reinen Elektroautos betrug das Plus im April 50,4 Prozent. Der Marktanteil von Elektroautos (ohne Plug-in Hybride) stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat von 1,1 auf 1,5 Prozent.

„Der Absatz von Elektroautos entwickelt sich erfreulich dynamisch – allerdings von einem immer noch niedrige Ausgangsniveau. Die Gründe für das deutliche Wachstum dürfte die steigende Zahl an Modellen und ihre zunehmende Verfügbarkeit sein – auch wenn die Lieferzeiten teilweise nach wie vor sehr lang sind.“

Im März hatte es das erst seit Februar in Europa verfügbare Tesla Model 3 immerhin unter die Top 50 der meistverkauften Pkw-Modelle in Deutschland geschafft – mit 2.224 zugelassenen Fahrzeugen auf Rang 48. Damit war jedes dritte in Deutschland neu zugelassene Elektroauto ein Tesla Model 3 (Angaben zu den Neuzulassungen im April liegen noch nicht vor).

„Die Nachfrage nach attraktiven Elektroautos ist hoch, das zeigt der Erfolg des Tesla Model 3“, sagt Fuß. „Derzeit scheint die Nachfrage allerdings größer zu sein als die Produktionskapazitäten. Im weiteren Verlauf des Jahres und vor allem im kommenden Jahr, wenn immer mehr Modelle auch von den deutschen Herstellern verfügbar sein werden, werden wir daher höchstwahrscheinlich einen deutlichen Anstieg der Verkäufe von Elektroautos sehen. Dann ist ein Marktanteil um die 5 Prozent rasch erreichbar.“