Ernst & Young: Rekordabsatz von Elektroautos in Deutschland – aber düstere Aussichten für den Neuwagenmarkt
Stuttgart (4.11.20) – Die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt im Oktober: Erholung auf dem Neuwagenmarkt im September erweist sich als Strohfeuer. Nach einem Anstieg der Neuzulassungen im September um acht Prozent ging es im Oktober um 3,6 Prozent nach unten.
- Peter Fuß, Partner bei EY, führt die Entwicklung im Oktober auf mehrere Faktoren zurück: „Der Oktober war noch überwiegend geprägt von einer weitgehenden Normalisierung vieler Bereiche des öffentlichen Lebens – trotz steigender Infektionszahlen. Dementsprechend entwickelte sich der Neuwagenabsatz bei Privatpersonen gut. Die unsicheren konjunkturellen Aussichten und die insgesamt schwierige Umsatzsituation vieler Betriebe hat allerdings erneut zu einem kräftigen Rückgang bei den gewerblichen Zulassungen geführt, was in Summe die Zulassungsbilanz in den negativen Bereich drückt.“
- Der November dürfte noch deutlich schwächer werden, meint Fuß: „Angesichts des neuen „Lockdown-Light“ rechnen wir mit einer wieder nachlassenden Kaufbereitschaft sowohl bei Privatpersonen als auch bei Unternehmen. Die Verunsicherung auch in Bezug auf die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen dieser „zweiten Welle“ ist groß – das dürfte die Investitionsbereitschaft und die Konsumlaune deutlich dämpfen.“
- Völlig unklar sei zudem, wie es im Dezember weitergehen wird. „Einerseits dürfte das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung zum Jahresende zu vorgezogenen Käufen führen – andererseits lassen steigende Infektionszahlen und eine hohe Auslastung der Krankenhäuser es unwahrscheinlich erscheinen, dass wir im Dezember wieder zu einer weitgehenden Normalität wie in den Sommermonaten kommen werden. Es spricht viel dafür, dass wir für einige Monate mit erheblichen Einschränkungen leben müssen. Dementsprechend erscheint ein erneuter kräftiger Rückgang auf dem Neuwagenmarkt sehr wahrscheinlich – einen Einbruch wie im Frühjahr dieses Jahres wird es aber höchstwahrscheinlich nicht geben“, meint Fuß.
- Inzwischen dürfte klar sein, dass der deutsche Neuwagenmarkt auf eine tiefrote Jahresbilanz zusteuert. Unterm Strich wird der Absatz in diesem Jahr voraussichtlich um etwa ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahres liegen, erwartet Fuß.
- Bemerkenswert ist auch: Der Gebrauchtwagenmarkt entwickelte sich mit einem Plus von 2,6 Prozent erneut deutlich besser als der Neuwagenmarkt: „Privatleute entscheiden sich derzeit eher für einen günstigeren Gebrauchtwagen als für einen Neuwagen – ein Grund dürfte die konjunkturelle Lage sein“, sagt Fuß.
- Rückläufige Entwicklung in Europa. Im Oktober ergibt sich beim Blick ins Ausland kein klares Bild: Die Neuwagenverkäufe gehen nach einer Beruhigung des Marktes im September wieder spürbar zurück.
- In Spanien wurde ein deutliches Minus von 21,0 Prozent verzeichnet, in Frankreich sanken die Neuzulassungen um 9,5 Prozent. Österreich verzeichnete einen Rückgang von 3,1 Prozent, Italien um 0,3 Prozent.
„Die Lage auf dem europäischen Neuwagenmarkt bleibt sehr angespannt. Vorübergehend schien es, als sei die Talsohle durchschritten, aber spätestens seit den massiven Lockdown-Maßnahmen etwa in Spanien und Frankreich ist klar, dass die Branche sich auf einen düsteren Winter einstellen muss“, sagt Fuß.
- Elektro boomt – so viele E-Autos verkauft wie noch nie: Die Einführung der „Innovationsprämie“ in Deutschland – also die Erhöhung der Förderung von Elektroautos durch den Bund von 3.000 auf 6.000 Euro macht Elektroautos preislich derzeit sehr attraktiv und führt zu einem enorm gestiegenen Interesse an diesem Segment. Der Absatz von Elektroautos hat sich im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat fast verfünffacht (plus 365 Prozent). Bei Plug-in-Hybriden lag das Plus bei 258 Prozent. Zusammen haben sich die Neuzulassungen elektrifizierter Neuwagen damit mehr als vervierfacht (plus 303 Prozent). Der gemeinsame Marktanteil stieg von 4,2 auf 17,5 Prozent – ein neuer Rekordwert. Etwa jeder sechste im September neu zugelassene Pkw hatte also einen elektrischen Antrieb. Auch in absoluten Zahlen lag der Absatz elektrifizierter Neuwagen mit gut 48.000 so hoch wie nie zuvor.
- „Die erheblichen Rabatte befeuern weiter den Boom bei elektrifizierten Neuwagen“, sagt Fuß. Er rechnet mit einer ähnlich starken Dynamik im weiteren Jahresverlauf und im kommenden Jahr. „Die Nachfrage ist größer als das Angebot, mit der Folge, dass Interessenten teils sehr lang auf ihren Neuwagen warten müssen. Einen weiteren kräftigen Schub bekommt das Segment derzeit mit der Markteinführung neuer attraktiver Modelle. Der Elektro-Boom wird vorerst anhalten.“

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