Frankfurt/Main (17.3.21) – Die erhoffte Erholung auf dem EU-Neuwagenmarkt lässt weiter auf sich warten: EU-weit sanken die Neuzulassungen im Februar gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 19 Prozent, nachdem sie im Januar bereits um 24 Prozent geschrumpft waren.

Erneut verzeichneten alle großen europäischen Märkte kräftige Einbußen, wobei Italien mit einem Minus von 12 Prozent noch vergleichsweise am besten abschnitt. In Deutschland schrumpfte der Absatz um 19 Prozent, in Frankreich um 21 Prozent, in Spanien sogar um 38 Prozent. Im Nicht-EU-Land Großbritannien lag das Minus bei 36 Prozent.

„Die Pandemie bestimmt nach wie vor die Lage auf dem Neuwagenmarkt“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Die Schließung der Showrooms in vielen Ländern, die erheblichen konjunkturellen Unsicherheiten, steigende Arbeitslosenzahlen – all das belastet den Markt massiv und nachhaltig.“ Der derzeitige Anstieg der Infektionszahlen in vielen europäischen Ländern sei eine weitere schlechte Nachricht – auch für den Neuwagenmarkt, so Fuß: „Die Pandemie ist noch lange nicht vorüber. Sollte es weitere Lockdowns geben, werden diese erneut zu Absatzeinbußen führen. Selbst wenn wir im März eine vorübergehende Verbesserung der Lage auf dem Neuwagenmarkt sehen, spricht einiges dafür, dass es im April aufgrund neuer Maßnahmen erneut zu deutlichen Rückgängen kommen kann. Gerade für den Autohandel ist die Situation somit enorm schwierig. Zwar besteht nach wie vor Grund zur Hoffnung, dass eine erfolgreiche Impfkampagne ab Mitte des Jahres zu einer Normalisierung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens  führen wird und der enorme Nachholbedarf auch eine kräftig steigende Nachfrage nach Neuwagen mit sich bringen wird. Allerdings nehmen auch die Sorgen vor nachhaltigen, strukturellen Schäden zu. Gleichzeitig erhöht sich der Konsolidierungsdruck im Autohandel – er befindet sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess, der durch die Pandemie nochmals stark beschleunigt wurde.“

Elektro schwächelt vorübergehend

Wie schon im Januar war die Wachstumsdynamik bei elektrifizierten Neuwagen auch im Februar deutlich geringer als in den letzten Monaten des Vorjahres. Im Februar war in den Top-5-Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) knapp jeder achte neu zugelassene Pkw entweder ein E-Auto oder ein Plug-in-Hybrid, der gemeinsame Marktanteil lag bei 13,0 Prozent. Im Dezember war noch jeder fünfte Neuwagen ein Elektroauto bzw. Plug-in-Hybrid (Marktanteil 19,9 Prozent).

Im Vergleich zum Vorjahresmonat (Februar 2020) ergibt sich in den Top-5-Märkten bei Elektroautos ein vergleichsweise schwaches Absatzwachstum von 43 Prozent (Dezember: plus 465 Prozent), bei Plug-in-Hybriden lag das Plus immerhin bei 146 Prozent (Dezember: plus 447 Prozent). In Frankreich und Spanien ging die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos – wie schon im Januar – sogar zurück: um 11 (Frankreich) bzw. 42 Prozent (Spanien).

„Bei Elektroautos gibt es derzeit eine Wachstumsdelle, die teils auf den Boom zum Jahresende teils auch auf Lieferschwierigkeiten zurückzuführen ist“, sagt Fuß. Er rechnet aber damit, dass das Elektro-Segment in den kommenden Monaten wieder deutlich stärker wachsen wird: „Der Absatz von Elektroautos und Plug-in-Hybriden wird spätestens ab Mitte des Jahres nochmal deutlich an Fahrt gewinnen. Dafür werden auch die neuen Modelle sorgen, die für den weiteren Jahresverlauf angekündigt sind und die das Kundeninteresse nochmals anfachen werden.“

Verbrenner stehen gleichzeitig weiter massiv unter Druck: Während Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammen in den Top-5-Märkten um 85 Prozent (gegenüber Februar 2020) zulegten, verzeichneten Benziner und Selbstzünder Rückgänge um 39 bzw. 41 Prozent. Der kombinierte Marktanteil traditioneller Verbrenner schrumpfte von knapp 83 auf 64 Prozent.

Unsicherer kurzfristiger Ausblick – aber Nachholbedarf enorm

Kurzfristig rechnet Fuß bei den Absatzzahlen in Europa mit einem volatilen Verlauf auf niedrigem Niveau. „In vielen Ländern gibt es geschlossene Autohäuser, Ausgangssperren, massive Umsatzeinbußen in vielen Wirtschaftszweigen. Das bremst den Neuwagenabsatz erheblich. Auch die aktuellen Engpässe bei der Chip-Produktion belasten den Markt.“ Seriöse Prognosen seien derzeit kaum möglich, denn alles hänge von der weiteren Entwicklung der Pandemie und dem Erfolg der aktuellen Impfkampagnen ab, bei der es auch immer wieder zu Rückschlägen kommen könne. „Aber es gibt Grund zu Zuversicht“, sagt Fuß. „Sobald die Infektionszahlen tatsächlich wie erhofft sinken und Einschränkungen gelockert oder aufgehoben werden, dürften sich die Konjunktur und damit auch der Neuwagenmarkt kräftig erholen. Der Nachholbedarf ist enorm.“ Fuß rechnet damit, dass weder in der EU noch in Deutschland beim Neuwagenabsatz das Vorkrisenniveau erreicht werde, so Fuß: „Selbst im günstigsten Szenario wird der Neuwagenabsatz nicht das Niveau des Jahres 2019 erreichen.“