Ernst & Young EY: EU-Neuwagenmarkt sinkt um ein Fünftel – vorläufig keine

Besserung zu erwarten 

Frankfurt/Main (20.4.22) – Der europäische Neuwagenmarkt befindet sich im Rückwärtsgang: Im März schrumpften die Pkw-Neuzulassungen in der EU im Vergleich zum Vorjahresmonat um 21 Prozent. Gegenüber dem Vor-Pandemieniveau (März 2019) ergibt sich sogar ein Rückgang um 34 Prozent. Weniger Autos wurden in der EU (seit der Osterweiterung) nur im März 2020, auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle, verkauft.

Neben der schon seit Monaten andauernden Chipkrise wirkten sich im März erstmals die Folgen des Krieges in der Ukraine und das Fehlen wichtiger Zulieferteile aus, so Peter Fuß, Partner bei EY: „Die erheblichen Engpässe bei Halbleitern und verschiedenen anderen Vorprodukten sowie Rohstoffen haben zur Folge, dass die Lieferfähigkeit bei den meisten Herstellern massiv beeinträchtigt ist. Mindestens bis Herbst dieses Jahres wird sich die Situation nicht wesentlich verbessern. Die Branche arbeitet zwar mit Hochdruck daran, fehlende Bauelemente und Rohstoffe von bisherigen Lieferanten aus der Ukraine und Russland durch andere Bezugsquellen zu ersetzen bzw. die Produktion an anderen Standorten hochzufahren – das braucht allerdings Zeit. Und auch der Chipmangel dürfte sich noch bis ins kommende Jahr hinein negativ auf die Autoproduktion auswirken. Für die Kunden heißt das: Die Verfügbarkeit von Neuwagen wird vorläufig beschränkt bleiben, die Lieferzeiten bleiben extrem lang, die Preise gehen weiter in die Höhe, auch auf dem Gebrauchtmarkt.“

Angesichts der massiven Probleme auf der Angebotsseite spielen derzeit mögliche Dellen auf der Nachfrageseite kaum eine Rolle, meint Fuß: „Die Inflation steigt, der Konjunkturaufschwung stockt, die Spritpreise liegen extrem hoch. Diese Faktoren könnten sich mittelfristig auf die Nachfrage auswirken, spielen aktuell aber für die Autobranche noch keine Rolle.“ Derzeit erscheine ein Rückgang der Neuzulassungen in der EU um etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr realistisch, so Fuß: „Es spricht viel dafür, dass der EU-Neuwagenmarkt im Jahr 2022 auf einen neuen historischen Tiefstand fallen wird.“

Elektro-Verkäufe steigen nur noch verhalten

Die Krise bei der Versorgung mit wichtigen Zulieferteilen bremst zunehmend auch die Absatzdynamik auf dem Markt für elektrifizierte Neuwagen, gerade bei Plug-in-Hybriden: Der Absatz von Elektroautos und Plug-in-Hybriden stieg in den fünf größten Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) im März nur noch um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nachdem im Februar noch ein Wachstum von 36 Prozent verzeichnet worden war.

Besonders stark abgebremst wurde die Wachstumsdynamik bei Plug-in-Hybriden. Deren Absatz schrumpfte im März um 18 Prozent, während bei reinen Elektroautos ein Plus von 31 Prozent verzeichnet wurde.

„Die Chipkrise hat längst das Elektrosegment erreicht – der Absatz elektrifizierter Neuwagen könnte deutlich höher sein, wenn die Industrie entsprechend lieferfähig wäre. Erschwerend kommt hinzu, dass in Elektroautos noch mehr Chips verbaut werden als in konventionellen Pkw, so dass der Elektro-Boom den Chipmangel noch verstärkt“, beobachtet Fuß.

Der Marktanteil elektrifizierter Neuwagen (Elektro und Plug-in-Hybride zusammen) stieg im März im Vergleich zum Vorjahresmonat in den Top-5-Märkten von 15,3 auf 20,4 Prozent.

Deutschland wies im März mit 25,6 Prozent den höchsten Marktanteil elektrifizierter Neuwagen unter den Top-5-Märkten Westeuropas auf, gefolgt von Großbritannien (22,7 Prozent).

Bei reinen Elektroautos lag hingegen Großbritannien mit einem Anteil von 16,1 Prozent im März vorn, während Plug-in-Hybride in Deutschland am beliebtesten waren (Marktanteil: 11,3 Prozent).