Ernst & Young EY: Deutscher Neuwagenmarkt deutlich unter Vorkrisenniveau – neue Lieferengpässe werden Markterholung verzögern
Frankfurt/Main (3.3.22) – Die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt im Februar 2022: Auch im Februar lagen die Pkw-Neuzulassungen – wie schon im Januar – zwar über dem sehr niedrigen Vorjahresniveau, aber deutlich niedriger als vor der Pandemie: Gegenüber Februar 2021 wurde ein Wachstum von 3 Prozent registriert, gegenüber Februar 2019 hingegen ein Rückgang um 25 Prozent.
- In anderen wichtigen EU-Märkten entwickelten sich die Neuzulassungen überwiegend negativ: In Italien, Österreich und Frankreich wurden Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich ausgewiesen (um 22, 19 bzw. 13 Prozent). In Spanien zogen die Neuzulassungen hingegen leicht – um 7 Prozent – an. In allen Märkten ist das Vorkrisenniveau allerdings in weiter Ferne: Im Februar dieses Jahres lagen die Neuzulassungen durchweg etwa ein Drittel niedriger als im Februar 2019.
- „Wir befinden uns nun im dritten Krisenjahr – und immer neue unvorhergesehene Ereignisse und Krisen führen zu immer neuen Marktturbulenzen. Nachdem zu Beginn der Pandemie zunächst Lockdown-Maßnahmen wie die Schließung der Autohäuser zu massiven Absatzeinbrüchen führten, sind derzeit der Chipmangel und Lieferketten-Probleme für massive Lieferengpässe verantwortlich. Eine baldige Markterholung ist angesichts der jüngsten geopolitischen Zuspitzungen noch unwahrscheinlicher geworden: Aktuell kommt es zu gravierenden Lieferengpässen bei Rohstoffen und Zwischengütern, die zur Folge haben, dass in einigen Automobilwerken die Produktion ruht. Weitere Preissteigerungen und noch längere Lieferzeiten dürften die Folge sein.“
- Bis auf Weiteres werden die Hersteller nach Fuß‘ Einschätzung soweit möglich weiterhin vor allem große, margenstärkere Modelle und elektrifizierte Fahrzeuge produzieren.
- Wachstum beim Absatz elektrifizierter Neuwagen verlangsamt sich: Die Neuzulassungen reiner Elektroautos sind im Februar um 55 Prozent gestiegen. Der Marktanteil kletterte von 9,4 auf 14,1 Prozent.
- Bei Plug-in-Hybriden wurde gegenüber dem Vorjahr hingegen ein Rückgang um 1,4 Prozent verzeichnet, der Marktanteil sank von 11,3 auf 10,8 Prozent.
- Beide Antriebsformen zusammen verzeichneten somit einen Anstieg der Neuzulassungen um 24 Prozent, der gemeinsame Marktanteil lag bei 24,9 Prozent und damit leicht über dem Vorjahreswert von 20,7 Prozent, allerdings deutlich unter dem Wert von Dezember 2021 (35,7%), der den bisherigen Höchststand markiert.
- „Auch die Produktion von Elektroautos leidet unter den Lieferengpässen – zumal Elektroautos noch mehr Chips benötigen als Fahrzeuge mit einem Verbrennermotor“, sagt Peter Fuß. „Es könnten deutlich mehr Elektroautos und Plug-in-Hybride verkauft werden, wenn die Materialknappheit nicht auch hier zu Produktionsausfällen führen würde, die sich in den kommenden Monaten sogar noch verstärken dürften.“
- Im Februar lag die Zahl der elektrifizierten Neuwagen (Elektroautos und Plug-in-Hybride) über dem Niveau der neu zugelassenen Diesel-Fahrzeuge. Der Diesel-Marktanteil schrumpfte von 25 auf knapp 21 Prozent, während etwa 25 Prozent der neu zugelassenen Pkw per Stecker geladen werden können.
Eine Prognose für den Pkw-Absatz in Deutschland im Jahr 2022 sei derzeit nicht möglich, sagt Fuß: „Es wird an vielen Stellen Produktionsanpassungen und -unterbrechungen geben, weil Zulieferteile fehlen. Zulieferer und Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran, den Versorgungslücken zu begegnen. Aber es wird zum Teil Monate dauern, neue Kapazitäten an anderen Standorten aufzubauen. Vorläufig bleibt die Branche im akuten Krisenmodus.“

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