Ernst & Young EY:

Starker Abwärtstrend auf dem

deutschen Neuwagenmarkt

 Stuttgart (5.4.22) – Die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt im März 2022: Im März lagen die Pkw-Neuzulassungen deutlich – um gut 17 Prozent – unter dem Vorjahresniveau, aber um 12 Prozent über dem Niveau von März 2020. Damals hatten strikte deutschlandweite Lockdown-Maßnahmen zu einem massiven Einbruch der Neuzulassungen geführt. Im Vergleich zum Vorkrisenniveau (März 2019) ergibt sich hingegen ein Rückgang der Neuzulassungen um 30 Prozent.

  • Mit 241.330 neu zugelassenen Pkw wurde im vergangenen Monat das drittniedrigste Absatzniveau seit der deutschen Wiedervereinigung erzielt – bezogen auf den Monat März. Noch niedriger war die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland nur im März 2020 und im März 2012.
  • In anderen wichtigen EU-Märkten entwickelten sich die Neuzulassungen ebenfalls stark negativ: In der Schweiz sanken die Pkw-Neuzulassungen um 14 Prozent, in Frankreich um 19 Prozent, in Italien um 29 Prozent, in Österreich um 30 Prozent und in Spanien um 32 Prozent. In allen Märkten ist das Vorkrisenniveau somit in noch weitere Ferne gerückt.
  • „Die Produktionskrise in der Automobilindustrie hat sich in den letzten Wochen nochmal deutlich verschärft“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Chipmangel und Lieferketten-Probleme beschäftigen die Automobilindustrie ja schon länger. Nun kommen aber massive Lieferengpässe bei etlichen Rohstoffen und weiteren Zwischengütern hinzu, die zur Folge haben, dass in einigen Automobilwerken die Produktion ruht, während die Hersteller und Zulieferer fieberhaft nach kurzfristigen Lösungen suchen. Wir sehen derzeit weitere Preissteigerungen und noch längere Lieferzeiten. Ein Ende dieser Krise ist nicht abzusehen, die Branche fährt mehr denn je auf Sicht.“
  • Nun auch Absatz elektrifizierter Neuwagen rückläufig: Die Neuzulassungen reiner Elektroautos sind zwar im März um 14,5 Prozent gestiegen. Der Marktanteil kletterte von 10,3 auf 14,3 Prozent. Bei Plug-in-Hybriden wurde gegenüber dem Vorjahr hingegen ein Rückgang um 23,3 Prozent verzeichnet, der Marktanteil sank von 12,2 auf 11,3 Prozent.
  • Damit sanken die Neuzulassungen elektrifizierter Neuwagen in Summe um sechs Prozent, der gemeinsame Marktanteil stieg hingegen von 22,5 auf 25,6 Prozent.
  • „Die Krise macht auch vor Elektroautos nicht Halt. Auch dieses Segment leidet zunehmend unter den Lieferengpässen – zumal Elektroautos noch mehr Chips benötigen als Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor“, sagt Peter Fuß. „Nach wie vor gilt, dass deutlich mehr Elektroautos und Plug-in-Hybride verkauft werden könnten, wenn die Materialknappheit nicht auch hier zu Produktionsausfällen führen würde. Die Nachfrage ist anhaltend hoch und dürfte durch die hohen Spritpreise nochmal verstärkt werden.“
  • Im März lag die Zahl der elektrifizierten Neuwagen (Elektroautos und Plug-in-Hybride) erneut deutlich über dem Niveau der neu zugelassenen Diesel-Fahrzeuge. Der Diesel-Marktanteil schrumpfte von 22 auf knapp 19 Prozent, während etwa jeder vierte neu zugelassenen Pkw per Stecker geladen werden kann. „Der Diesel entwickelt sich zum Auslaufmodell, die Neuzulassungen sinken noch deutlich stärker als bei Benzinern“, beobachtet Fuß.

 

  • Eine Prognose für den Pkw-Absatz in Deutschland im Jahr 2022 sei nach wie vor unmöglich, sagt Fuß: „Es gibt derzeit an vielen Stellen Produktionsanpassungen und -unterbrechungen, weil Zulieferteile fehlen. Zulieferer und Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran, die Lieferketten wieder herzustellen und den erheblichen Versorgungslücken zu begegnen. Aber es kann Monate dauern, neue Kapazitäten an anderen Standorten aufzubauen. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht.“