ING Deutschland zum Digitalen Banking: Immer noch Potenzial von über 20 Millionen Nutzerinnen und Nutzern

Frankfurt/Main (22.3.21) – Digitales Banking hat durch die Corona-Pandemie einen zusätzlichen Schub erhalten. So haben 2020 drei Millionen Menschen mehr als im Vorjahr ihre Bankgeschäfte über das Internet sowie eine Banking-App getätigt. Das entspricht einem Wachstum von vier Prozentpunkten.
Zugleich wird deutlich, dass digitales Banking seinen Höhepunkt in

Deutschland noch lange nicht erreicht hat. Vielmehr ergibt sich laut

Studie der ING Deutschland gemeinsam mit Barkow Consulting ein

zusätzliches Potenzial von 20,8

Millionen weiteren Nutzerinnen und Nutzern.

 

Trotz Wachstumsschub weiteres Potenzial

 

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Wachstum digitalen Bankings

2020 fast verdoppelt. Insgesamt wuchs die Zahl der Nutzerinnen und

Nutzer auf 46,8 Millionen. Die Nutzungsrate stieg im

Vorjahresvergleich um vier Prozentpunkte auf 65 Prozent. Im

europäischen Gesamtvergleich landet Deutschland damit nur noch auf

Rang 15. 2007 war es immerhin noch Rang sieben.

 

Blickt man auf die führenden Länder in Europa, offenbart sich noch

erhebliches Wachstumspotenzial für den deutschen Markt. So betrug die

Nutzung in Dänemark 2020 bereits 94 Prozent; der Spitzenreiter

übertrifft Deutschland damit um 29 Prozentpunkte. Unterstellt man für

Deutschland dieselbe Nutzungsrate, ergibt sich ein zusätzliches

Potential von 20,8 Millionen Menschen.

 

Einkommen, Bildung und Alter entscheidend

 

Die Beliebtheit von filiallosem Banking steigt mit dem Einkommen:

Während Haushalte mit niedrigerem Einkommen digitales Banking nur zu

49 Prozent nutzen, steigt dieser Wert mit höherem Einkommen bis auf

77 Prozent an. Das größte Wachstumspotenzial ergibt sich entsprechend

in der Bevölkerungsgruppe mit dem niedrigsten Einkommen. „Um dieses

Potenzial zu heben, braucht es passende Angebote, die auf die

Erwartungen dieser Bevölkerungsgruppe zugeschnitten sind. Gerade bei

vergleichsweise niedrigen

Einkommen sollten die finanziellen und organisatorischen

Einstiegshürden minimal sein. Eine Kombination aus attraktiven Kosten

und schlanken Prozessen ist hierbei erfolgsentscheidend“, sagt Jürgen

von der Lehr, Head of Strategy and Business Development bei der ING

Deutschland. „Je einfacher und intuitiver den Menschen ihre Bank

begegnet, umso leichter fällt der Zugang. Banken sollten aufklären

und befähigen, damit Menschen selbstbestimmt ihre Geldangelegenheiten

managen können.“

 

Gerade der Aspekt der finanziellen Bildung ist von zentraler

Bedeutung. Haushalte mit einem eher niedrigen Bildungsabschluss

tätigen Bankgeschäfte online und über App lediglich zu 42 Prozent,

während höher gebildete Haushalte mit 83 Prozent auf eine fast

doppelt so hohe Nutzungsrate kommen. Entsprechend bestehen die besten

Wachstumsperspektiven in der Zielgruppe mit eher niedrigem

Bildungsniveau.

 

Die Analyse entlang der Altersstruktur ergibt ein differenziertes

Bild. Die niedrigste Nutzungsrate findet sich mit lediglich 39

Prozent bei den über 65-Jährigen. Dabei nutzen wesentlich mehr

Personen dieser Altersgruppe das Internet: So lag laut Statistischem

Bundesamt der Anteil der Internet-Nutzerinnen und Nutzer im Jahr 2020

bei den über 65-Jährigen bei immerhin 69 Prozent. Auch ein Vergleich

mit dem Höchstwert des EU-Spitzenreiters im digitalen Banking

offenbart erhebliche Unterschiede: In

Dänemark liegt der Anteil bei den über 65-Jährigen bei 86 Prozent –

also 47 Prozentpunkte mehr als in Deutschland.

 

Das höchste absolute Wachstumspotenzial ergibt sich mit 4,8 Millionen

zusätzlichen Nutzerinnen und Nutzern laut der Studie in der Gruppe

von 55 bis 64 Jahren. „Um dieses Potenzial zu heben, kommt es

insbesondere darauf an, das Vertrauen dieser Altersgruppen in die

Sicherheit von digitalem Banking zu gewinnen“, erläutert Christiane

Fritsch, Leiterin Digital Leadership bei der ING Deutschland.

 

Bargeldversorgung: flexibler und zugleich unabhängiger von

Bankfilialen

 

Die Zunahme des digitalen Bankings ist stark getrieben von dem

Bedürfnis, über finanzielle Angelegenheiten selbständig und flexibel

zu entscheiden. „Es passt nicht mehr in den Zeitgeist unserer

modernen Gesellschaft, dass man zur Bargeldversorgung auf den

nächsten Geldautomaten angewiesen ist. Wir sehen einen

grundsätzlichen Wandel im Verhalten und den Anforderungen unserer

Kundinnen und Kunden“, erläutert Jürgen von der Lehr. So ist die

traditionelle Bargeldinfrastruktur, also Kassen in

Bankfilialen und Geldautomaten, laut Studie in fünf Jahren um 25

Prozent zurückgegangen.

 

Dieses Minus wird jedoch durch den Einzelhandel mehr als kompensiert.

Dieser bietet seit Anfang des Jahrtausends die Auszahlung von Bargeld

in Verbindung mit einem Einkauf an. Mittlerweile existieren

schätzungsweise 109.000 Kassen als Bargeldauszahlungsstellen im

Einzelhandel. Ihre Anzahl ist in fünf Jahren um rund 61 Prozent oder

über 40.000 angestiegen. Das Bargeld-Versorgungsnetz ist insofern

engmaschiger geworden und hat sich den heutigen Anforderungen

angepasst.

 

Ohnehin nimmt die Bedeutung des Bargelds im Zahlungsprozess stetig

ab. Auch hier wirkt Corona wie ein Katalysator: So ist bei Kundinnen

und Kunden der ING der Bedarf an Bargeld als Zahlungsmittel 2020

gesunken, auch wenn laut einer früheren ING Studie (https://www.ing.d

e/ueber-uns/presse/pressemitteilungen/corona-pandemie-treibt-im-marz-

schatzungsweise-zusatzliche-6-mrd.-euro-bargeld-in-die-deutschen-port

emonnaies/) der Bargeldbestand in Deutschland weiter steigt. Deutlich

beliebter werden

Kartenzahlungen. Eine bemerkenswerte Entwicklung, waren doch die

Gelegenheiten durch die zeitweise sehr umfassenden Corona-bedingten

Einschränkungen seltener als in den Vorjahren. Bei der ING sind

mittlerweile mehr als 80 Prozent der Kreditkartenzahlungen im

stationären Handel kontaktlos. Und bei jedem dritten Einkauf wird

bereits mit dem Smartphone anstatt mit der physischen Kreditkarte

bezahlt.

 

„Der Aufstieg des digitalen Bankings, die grundlegende Veränderung

der Bargeld-Infrastruktur und die Zunahme kontaktlosen Bezahlens

spiegeln das zeitgemäße Nutzungsverhalten. Menschen erwarten heute

insgesamt mehr Flexibilität und Individualität, das macht auch vor

Bankgeschäften nicht Halt. Sichtbar wird dieser Anspruch in den

deutlich gestiegenen Nutzungszahlen im Mobile Banking über unsere App

„, sagt Christiane Fritsch.

 

Statistische Datenbasis

 

Die ING-Studie Digitales Banking in Deutschland analysiert die

Entwicklung der Nutzung digitalen Bankings im Zeitverlauf im

Vergleich zu anderen Ländern; ebenso entlang demographischer Faktoren

sowie nach Bildungsstand und Einkommen. Die statistische Datenbasis

stammt von Eurostat sowie dem Statistischen Bundesamt. Nutzung

digitalen Bankings ist definiert als Nutzung des Internets (inklusive

App) für Bankgeschäfte in den letzten drei Monaten. Die Daten

beziehen sich auf die Alterskohorte von 16

bis 74 Jahren. Eurostat definiert die Einkommensquintile aufsteigend.

Um der in Deutschland üblicheren Verwendung gerecht zu werden, wurden

sie für diese Studie absteigend verwendet.

 

Zur Schätzung der Bargeldauszahlungsstellen wurde auf Daten der

Deutschen Bundesbank, der Bankenverbände, des EHI Retail Institutes

sowie auf Pressemitteilungen zurückgegriffen. Die zuletzt verfügbaren

Daten zu Filialen und Geldautomaten beziehen sich auf das Jahr 2019.