SGVHT:  Gerhard Grandke –

„Wir werden die Pandemie überstehen“ –

„Überraschend gutes Ergebnis“

Gerhard Grandke – Foto: PK/ArchivFrankfurt/Main (8.3.21) – Für den geschäftsführenden Präsidenten des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, für Gerhard Grandke, war es eine Abschiedsvorstellung gewesen, die diesjährige Bilanz-Pressekonferenz seiner Organisation. Gerhard Grandke hört auf und schlüpft zum Jahresende aus seiner derzeitigen Rolle heraus. Umso breiter, spannender und bunter war die Bilanz, die Grandke in einer hybriden live- und online-Veranstaltung fürs vergangene Jahr vorlegte. Grandkes Essenz für das Corona-Jahr 2020 lautete: Die Sparkassen in Hessen und Thüringen sind bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. „2020 war ein hartes Jahr für uns alle. Unsere Sparkassen haben sich aber durchgebissen und einmal mehr als systemrelevant im besten Sinne erwiesen. Sie waren immer für ihre Kunden da und haben sie zuverlässig mit Bargeld und anderen Bezahlmöglichkeiten, mit Krediten und sonstigen finanzwirtschaftlichen Produkten und Dienstleistungen versorgt. Unsere Kunden wissen, dass sie sich stets auf uns verlassen können. Das hat sich wiederum positiv in unserem Kunden- und Bestandsgeschäft niedergeschlagen. Auch die Ertragsentwicklung ist besser ausgefallen als erwartet. Mit knapp 900 Mio. € hat das Betriebsergebnis vor Bewertung annähernd das Niveau des Vorjahres erreicht. Damit können wir angesichts der sehr schwierigen Rahmenbedingungen zufrieden sein“, resümierte Gerhard Grandke, der Geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen (SGVHT), im Rahmen der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Frankfurt am Main bzw. Erfurt den Geschäftsverlauf 2020.

Bilanzsumme macht dank starkem Kundengeschäft großen Sprung

Dank des deutlich ausgebauten Kundengeschäfts stieg die Bilanzsumme der 49 Mitgliedsinstitute des SGVHT insgesamt um 13,5 Mrd. € bzw. 10,2% auf 145,6 Mrd. €. Das Plus fiel damit doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Auf der Aktivseite konnten die Sparkassen im Kreditgeschäft mit Kunden an der überdurchschnittlich hohen Wachstumsrate von 2019 anknüpfen. Ihr Kreditbestand legte insgesamt um 4,6 Mrd. € bzw. 5,8% auf 83,7 Mrd. € zu (2019: +5,7%). Als besonders dynamisch erwies sich wieder das Geschäft mit Firmenkunden, bei denen die Kreditbestände um 2,4 Mrd. € bzw. 6,1% auf 41,6 Mrd. € nach oben gingen. Im Dienstleistungssektor verzeichneten viele Kunden wegen der Shutdowns einen hohen Liquiditäts- und Finanzierungsbedarf. Gleichzeitig gab es aber unter anderem in der gewerblichen Produktion und im Handwerk viele Betriebe, die sehr gut ausgelastet waren und ins Geschäft investierten. „Bei unseren Kreditzuwächsen handelt es sich also nicht um eine Corona-Scheinblüte, sondern um geerdetes, nachhaltiges Geschäft. Das macht ein Blick auf die Neuabschlüsse unserer Sparkassen mit Unternehmen und Selbstständigen deutlich. 95% der 2020 neu ausgezahlten oder zugesagten Mittel entfielen auf Darlehen mit mittel- bis langfristigen Laufzeiten, zu denen die Investitionskredite zählen. Lediglich 5% haben kurze Fristen“, erläuterte Grandke.

Neukreditgeschäft mit starken Zuwächsen

Im Neukreditgeschäft konnten die Sparkassen kräftige Zuwächse verbuchen. Ihre Darlehenszusagen und -auszahlungen erhöhten sich um jeweils gut 12% auf 16,7 Mrd. € bzw. 15,3 Mrd. €. Bei den Firmenkunden lag das Plus bei über 13% bzw. knapp 11%. „In diesem Segment haben unsere Institute auf Jahressicht 8,6 Mrd. € an neuen Darlehen zugesagt und 7,8 Mrd. € ausgezahlt. Darüber hinaus haben sie öffentliche Corona-Kredite von rund 850 Mio. € an Unternehmen durchgeleitet. Diese Relationen unterstreichen ganz deutlich, dass unsere Sparkassen im Kreditgeschäft selbst in die Bütt gegangen sind. Sie haben die Kredite und damit auch die Risiken ganz überwiegend in die eigenen Bücher genommen“, hob Grandke hervor. Kreditgeschäft mit Privaten und Öffentlichen wächst ebenfalls Auch in den anderen Kreditbereichen gingen die Bestände 2020 deutlich nach oben: bei den öffentlichen Haushalten um 204 Mio. € bzw. 5,3% auf 4,0 Mrd. €, bei den Privaten um 1,9 Mrd. € bzw. 5,6% auf 35,4 Mrd. €. Im Privatkundensegment waren wie in den Vorjahren die Wohnungsbaukredite die Treiber der Hausse. Dort verbesserten sich die Bestände um 2,1 Mrd. € bzw. 6,9% auf 32,0 Mrd. €.

 

Unfreiwilliges Sparen treibt Kundeneinlagen

Auf der Passivseite stiegen die Kundeneinlagen bei den Sparkassen 2020 um 8,6 Mrd. € bzw. 8,2% auf 112,9 Mrd. €. Da viele Menschen coronabedingt nur wenig Gelegenheit hatten, Geld auszugeben, erreichte die Sparquote zeitweise 21%. Durch das unfreiwillige Sparen wurde auch der Trend zur kurzfristigen Anlage verfestigt. „Die Kunden legen ihr Geld vorzugsweise nicht auf die ganz hohe Kante. Sie halten es lieber auf Tagesgeldkonten. Denn da haben sie es sofort parat, wenn die stationäre Konsumwelt wieder öffnet und größere Reisen möglich sind“, erklärte Grandke. Die bei den Sparkassen angelegten Tagesgelder stiegen um 13,0%. Wenig gefragt waren dagegen Termingelder (-22,8%), Eigenemissionen (-12,6%) und Spareinlagen (-2,4%). Wertpapiergeschäft bei Sparkassenkunden immer beliebter Die fehlenden Einlagenzinsen haben dafür gesorgt, dass immer mehr Sparkassenkunden das Wertpapiergeschäft entdecken. Im Gebiet des SGVHT erhöhten sich die Wertpapierkäufe 2020 um 25,9% auf 8,6 Mrd. €. Der Fokus lag dabei eindeutig bei Aktien und Investmentfonds. Die Verkäufe von Kunden legten um 18,1% auf 6,7 Mrd. € zu. Der Nettoabsatz als Saldo von Käufen und Verkäufen verbesserte sich um etwa zwei Drittel auf 1,8 Mrd. € Sparkassen stärken Eigenmittel weiter Trotz der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage konnten die Sparkassen in Hessen und Thüringen auch 2020 wieder ihre Eigenkapitalausstattung verbessern. Die Eigenmittel stiegen um 3,9% auf 13,7 Mrd. €. Davon entfielen 12,7 Mrd. € auf das Kernkapital. Zum 31. Dezember 2020 lag die Gesamtkapitalquote bei 19,9% und die Kernkapitalquote bei 18,5%. „Unsere Sparkassen sind also sehr gut kapitalisiert. Das ist in Krisenzeiten, wie wir sie gerade erleben, sehr hilfreich. Es macht uns stark und stabil“, hob Grandke hervor.

Sparkassen halten Ertragslage trotz Corona praktisch stabil

Den Sparkassen in Hessen und Thüringen ist es 2020 gelungen, ihre Ertragslage trotz der Corona-Krise weitgehend stabil zu halten. Zwar sank der Zinsüberschuss nicht zuletzt wegen des faktischen Ausschüttungsverbots der EZB für die Landesbank Hessen-Thüringen und die DekaBank um 92 Mio. € bzw. 4,4% auf etwa 2,0 Mrd. €. Dagegen verbesserte sich der Provisionsüberschuss um 28 Mio. € bzw. 3,4% auf 846 Mio. €. Für Entlastung sorgte auch der Verwaltungsaufwand. Er reduzierte sich um 43 Mio. € bzw. 2,1% auf knapp 2 Mrd. €. Betriebsergebnis vor Bewertung geht nur moderat zurück In der Summe ging das Betriebsergebnis vor Bewertung moderat um 22 Mio. € bzw. 2,4% auf knapp 900 Mio. € zurück. „Das ist in diesen schwierigen Zeiten ein überraschend gutes Ergebnis. Es unterstreicht, dass das System Sparkasse im Krisenbetrieb auch auf der Ertragsseite resilient ist. Unsere Institute haben einen Teil des Betriebsergebnisses wieder in die Dotierung ihrer Vorsorgereserven gesteckt. Der Betrag fiel mit 166 Mio. € zwar niedriger aus als 2019 (377 Mio. €). Es ist aber gut, dass wir unser Eigenkapital auch in dieser schwierigen Zeit stärken, soweit das möglich ist“, erklärte Grandke. Betriebsergebnis nach Bewertung sinkt auf 733 Mio. € Das Betriebsergebnis nach Bewertung lief 2020 bei 733 Mio. € aus. Das waren 190 Mio. € bzw. 20,6% weniger als im Vorjahr. Für das Minus zeichnete vor allem das Bewertungsergebnis im Wertpapierbereich verantwortlich. Dort verwandelten sich die Zuschreibungen des Vorjahres von 60 Mio. € in Abschreibungen von 85 Mio. €. Die Häuser erhöhten zudem ihre Risikovorsorge im Kreditbereich, die mit 80 Mio. € knapp doppelt so hoch wie im Vorjahr lag. „Letztes Jahr gab es wenige Insolvenzen, weil Teile der Wirtschaft wegen der Shutdowns unter staatlichem Schutz und Schirm standen. Ich gehe davon aus, dass es im laufenden Jahr zu mehr Insolvenzen und Kreditausfällen kommen wird. Derzeit gibt es aber keine Anzeichen dafür, dass dies für unsere Sparkassen nicht beherrschbar sein sollte“, gab sich Grandke überzeugt. Nach Steuerzahlungen von 200 Mio. € und der Zuführung zu den Reserven lag das Jahresergebnis der Sparkassen in Hessen und Thüringen 2020 mit 223 Mio. € um 7,6% niedriger als im Vorjahr. 2021: Rasche Rückkehr der Wirtschaft auf Wachstumspfad nach Shutdown wahrscheinlich Die Geschäftstätigkeit der Sparkassen wird auch in diesem Jahr vom weiteren Verlauf der Pandemie und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängen. „Die Substanz der deutschen Wirtschaft ist intakt. Ich bin deshalb überzeugt, dass sie nach dem Ende des Shutdowns schnell wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren wird. Wir werden dann beim Konsum und den Investitionen erhebliche Nachholaktivitäten erleben. Das wird die Nachfrage bei den Krediten hochhalten und die Einlagenbestände unserer Sparkassen zumindest mittelfristig entlasten. Ertragsseitig bleiben die Auswirkungen von Corona für uns verkraftbar. Allerdings müssen wir weiter hart an den Dauerherausforderungen wie der Niedrigzinsphase oder der Digitalisierung arbeiten. Sie sind durch Corona nicht verschwunden“, schloss Grandke.

 

Kein gutes Haar ließ Gerhard Grandke an der dauerexpansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). „Was das Zinsniveau anbelangt, leben Banken und Sparer schon seit Jahren in der Welt des Schmerzes. Und diese Welt des Schmerzes wird noch lange anhalten. Die Hoffnung auf eine Zinserhöhung ist spätestens mit der Corona-Krise utopisch geworden. Die Zinsen werden deshalb auf unabsehbare Zeit niedrig bleiben.“ Vor kurzem habe EZB-Chefvolkswirt Lane klargemacht, dass die Leitzinsen im Euroraum noch nicht die Untergrenze erreicht hätten und es noch Raum für weitere Kürzungen gebe. Für die Kreditwirtschaft sei das eine schlechte Nachricht. Denn der EZB-Negativzins belaste sie schon heute immens. Problematisch seien vor allem die diversen Anleihekaufprogramme der EZB, die gerade einlagenstarken Instituten immer weniger sichere und zugleich rentable Anlagemöglichkeiten übriglasse. Die EZB-Politik der offenen Schleusen wirke sich nicht nur auf die Kreditwirtschaft negativ aus. Zwar sei von einer Verbraucherpreisinflation wegen der coronabedingten Zurückhaltung bei Konsum und Investitionen noch wenig zu sehen. Das bedeute allerdings nicht, dass es überhaupt keine Inflation gebe: „Auch für monetäre Liquidität gilt die alte Weisheit: ‚Wasser sucht sich seinen Weg.‘ Wir erleben, dass viel überschüssiges Geld in Vermögenswerte wie Immobilien, Aktien, Edelmetalle, Alkoholraritäten, alte und neue Meister und sonstige Preziosen strömt. Dort gehen die Preise längst durch die Decke“, beklagte Grandke.

Liquiditätsschwemme hat negative Verteilungswirkung

Die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken richte langfristig in der Verteilungswirkung gravierende gesellschaftliche Verwerfungen an. Nutznießer der Vermögenspreisinflation seien die Reichen und Vermögenden, die von den jährlichen Wertsteigerungen profitierten. „Wer schon hat, bekommt noch mehr. Die anderen schauen in die Röhre und können sich in manchen Regionen nicht einmal mehr eine Eigentumswohnung leisten. Das ist eine Entwicklung, die ich mit Sorge sehe. Es mehren sich die Anzeichen, dass die Geldpolitik die Akzeptanz in der Bevölkerung verliert. Laut einer EZB-Umfrage haben mehr als die Hälfte der Befragten Kritik an den niedrigen Zinsen geäußert – im Euroraum wohlgemerkt, nicht nur in Deutschland“, stellte Grandke klar. Verschärfte Regulierung wirkt in Krise teilweise prozyklisch Die Corona-Pandemie habe außerdem die Tücken einer verschärften Regulatorik offengelegt. „Es ist jetzt genau das passiert, wovor wir seit langem warnen. In einer Krise wirken bestimmte regulatorische Elemente prozyklisch und damit als Brandbeschleuniger. Wenn notleidende Risikopositionen tatsächlich wie geplant schneller von den kreditwirtschaftlichen Eigenmitteln abgezogen werden müssen, schränkt das die Möglichkeiten der Institute zur Kreditvergabe ein und erschwert diese. Wir brauchen hier mehr Flexibilität. Der Hessische Finanzminister hat einen Schwellenwert vorgeschlagen, bis zu dem Institute notleidende Kredite halten dürfen. Das ist ein praktikabler Weg. Denn so können die Sparkassen wirtschaftlich sinnvolle, mittelfristige Sanierungen begleiten und ihren Kunden zur Seite stehen“, hob Grandke hervor. Meldewesen á la Petersburger Hängung: möglichst viel und dicht Es sei zu begrüßen, dass die EU-Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden der europäischen Kreditwirtschaft wegen der Corona-Pandemie zahlreiche Erleichterungen im aufsichtsrechtlichen Rahmenwerk und vor allem auch in der Verwaltungspraxis bewilligt hätten. Wenig Erleichterung sei allerdings in dem Bereich zu spüren, der besonders die kleineren Institute plage: dem Meldewesen. „Hier scheint weiter das Ordnungsprinzip der Petersburger Hängung zu gelten: möglichst viel und dicht! Es kommen immer wieder neue Meldeanforderungen und administrative Belastungen hinzu, zuletzt das Covid-19-Meldewesen oder die Bundesbank-Verordnung für das Meldewesen für Wohnimmobilienfinanzierungen, durch die ein riesiges Datenmonster entsteht. Warum man ausgerechnet in einer Zeit, in der die Krisenbewältigung absolute Priorität haben sollte, die Kreditwirtschaft mit neuer Bürokratie belasten muss, ist mir ein Rätsel“, gab Grandke zu bedenken. Mit dem Bankenpaket habe die Europäische Bankenaufsicht EBA den Auftrag erhalten, den Meldeaufwand vor allem für kleine und nicht komplexe Institute um 10 bis 20% zu senken. „Die EBA nimmt diesen Auftrag auch ernst. Sie hat als ersten Schritt eine Kostenstudie zum Meldeaufwand initiiert, an der auch Sparkassen teilgenommen haben. Welche Schlussfolgerungen die EBA daraus ziehen wird, bleibt abzuwarten. Aus unserer Sicht hilft letztendlich nur eines: Der Meldeaufwand muss deutlich reduziert werden“, forderte Grandke. Corona treibt Digitalisierung – auch bei den Sparkassen Corona habe auch bei den Sparkassen einen Digitalisierungsschub bewirkt. Das gelte für den Zahlungsverkehr, das Online-Banking, aber auch für die Filialnutzung und die Beratung. „Viele Kunden haben gemerkt, dass sie auch jenseits der Filiale schnell und komfortabel Kontakt zu ihrer Sparkasse aufnehmen können. Sie haben erlebt, dass auch per Telefon, Video oder Chat eine persönliche Beratung möglich ist. Diese Erfahrung wird nicht ohne Folgen bleiben. Dieses Rad wird nach der Pandemie nicht mehr völlig zurückgedreht werden“, gab sich Grandke überzeugt.

Filiale bleibt Anker der Multikanalstrategie

Diese Entwicklung bedeute aber nicht das Aus für die klassische Filiale. „Unsere Kunden möchten die Filialen behalten, auch wenn sie sie immer seltener nutzen. Außerdem ist die Filiale der Anker unserer Multikanalstrategie. Sie grenzt uns von den Online- und Neobanken ab und symbolisiert unsere regionale Verwurzelung: Sie zeigt, dass wir für unsere Kunden vor Ort da sind – gerade auch in einer Großkrise, wie wir sie derzeit erleben“, hob Grandke hervor. Sparkassen als Prototyp nachhaltiger Unternehmen Auch der Trend zur Nachhaltigkeit beschäftige die Institute immer stärker: „Das war für uns schon immer ein Thema. Schließlich stellen Sparkassen mit ihrem öffentlichen und auf die Region bezogenen Auftrag traditionell den Prototyp nachhaltiger Unternehmen dar. Inzwischen hat das Thema aber nicht zuletzt durch den stärkeren Fokus auf den ökologischen Aspekt noch einmal deutlich an Breite und Tiefe gewonnen. Wir gehen das Thema Nachhaltigkeit daher noch aktiver an.“ So hätten sich der DSGV und die Regionalverbände mit dem strategischen Zielbild 2025 zur Nachhaltigkeit in Sparkassen auf ein gemeinsames Grundverständnis geeinigt. Es gehe von Sparkassen aus, die in ihrem eigenen Geschäftsbetrieb mit den natürlichen Ressourcen sorgsam umgingen und das auch in ihrem Kreditgeschäft und bei ihrer Vermögensanlage berücksichtigten. Die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen habe dieses Ziel in ihrer Verbundstrategie weiter konkretisiert. Im Verbandsgebiet des SGVHT hätten bereits mehr als die Hälfte der Institute die Selbstverpflichtung auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens unterschrieben. „Sie verpflichten sich, weniger CO2 auszustoßen und nachhaltiger zu wirtschaften und auch ihre Kundschaft bei diesem Ziel zu unterstützen. Die Häuser, die bislang noch nicht gezeichnet haben, möchten erst eine Bestandsaufnahme machen. Sie gehen von einem späteren Zeichnungstermin aus. Das zeigt, dass die Sparkassen die Selbstverpflichtung und die damit verbundenen Ziele sehr ernst nehmen“, erklärte Grandke. Auch auf der Produktseite seien die Mitgliedsinstitute des SGVHT gerüstet. Ihr Neugeschäftsvolumen bei den nachhaltigen Förderfinanzierungen habe sich im Vergleich zu 2019 auf knapp 600 Mio. € fast verdoppelt. Im Anlagebereich könnten die Institute auf immer mehr nachhaltige Produkte von Verbundpartnern zurückgreifen und ihrer Kundschaft anbieten. In der Anlageberatung fragten bereits heute etliche Sparkassen regelmäßig bei ihren Kunden aktiv nach, ob Interesse an nachhaltigen Wertpapieren bestehe. Obwohl die regulatorische Pflicht zu einer solchen Abfrage wahrscheinlich erst 2022 in Kraft trete, werde das ab dem 1. Mai 2021 von allen Sparkassen praktiziert. Damit nehme die Sparkassenorganisation eine Vorreiterfunktion ein. Grandke wandte sich gegen die Kritik, dass die Sparkassen das Thema Nachhaltigkeit nicht schnell und intensiv genug umsetzen würden. „Mich stört, dass sich diese Kritik oft an einem idealisierten Zielbild ausrichtet, das der realwirtschaftlichen Verantwortung der Sparkassen nicht gerecht wird. Wir möchten in der Region für alle da sein. Deshalb handeln wir nicht nach der Devise: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, alle unsere Kunden bei der Transformation und bei ihrem Weg in Richtung Nachhaltigkeit zu begleiten und zu unterstützen“, betonte Grandke.