Ernst & Young EY: Abwärtstrend auf dem deutschen Neuwagenmarkt setzt sich fort

    Stuttgart (5.7.22) – Die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt im Juni 2022:

    • Im Juni lagen die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland erneut deutlich – um 18 Prozent – unter dem Vorjahresniveau. Damit setzt sich der Negativtrend der Vormonate fort. Nach wie vor liegen die Neuzulassungen damit zudem erheblich – um 31 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019.
    • Mit etwa 225.000 neu zugelassenen Pkw wurde im vergangenen Monat das zweitniedrigste Absatzniveau seit der deutschen Wiedervereinigung erzielt – bezogen auf den Monat Juni. Noch niedriger war die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland nur im Juni 2020, als harte Corona-Maßnahmen zu einem massiven Einbruch auf dem Neuwagenmarkt führten.

    • In anderen wichtigen europäischen Märkten entwickelten sich die Neuzulassungen im Juni ähnlich schwach wie in Deutschland: In Spanien gingen die Zahlen um acht Prozent zurück, in Österreich um 12 Prozent, in Frankreich um 14 Prozent, in Italien um 15 Prozent, in der Schweiz um 18 Prozent.
    • „Das Ende dieser aktuellen Krise ist nach wie vor nicht abzusehen, von einer Trendwende ist nach wie vor nichts zu spüren“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Die Herausforderungen werden nicht kleiner: Die Lockdowns in China führen zu neuen Lieferproblemen bei Vorprodukten und Rohstoffen, der Chipmangel besteht ohnehin nach wie vor, die Inflation dämpft die Kaufbereitschaft der Kunden, die drohende Rezession bremst die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Und nun nehmen auch noch die Sorgen um die Gasversorgung im Winter zu. Für die erhoffte Erholung auf dem Neuwagenmarkt sind das denkbar ungünstige Rahmenbedingungen.“
    • Absatz elektrifizierter Neuwagen rückläufig: Die Neuzulassungen reiner Elektroautos sind im Juni zwar um 3,5 Prozent gesunken, ihr Marktanteil kletterte von 12,2 auf 14,4 Prozent. Bei Plug-in-Hybriden wurde hingegen gegenüber dem Vorjahr ein deutlicherer Rückgang um 16,3 Prozent verzeichnet, der Marktanteil kletterte dennoch leicht von 11,4 auf 11,7 Prozent. In Summe schrumpfte damit der Absatz elektrifizierter Neuwagen um knapp 10 Prozent, der gemeinsame Marktanteil stieg aber von 23,6 auf 26,6 Prozent zurück. „Die Chipkrise ist längst im Elektrosegment angekommen und bremst dort die Produktion. Allerdings sehen wir bei Plug-in-Hybriden zusätzlich noch die Auswirkungen der Diskussion um ein Auslaufen der staatlichen Förderung. Immer deutlich zeigt sich, dass die Blütezeit dieser Antriebsart offenbar relativ kurz war. Ohne Steuerbonus und Umweltprämie dürften Plug-in-Hybride deutlich weniger attraktiv sein – gerade für Dienstwagenfahrer“, sagt Fuß.
    • In Bezug auf reine Elektroautos ist Fuß hingegen nach wie vor sehr optimistisch: „Die Autohersteller bringen immer mehr attraktive Modelle auf den Markt, zudem führen die hohen Spritpreise zu einem noch größeren Interesse gerade an Elektroautos, während gerade Diesel-Fahrzeuge zunehmend uninteressant werden. Sobald sich die Liefersituation wieder normalisiert, werden wir wieder höhere Zuwachsraten bei Elektroautos sehen.“
    • Angesichts der extrem volatilen Rahmenbedingungen sei eine Prognose für das zweite Halbjahr sehr schwierig, sagt Fuß. Er geht aber von einem Absatzrückgang gegenüber dem – sehr schwachen – Vorjahr von etwa zehn Prozent aus.