Deutsche Bank: Ergebnisse im ersten Quartal 2020  etwas besser als gedacht

Frankfurt/Main (27.4.20) – Typisch Deutsche Bank: wenn niemand damit rechnet, legt sie Zahlen vor. Wie jetzt wieder. Am späten Sonntagabend veröffentlichte sie Eckdaten ihrer Bilanz fürs erste Quartal 2020, für einen Zeitraum, der natürlich bereits von der Corona-Pandemie geprägt gewesen war. Analysten hatten daher mit einem mageren Ergebnis gerechnet und wurden nun eines Besseren belehrt. Die Deutsche Bank schnitt  nicht so schlecht ab wie Branchenkenner befürchtet hatten. Und zwar so: In ihrer am Sonntagabend verbreiteten Pressemitteilung heißt es:  „Die Deutsche Bank erwartet für das erste Quartal 2020 einen Konzerngewinn vor Steuern von 206 Millionen Euro. Nach Steuern erwartet die Bank einen Gewinn von 66 Millionen Euro.“ Wie der Aktienkurs reagiert, finden Sie u.a. hier.

Ragen in den Frankfurter Himmel: die Doppeltürme der Deutschen Bank – Foto: PK

Die Bank erwartet Erträge von 6,4 Milliarden Euro und zinsunabhängige Aufwendungen von 5,6 Milliarden Euro, einschließlich des Beitrags zum Einheitlichen Abwicklungsfonds von 0,5 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank rechnet mit einer Risikovorsorge im Kreditgeschäft von 0,5 Milliarden Euro. Das entspricht 44 Basispunkten aller Kredite. Für diese Werte lagen die Analystenschätzungen weit auseinander.

Die harte Kernkapitalquote der Deutschen Bank betrug zum Ende des ersten Quartals 12,8 Prozent und hat sich damit gegenüber dem Wert von 13,6 Prozent zum Jahresende 2019 verringert. Dabei reduzierte das neue Rahmenwerk für Verbriefungen die harte Kernkapitalquote um etwa 30 Basispunkte, während die Folgen der Covid-19-Pandemie mit rund 40 Basispunkten zum Tragen kamen.

Finanzziele aktualisiert, um Kunden und die Wirtschaft zu unterstützen
Angesichts der Chancen für zusätzliches Geschäft, erhöhter Nachfrage von Kunden und des derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds überprüft die Deutsche Bank ihre Ziele für die harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1, CET 1) und die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) in diesem Jahr. Der Vorstand hat entschieden, dass das Eigenkapital vorübergehend den Zielwert der Bank unterschreiten darf, um Kunden und die Wirtschaft insgesamt in der aktuellen Krisensituation zu unterstützen.

Die harte Kernkapitalquote der Bank lag zum Ende des ersten Quartals mit 12,8 Prozent rund 240 Basispunkte über den aktuellen regulatorischen Säule-2-Anforderungen. Diese haben sich von 11,6 Prozent zum 1. Januar 2020 auf 10,4 Prozent verringert, nachdem die Europäische Zentralbank den Artikel 104(a) der EU-Kapitaladäquanzrichtlinie (Capital Requirements Directive, CRD V) früher umsetzt hat und der sogenannte antizyklische Puffer reduziert wurde. Die niedrigere Mindestkapitalanforderung reduziert jene Schwelle, unterhalb der die Deutsche Bank verpflichtet wäre, den ausschüttungsfähigen Höchstbetrag (Maximum Distributable Amount – MDA) zu berechnen. Dieser begrenzt Ausschüttungen auf das harte Kernkapital sowie auf Wertpapiere, die als zusätzliches Kernkapital gelten (Additional Tier 1).

Die kurzfristigen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie erschweren es der Bank, den Zeitpunkt und das Ausmaß der Bewegungen in der Kapitalplanung genau vorherzusagen. Es ist oberste Priorität der Deutsche Bank, an der Seite ihrer Kunden zu stehen, ohne bei der Kapitalstärke Kompromisse zu machen. Es ist daher möglich, dass die Bank vorübergehend ihr Ziel einer harten Kernkapitalquote von mindestens 12,5 Prozent leicht unterschreitet. Die Deutsche Bank plant auch weiterhin, einen deutlichen Kapitalpuffer gegenüber den regulatorischen Anforderungen zu halten.

Der aktualisierte Ausblick berücksichtigt, dass die risikogewichteten Aktiva über mehrere Quartale steigen könnten, wenn die Bank ihr Kreditvolumen ausweitet, um ihre Kunden zu unterstützen. Gleichzeitig stehen verschiedene regulatorische Anpassungen an oder sind im Gespräch, die die harte Kernkapitalquote der Bank verbessern könnten.

Angesichts des möglichen zusätzlichen Wachstums der Bilanz ist es auch unwahrscheinlich, dass die Bank ihr Ziel einer Verschuldungsquote (Leverage Ratio, bei Vollumsetzung der Regulierung) von 4,5 Prozent für 2020 erreichen wird. Nicht berücksichtigt sind dabei regulatorische Anpassungen bei der Berechnung der Leverage Ratio, die die von der Bank berichtete Quote erhöhen könnten.

Da die genannten Kapitaleffekte als vorübergehend angesehen werden, arbeitet die Bank für das Jahr 2022 weiterhin auf das Ziel einer harten Kernkapitalquote von 12,5 Prozent und einer Leverage Ratio von 5 Prozent hin.

Die Deutsche Bank bekräftigt ihre übrigen Finanzziele. Dazu gehört, die bereinigten Kosten ohne Umbaubelastungen und die erstattungsfähigen Kosten im Zusammenhang mit dem Hedgefondsgeschäft, das an BNP Paribas übertragen wird, 2020 auf 19,5 Milliarden Euro zu senken.

Der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing sagt: „Wir sind sehr zufrieden, dass die Ergebnisse für das erste Quartal unsere Fortschritte beim Umbau unserer Bank, die operative Stärke unseres Geschäfts und unsere Widerstandskraft bestätigen. Das haben wir dem herausragenden Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken. Wir sind fest entschlossen, unsere Bilanz zu nutzen, um Kunden zu unterstützen, die uns jetzt ganz besonders brauchen. Durch diese Entscheidung könnte unsere harte Kernkapitalquote vorübergehend unser Ziel von mindestens 12,5 Prozent leicht unterschreiten, ohne die solide Bilanz unserer Bank zu schwächen. Mit derzeit 12,8 Prozent liegen wir weit über dem regulatorischen Minimum von 10,4 Prozent. Wir sind überzeugt, dass das im Sinne aller unserer Interessengruppen ist.“

Die vollständigen Ergebnisse für das erste Quartal wird die Deutsche Bank wie geplant am 29. April 2020 veröffentlichen. Die Geschäftszahlen sind gemäß des Rechnungslegungsstandards IFRS dargestellt, wie er von der Europäischen Union angewandt wird (EU IFRS).
Über die Deutsche Bank
Die Deutsche Bank bietet vielfältige Finanzdienstleistungen an – vom Zahlungsverkehr und dem Kreditgeschäft über die Anlageberatung und Vermögensverwaltung bis hin zu allen Formen des Kapitalmarktgeschäfts. Zu ihren Kunden gehören Privatkunden, mittelständische Unternehmen, Konzerne, die Öffentliche Hand und institutionelle Anleger. Die Deutsche Bank ist Deutschlands führende Bank. Sie hat in Europa eine starke Marktposition und ist in Amerika und der Region Asien-Pazifik maßgeblich vertreten.Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Mitteilung enthält zukunftsgerichtete Aussagen. Zukunftsgerichtete Aussagen sind Aussagen, die nicht Tatsachen der Vergangenheit beschreiben, sie umfassen auch Aussagen über die Annahmen und Erwartungen von der Deutschen Bank sowie die zugrunde liegenden Annahmen. Diese Aussagen beruhen auf Planungen, Schätzungen und Prognosen, die der Geschäftsleitung der Deutschen Bank derzeit zur Verfügung stehen. Zukunftsgerichtete Aussagen gelten deshalb nur auf den Tag, an dem sie gemacht werden. Die Deutsche Bank übernimmt keine Verpflichtung, solche Aussagen angesichts neuer Informationen oder künftiger Ereignisse zu aktualisieren. Zukunftsgerichtete Aussagen beinhalten naturgemäß Risiken und Unsicherheitsfaktoren. Eine Vielzahl wichtiger Faktoren kann dazu beitragen, dass die tatsächlichen Ergebnisse erheblich von zukunftsgerichteten Aussagen abweichen. Solche Faktoren sind etwa die Verfassung der Finanzmärkte in Deutschland, Europa, den USA und andernorts, wo die Deutsche Bank einen erheblichen Teil ihrer Erträge erzielt oder erhebliche Vermögenswerte unterhält, die Entwicklung von Preisen von Vermögenswerten und deren Schwankungen, der mögliche Ausfall von Kreditnehmern oder Kontrahenten von Handelsgeschäften, die Umsetzung von strategischen Initiativen der Bank, die Verlässlichkeit der Grundsätze, Verfahren und Methoden der Bank zum Risikomanagement sowie andere Risiken, die in den von der Deutschen Bank bei der US Securities and Exchange Commission (SEC) hinterlegten Unterlagen dargestellt sind. Diese Faktoren sind im SEC-Bericht der Deutschen Bank nach „Form 20-F“ vom 20. März 2020 im Abschnitt „Risk Factors“ dargestellt. Dieses Dokument ist auf Anfrage erhältlich oder unter www.db.com/de/ir verfügbar.

 

Fragen und Antworten zu den Eckwerten der Ergebnisse im ersten Quartal und dem aktualisierten Ausblick der Deutschen Bank – Formuliert von der Deutschen Bank

Warum hat die Deutsche Bank drei Tage vor der geplanten Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal eine Ad-hoc-Mitteilung verschickt?
Der Vorstand ist bemüht, die Verunsicherung durch die Markterwartungen zu den Ergebnissen der Bank sowie Medienberichte über einen Quartalsverlust zu beseitigen. Außerdem ist es im aktuellen Umfeld möglich, dass unsere harte Kernkapitalquote (CET1) und die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) vorübergehend unter die vom Vorstand festgelegten Ziele fallen könnten. Weil wir verpflichtet sind, Änderungen an kommunizierten Zielen umgehend mitzuteilen, haben wir am Sonntagabend eine entsprechende Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht.Wieso hat die Bank ihr Kapitalziel geändert?
Unsere Bank ist fest entschlossen, in dieser außerordentlich schwierigen Lage für unsere Kunden da zu sein, ohne dabei unsere starke Kapitalposition zu gefährden. Viele unserer Kunden stellt Covid-19 vor große Herausforderungen, und sie brauchen jetzt unsere Unterstützung. Unser Ziel ist es, ihnen im Rahmen der regulatorischen Möglichkeiten mit unserer starken Bilanz zu helfen. Wir haben unsere mittelfristigen Ziele nicht geändert, wir kalkulieren nun aber die Möglichkeit ein, dass wir im Zuge der Corona-Pandemie vorübergehend unter das Ziel einer harten Kernkapitalquote von 12,5 Prozent rutschen könnten. Letztlich haben wir nur das „stets“ bei unserem Ziel von mindestens 12,5 Prozent“ gestrichen. Weil die Regulatoren die Kapitalanforderungen an Banken schon vor der Krise gesenkt hatten und nun auch auf die Pandemie reagiert haben, haben wir hier zusätzlichen Spielraum gewonnen. Mit einer harten Kernkapitalquote von 12,8 Prozent lagen wir Ende des ersten Quartals rund 240 Basispunkte über der geänderten Mindestanforderung der EZB von 10,42 Prozent.Wird die Bank angesichts geänderter regulatorischer Vorgaben dauerhaft weniger Kapital vorhalten?
Wir können keine Aussagen dazu treffen, wie sich die regulatorischen Vorgaben in Zukunft entwickeln werden. Aber wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie nur vorübergehend sind. Der Vorstand hält an seinem Ziel einer harten Kernkapitalquote von 12,5 Prozent und einer Verschuldungsquote von 5 Prozent für Ende 2022 fest. Auch in der Zwischenzeit sind wir entschlossen, stets einen deutlichen Kapitalpuffer gegenüber den regulatorischen Mindestanforderungen zu halten.Hat der Vorstand weitere Ziele geändert?
Die Bank hat ihre übrigen Finanzziele bekräftigt. Diese sind:

  • Bereinigte Kosten (bereinigt um Transformationskosten und Effekte aus der Übertragung des Geschäfts mit Hedgefonds zu BNP Paribas) in Höhe von 19,5 Milliarden Euro Ende 2020 und 17 Milliarden Euro Ende 2022
    Eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 8 Prozent Ende 2022
    Warum haben wir die Erwartungen der Analysten im ersten Quartal übertroffen?
  • Der Vorsteuergewinn im ersten Quartal ist auf steigende Erträge in unseren Kerngeschäftsfeldern in Kombination mit anhaltenden Fortschritten beim Kostenabbau zurückzuführen. Wir erwarten einen Vorsteuergewinn von ungefähr 200 Millionen Euro sowie ein Nettoergebnis von 66 Millionen Euro.

Bedeutet die höhere Risikovorsorge, dass die kommenden Quartale schlechter ausfallen werden?
Das außerordentliche wirtschaftliche Umfeld spricht dafür, dass es insgesamt zu mehr Kreditausfällen kommen wird. Aber das Kreditbuch der Deutschen Bank hat eine hohe Qualität und ist gut diversifiziert. 90 Prozent der Kredite haben wir an Schuldner mit Investment-Grade-Ratings vergeben und fast ein Drittel sind solide Hypothekendarlehen in Deutschland. Was wir auf jeden Fall sehen ist, dass die Nachfrage unserer Kunden nach Unterstützung in dieser schwierigen Situation anhaltend hoch ist.

Wie ist das erste Quartal in den einzelnen Geschäftsbereichen gelaufen?
Details zum Geschäftsverlauf in den Geschäftsbereichen werden wir mit den vollständigen Zahlen für das erste Quartal am Mittwochmorgen veröffentlichen.